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Darts-WM in London
Vorhang auf im Mekka der Darts-Welt

 Er ist der, der immer im Mittelpunkt steht, der den es zu schlagen gilt: Michael van Gerwen aus den Niederlanden ist der Star der Darts-Welt.
Er ist der, der immer im Mittelpunkt steht, der den es zu schlagen gilt: Michael van Gerwen aus den Niederlanden ist der Star der Darts-Welt. FOTO: dpa / Thomas Eisenhuth
London. Die Weltmeisterschaften im Alexandra Palace in London sind inzwischen Kult. Es geht auch um ein Rekordpreisgeld. sid

Duftende Lebkuchen, Glühwein und Besinnlichkeit. Damit ist in der Darts-Szene elf Tage vor Heiligabend Schluss, denn in London fliegen wieder die Pfeile. Traditionell beginnt im Dezember die WM und verwandelt den Alexandra Palace in ein Tollhaus. Ab dem heutigen Donnerstag (20.15 Uhr/Sport1) zelebrieren Tausende Fans in bunten Kostümen ihre ganz persönliche Vorweihnachtszeit.

Während die Zuschauer in der traditionsreichen Sportstätte ausgelassen feiern und das Bier in Strömen fließt, herrscht bei den Darts-Profis hinter der Bühne höchste Konzentration. „Im Trainingsraum ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Niemand lacht. Die Stimmung ist ernst, man spürt die Bedeutung des Turniers“, sagt Weltmeister Rob Cross.

Cross muss es wissen. Mit einem sensationellen Lauf spielte er sich bei der vergangenen WM bis ins Finale vor, wo der gelernte Elektriker dem legendären Phil „The Power“ Taylor mit 7:2 den Strom abdrehte. Ob die WM in diesem Jahr ein ähnliches Märchen schreibt? „Cross, van Gerwen, van Barneveld, Wade. Die haben das alle drauf. Lasst den Besten gewinnen“, sagt Taylor, der seinen Ruhestand genießt.



Für vier deutsche Teilnehmer heißt es hingegen ab Donnerstag „Game on“. Max Hopp, die deutsche Nummer eins, steigt als gesetzter Spieler erst in der zweiten Runde ein. Auf ihm ruhen die größten Hoffnungen, allerdings droht schon in der dritten Runde das Aufeinandertreffen mit dem Besten der Welt, Michael van Gerwen. Doch „der Tag wird kommen“, ist sich Hopp sicher, „an dem ich ihn schlagen werde, und dann werde ich es genießen.“ Warum also nicht im „Ally Pally“? Van Gerwen überzeugte in den vergangenen Wochen nicht und ist über kürzere Spieldistanzen anfällig.

Hinzu kommt die besondere Stimmung der Fans, die dem Niederländer nicht unbedingt wohlgesinnt sind. Die Atmosphäre kennt auch der deutsche Teilnehmer Robert Marijanovic: „Jeder, der ein Ticket kauft, weiß, dass er praktisch verpflichtet ist, für gute Stimmung zu sorgen. Manchmal ist es allerdings etwas übertrieben, manchmal auch etwas komisch“, sagt der 38-Jährige: „Aber es ist das Turnier, das Mekka für die Darts-Spieler. Da will jeder hin. Es ist natürlich das größte Turnier. Es sind Millionen Zuschauer vor dem Fernseher.“ Neben Marijanovic und Hopp stehen auch Martin Schindler und erstmals der Saarländer Gabriel Clemens oben auf der Bühne (die SZ berichtete), während unten die Zuschauer singen, klatschen und auf den Tischen tanzen.

Die Weltmeisterschaft findet nach wie vor nicht in großen Stadien oder einen hochmodernen Multifunktionsarena statt, sondern in der West Hall des Alexandra Palace. Zahlenmäßig sind die 3000 Besucher keine besondere Kulisse, mit ihren bunten Kostümen als Banane, Schwein, Teletubby oder Super Mario aber umso mehr. Und auch die Fernsehsender hoffen, dass die Übertragungen aus der britischen Hauptstadt wieder für Rekordzahlen sorgen wie im Vorjahr, als 2,14 Millionen Menschen das Finale zwischen Cross und Legende Taylor sahen.

Doch wer holt sich diesmal den Titel und den Rekordscheck über umgerechnet 562 000 Euro? Zwar regiert van Gerwen noch immer die Darts-Welt, aber vor allem der Schotte Gary Anderson rüttelt an dessen Thron. „Es wäre ein wahnsinniges Gefühl, den dritten Titel zu holen. Wenn ich mein Spiel durchziehen kann, dann weiß ich, dass die Chancen gut stehen“, schießt Anderson schon mal in Richtung seiner Konkurrenten. Schon vor dem ersten Wurf ist der Kampf um den wichtigsten Darts-Titel des Jahres längst entbrannt. Ab diesem Donnerstag wird er dann auf der Bühne im „Ally Pally“ fortgesetzt – und bis in die heimischen Wohnzimmer getragen. Vielerorts ist die Darts-WM rund um Weihnachten Kult – und sogar schon Anlass für Public Viewing. In der Grugahalle in Essen sollen ab 27. Dezember bis zu 6000 Fans Platz finden. Das sind doppelt so viele wie im „Ally Pally“.