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Die deutsche Doppelspitze

 Markus Eisenbichler (links) ist in dieser Saison bislang der konstanteste deutsche Skispringer. Severin Freund (rechts) startete zwar gut in die neue Saison, hat aber seit einigen Wochen leichte Probleme. Foto: karmann/dpa
Markus Eisenbichler (links) ist in dieser Saison bislang der konstanteste deutsche Skispringer. Severin Freund (rechts) startete zwar gut in die neue Saison, hat aber seit einigen Wochen leichte Probleme. Foto: karmann/dpa FOTO: karmann/dpa
Oberstdorf. Auf Weltmeister Severin Freund sind beim Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf alle Blicke der Gastgeber gerichtet. Der Profiteur des Rummels könnte Markus Eisenbichler werden. Christoph Leuchtenberg,Erik Roos (sid)

Severin Freund im Scheinwerferlicht, Markus Eisenbichler in seinem Schatten: Die Eröffnungsparty der 65. Vierschanzentournee machte auch dem unbedarftesten Beobachter die Hackordnung im deutschen Skisprung-Team klar. Weltmeister Freund bleibt trotz Formschwäche und Nachwehen einer Hüft-Operation aus dem Frühjahr der Frontmann, Eisenbichler der Geheimtipp. Eine Rollenverteilung, die sich beim großen Auftakt am heutigen Freitag entscheidend ändern kann.

"Wir haben nicht nur Severin. Markus kann mit den Besten mithalten. Er muss für sich erkennen: Hey, das kann ich ja auch", sagt Bundestrainer Werner Schuster. Denn während der allgegenwärtige Freund vor dem Auftakt am Schattenberg (16.45/ZDF und Eurosport) für Fans und Medien als eine Art Blitzableiter agiert, ist Eisenbichler in aller Ruhe in die Weltspitze geflogen. Fünfmal in Folge war Eisenbichler zuletzt bester DSV-Adler, in Lillehammer stand er erstmals auf dem Podest. "Wir lassen Markus jetzt weitestgehend in Ruhe, er hat ja auch noch keine ordentliche Tournee gesprungen. Es ist ein Reifeprozess", sagt Schuster. Erst einmal hielt Eisenbichler bis Bischofshofen durch - mehr als Platz 50. in der Gesamtwertung schaffte er nie.

Freund kommt mit der neuen Rolle gut zurecht, hilft Eisenbichler, wo er kann. "Nach meinem Podest war Severin der Erste, der mir die Ski zusammengebunden und Fotos gemacht hat, so wie wir es immer für ihn getan haben", verrät Eisenbichler. Das Ziel des Durchstarters: "Ich will gut springen, aber ich mache auch nicht so ein Fass auf wie die Medien."



Und Severin Freund , der Oberstdorf-Sieger des Vorjahres? Auch nach seiner Ankunft im ersten Tournee-Ort stapelte der Niederbayer tief. "Der Sieg hier vor einem Jahr war eines der schönsten Erlebnisse meiner Karriere", sagte er auf der Bühne vor knapp 2000 Fans auf dem Prinzregenten-Platz, schob dann aber hinterher: "Die Vorzeichen sind diesmal anders. Es fehlt noch etwas."

Noch immer spürt Freund die Folgen seiner Operation im Frühjahr, doch an einem perfekten Tag wie zuletzt beim Weltcup-Auftakt in Kuusamo sind Siege durchaus möglich. "Ich würde ihn nicht abschreiben, da kann schon was kommen", sagt auch Schuster: "Eine seiner großen Stärken ist, dass er nie seinen Emotionen den Vorrang gibt und alles in einer nüchternen Art bewertet."

Freund selbst nennt als Favoriten lieber den erst 17 Jahren alten Domen Prevc (Slowenien) oder Doppel-Olympiasieger Kamil Stoch (Polen). "Domens Flugsystem ist außergewöhnlich, aber auch außergewöhnlich effektiv. Das kann ihm auf den Tourneeschanzen helfen", sagt er. Doch auch Stoch sei "sehr heiß, um bei der Tournee beweisen zu können, was er drauf hat".

Und er selbst? Ganz abgeschrieben hat Freund sich noch nicht, auch wenn er seine Sätze mit Bedacht formuliert. "Manchmal kann es im Skispringen ganz schnell gehen", sagt der Frontmann des DSV-Teams, der auf "seiner" Schanze in Oberstdorf schon fast 2000 Sprünge absolviert hat. "Ich will die Tournee nutzen, damit meine Sprünge besser werden. Und dann schauen wir mal, was für ein Ergebnis rauskommt. Das hat meistens in meiner Karriere ganz gut funktioniert." Seit 1953 zieht die Vierschanzentournee Millionen von Skisprung-Fans in ihren Bann. Die deutsch-österreichische Traditionsveranstaltung steigt zum 65. Mal.

Die Schanzen

Los geht es auf der Schattenbergschanze in Oberstdorf . Die Anlage wurde 2003 erbaut und bietet 24 000 Zuschauern Platz. (Schanzenrekord: Sigurd Pettersen/Norwegen 143,5 Meter) Es folgt das Neujahrsspringen auf der 2007 umgebauten Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen. 35 000 Fans finden Platz. (Rekord: Simon Ammann/Schweiz 143,5 Meter).

Nächste Station ist der Bergisel in Innsbruck. 2001 wurde der Bakken mit einem Fassungsvermögen von 26 000 Zuschauern neu gebaut. Beim Flug blicken die Springer direkt auf den Friedhof. (Rekord: Michael Hayböck/Österreich 138 Meter). Das Finale steigt auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen. 2003 wurde die Anlage, in der 30 000 Fans Platz finden, neu gebaut. (Rekord: Daiki Ito/Japan 143 Meter).

Die Siegerstatistik

Gleich drei Nationen stellten jeweils 16 Mal den Gesamtsieger: Deutschland (mit DDR), Finnland und Österreich. Rekordsieger ist der Finne Janne Ahonen. Er triumphierte zwischen 1999 und 2008 gleich fünfmal. Erfolgreichster Deutscher ist Jens Weißflog mit vier Siegen. 2001/02 gewann Sven Hannawald als bisher Einziger alle vier Tournee-Wettbewerbe.