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Die Lilien ziehen die Reißleine

Darmstadt. Nach Viktor Skripnik, Bruno Labbadia, Dieter Hecking und Markus Kauczinski hat es nun auch Norbert Meier erwischt. Der Trainer-Senior der Bundesliga muss beim SV Darmstadt 98 gehen. Ramon Berndroth übernimmt – vorerst. Ulrike John,Patrick Reichardt (dpa)

Beim SV Darmstadt 98 ticken die Uhren eben doch nicht anders. Entgegen ihres beliebten Slogans sind die "Lilien " modernen Branchenmechanismen gefolgt und haben gestern Trainer Norbert Meier und Sportchef Holger Fach beurlaubt. "Wir sind nach dem gestrigen Spiel und der anschließenden Analyse zu der Auffassung gekommen, dass wir neue Impulse brauchen, um dem Negativtrend entgegenwirken zu können", sagte Präsident Rüdiger Fritsch einen Tag nach dem 0:2 im Kellerduell der Fußball-Bundesliga gegen den Hamburger SV . "Daher haben wir uns für diesen Schritt entschieden."

Für die Südhessen war es am Sonntag bereits die sechste Pflichtspiel-Niederlage in Serie. Ramon Berndroth, der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, übernimmt interimsmäßig die kriselnde Mannschaft, die auf den Relegationsplatz 16 zurückgefallen ist. Darmstadt tritt am Samstag bei Aufsteiger SC Freiburg an. Der 64-jährige Berndroth hatte bereits bei den Kickers Offenbach und beim FSV Frankfurt gearbeitet und war 1991 bis 1997 Co-Trainer bei Eintracht Frankfurt . Seine Assistenten sind nun Kai Peter Schmitz und Dimo Wache, der Torwarttrainer bleibt. Fritsch will sich in einer Pressekonferenz heute (13.30 Uhr) am Böllenfalltor zu der Entscheidung ausführlich äußern.

Meier, zuvor bei Arminia Bielefeld , hatte im Sommer die Nachfolge von Erfolgscoach Dirk Schuster angetreten. Schuster, inzwischen beim FC Augsburg , war mit den Südhessen von der 3. in die 1. Liga durchmarschiert und hatte zur Überraschung der Experten den Abstiegskandidaten Nummer eins im Oberhaus gehalten. Ex-Nationalspieler Fach hatte ebenfalls erst zu dieser Saison die Stelle als Sportlicher Leiter übernommen. Meier ist der fünfte Chefcoach, der in dieser Bundesliga-Saison frühzeitig gehen muss. Er hatte sich zuletzt ein peinliches Aus im DFB-Pokal beim Viertligisten FC Astoria Walldorf geleistet. Danach gewann das Team um Kapitän Aytac Sulu auch in der Liga nicht mehr. Qualitativ hat Darmstadt den wohl schwächsten Kader der Liga. Dafür waren sie in der vergangenen Saison so etwas wie die "Kampfmonster" der Liga und mit ihrem altmodischen Stadion auch eine Attraktion.



Beim erneuten Rückschlag gegen Hamburg hatten die Fans allerdings lautstark Meiers Rauswurf gefordert. Sein Nachfolger wird nun auch nicht damit rechnen können, dass die "Lilien " mit ihren bescheidenen finanziellen Mitteln in der Winterpause die Mannschaft massiv verstärken.