Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 22:05 Uhr

Die Lässigkeit in Person

Verteidiger Antonio Rüdiger (li.), hier im DFB-Trikot gegen den Italiener Lorenzo Insigne, hat gute Chancen, bei der EM in Frankreich Teil der deutschen Viererkette zu sein. Foto: Hoppe/dpa
Verteidiger Antonio Rüdiger (li.), hier im DFB-Trikot gegen den Italiener Lorenzo Insigne, hat gute Chancen, bei der EM in Frankreich Teil der deutschen Viererkette zu sein. Foto: Hoppe/dpa FOTO: Hoppe/dpa
Rom. National-Verteidiger Antonio Rüdiger hat mit seinen 23 Jahren schon ein hohes Maß an Reife erreicht. Nach seinem Wechsel vom VfB Stuttgart zum AS Rom hat er sich in Italien etabliert – und bei Joachim Löw.

Antonio Rüdiger ist die Lässigkeit in Person. Gut gelaunt schlendert er über Trigoria, das Trainingszentrum von AS Rom . Die Sonnenbrille in den Pullover gesteckt, das Lebensmotto "Live fast" ("Lebe schnell") auf der modischen Schirmmütze, wird er überall gegrüßt und umarmt. Man spürt: Hier in Rom fühlt sich der Fußball-Nationalspieler pudelwohl. Auch die Sprache hat er gelernt. "Mein großes Ziel ist es, nach dem letzten Spiel gegen Milan mein erstes Interview auf Italienisch zu geben."

Rom stehe für ihn für "Leidenschaft. Eine tolle Stadt mit super Wetter und super Essen. Und für tolle Fans", sagt der 23-Jährige. Und für sportlichen Erfolg. Er ist Stammspieler bei der Roma, die erneute Champions-League-Qualifikation ist so gut wie perfekt, und das EM-Ticket scheint dem Defensivspieler sicher.

Doch nur in Frankreich dabei zu sein, reicht dem ehrgeizigen Rüdiger nicht. Er will spielen. Dafür würde er sich aus der Innenverteidigung, wo Jerome Boateng und Mats Hummels gesetzt sind, auch verschieben lassen. "Ich habe einige Male dort gespielt und die Position schmeckt mir langsam", betont der neunmalige Nationalspieler und bietet sich Bundestrainer Joachim Löw als Rechtsverteidiger an. Also für jene Problem-Position, die er bisher nur im Oktober 2014 zweimal einnehmen durfte.

An diesem sonnigen April-Tag in Rom spürt man in jeder Sekunde: Das erste Dreivierteljahr im Ausland hat Antonio Rüdiger reifen lassen, sein Selbstvertrauen ist enorm. Er hat es geschafft, ist ein Fußball-Star, auch wenn der Weg dorthin nicht immer einfach war. Aufgewachsen in Berlin-Neukölln lernte er das Kicken auf einem Gummiplatz. "Dort hilft dir keiner. Da gibt es keinen Schiedsrichter, da musst du dich durchsetzen", erzählt er: "Das habe ich früh gelernt, das hat mich geprägt, und da bin ich stolz drauf."

Sein Bruder Sahr Senesie, einst Profi bei Borussia Dortmund , berichtet, Rüdiger sei bei Streitereien eher der Schlichter gewesen. "Er hat nicht immer alles gesehen", entgegnet dieser schmunzelnd: "Ich habe schon oft geschlichtet. Aber manchmal war ich auch mittendrin statt nur dabei."

Mit 15 verließ Rüdiger sein Zuhause, wechselte nach Dortmund. Das erste Jahr sei nicht einfach gewesen, berichtet er. Dann zuckt er mit den Schultern: "Aber man muss halt auch was riskieren." Er schaffte beim VfB Stuttgart den Sprung in die Bundesliga, wurde von vielen nach zwei Roten Karten wegen Tätlichkeiten nach Provokationen 2013 aber schon als "Hitzkopf" abgestempelt. "Ich wusste: Jetzt noch eine Rote Karte, und du bist in der Schublade, in der du nie sein wolltest. Als Bad Boy, als Rocky Rüdiger", erzählt er: "So möchte man nicht abgestempelt werden. Also musste ich etwas verändern." Seitdem halte er sich "von diversen Problemen auf dem Platz fern." In Italien werde zwar viel provoziert, "aber was solche Dinge angeht, bin ich raus aus der Geschichte".

Heute lässt er sich nicht einmal von den immer wieder vorkommenden rassistischen Beleidigungen in den italienischen Stadien aus dem Konzept bringen lassen. "Es ist leider so, dass man in dem einen oder anderen Stadion diese Affenlaute hört", sagt er: "Das tut natürlich weh, und man fragt sich, wieso solche Menschen das tun. Aber es bringt mich nicht aus der Fassung. Wenn ich irgendwie reagiere, bin ich der Dumme. Und dann habe ich genau das getan, was sie erreichen wollten." Im Alltag mache er solche Erfahrungen Gott sei Dank nicht.

Doch auf dem Weg nach oben hat Antonio Rüdiger fast allen Widrigkeiten getrotzt. Sogar seiner Flugangst. "Inzwischen schlafe ich ein, sobald ich in den Flieger steige", sagt er. Und wieder verrät sein breites Lächeln: In Rom hat er sein Glück gefunden.