| 23:13 Uhr

Hamburger SV
Die letzte Patrone des HSV heißt Titz

Hamburg. Der ehemalige Trainer des FC Homburg ersetzt beim akut abtiegsgefährdeten Bundesliga-Dino Hamburg den entlassenen Bernd Hollerbach.

(sid) Heribert Bruchhagen? Abgesetzt! Jens Todt? Freigestellt! Bernd Hollerbach? Gefeuert! Die Chaostage in Hamburg haben ihr nächstes Opfer gefordert. Vier Tage nach dem Vorstandsboss und dem Sportchef musste beim HSV nun auch Trainer Hollerbach seinen Posten räumen. Für ihn übernimmt Bundesliga-Neuling Christian Titz, der von Juli 2011 bis April 2014 den FC Homburg trainierte, die Mission Impossible beim abgestürzten Traditionsclub.

„Ich bin natürlich sehr enttäuscht“, sagte Hollerbach dem „Hamburger Abendblatt“. Kurios und bezeichnend: Der Franke erfuhr von seinem Rauswurf angeblich erst, als die Nachricht im Internet längst die Runde machte. Am Nachmittag bestätigte der zuletzt immer planloser wirkende Club dann auch die weitreichende Personalentscheidung.

„Wir haben die sportliche Gesamtlage nach der 0:6-Niederlage in München intensiv analysiert und diskutiert“, sagte der kommissarische Vorstandschef Frank Wettstein. Am Ende sei er zusammen mit dem neuen Präsidenten und Aufsichtsratsboss Bernd Hoffmann und Bernhard Peters, Direktor Sport, zur „Überzeugung gelangt, dass wir im Hinblick auf unsere Chancen im Kampf um den Klassenerhalt handeln mussten“. Hollerbach hätten „positive Ergebnisse gefehlt“.



Unter der Führung von Hoffmann hat der HSV damit binnen fünf Tagen die komplette Führungsmannschaft ausgewechselt. Sieben sieglose Wochen durfte Hollerbach beim HSV herumwursteln, die Rettung wurde ihm nach dem Debakel bei Bayern München nicht mehr zugetraut.

Stattdessen soll der bisherige U21-Coach Titz den Dino an den letzten acht Spieltagen doch noch vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Der 46-Jährige war nach seiner Zeit im Saarland zum HSV gewechselt, dort zunächst für die U17 in der Bundesliga, danach für die zweite Mannschaft verantwortlich, mit der er derzeit an der Tabellenspitze der Regionalliga Nord steht. Jetzt wurde er von der Clubspitze mit allen Befugnissen ausgestattet. „Sollte das neue Trainerteam Spieler identifizieren, die sich nicht mit ausreichend Engagement den gemeinsamen Zielen widmen, kann es rigoros durchgreifen“, sagte Wettstein.

Titz ist in dieser Saison nach Hollerbach und Markus Gisdol bereits der dritte Coach auf der HSV-Trainerbank - und Hamburgs allerletzte Patrone im Bundesliga-Überlebenskampf. In Thomas von Heesen wurde ihm ein erfahrener Ex-Profi als Berater zur Seite gestellt, der bis auf Weiteres die Aufgaben des geschassten Todt übernehmen wird. Der Vertrag von Titz gilt vorerst bis zum Saisonende.

Die Clubspitze im Schwebezustand, die Mannschaft zerstritten, die Fans zwischen Resignation und Aggression: Die Atmosphäre beim HSV ist momentan irgendwo zwischen vergiftet und hoch explosiv. Ob ausgerechnet der bundesliga-unerfahrene Titz, inklusive Interimslösungen Trainer Nummer 16 seit 2008, für neue Ordnung im HSV-Wirrwarr der letzten Wochen und Monate sorgen kann, darf bezweifelt werden.

Dennoch klammern die Hanseaten ihre letzten Hoffnungen an den Betriebswirt. Titz wird heute sein erstes Training im Volkspark leiten und im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Hertha BSC erstmals auf der Bank sitzen. Dann besteht oberste Siegpflicht: Nach 13 Spielen ohne Dreier beträgt der Rückstand des HSV zum Relegationsplatz sieben Punkte.

Hollerbach, verdienter Ex-Profi der Rothosen, verzweifelte letztlich an dem ständigen Tohuwabohu in der Hansestadt – und an seinem Team. Unter dem früheren Linksverteidiger schaffte der HSV keinen einzigen Sieg und holte mickrige drei Punkte. Aus einem Punkt Rückstand zu Platz 16 wurden sieben.

Hollerbachs Vertrag lief noch bis 2019, der gelernte Metzger hätte den HSV im Falle des wahrscheinlichen Abstiegs wieder zurück ins Oberhaus führen sollen. Doch der von Bruchhagen und Todt ausgeheckte Plan ist längst obsolet. Der neue starke Mann Hoffmann hatte bereits am vergangenen Donnerstag den kompletten „Neuanfang“ ausgerufen und damit wie Wettstein den Anfang vom Ende Hollerbachs eingeleitet.