| 22:11 Uhr

DHB-Team unter Schock
Kühns Verletzung trübt WM-Aussichten

Handballer Julius Kühn muss eine längere Pause einlegen. Er zog sich einen Kreuzbandriss zu
Handballer Julius Kühn muss eine längere Pause einlegen. Er zog sich einen Kreuzbandriss zu FOTO: dpa / Silas Stein
Hamburg. Der Rückraumschütze wird das Heim-Turnier der deutschen Handballer wegen eines Kreuzbandrisses verpassen. sid

„Drama, „Hiobsbotschaft“, „Schock“: Die Reaktionen auf die schwere Verletzung von Julius Kühn fielen heftig aus. Kein Wunder, der Ausfall des Top-Rückraumschützen bei der Heim-WM bedeutet für die deutschen Handballer eine herbe Schwächung. Die Vorfreude ist erst einmal Ernüchterung gewichen, der Traum von einem erneuten Wintermärchen ist ernsthaft in Gefahr.

„Uns bricht eine feste Größe mit Shooterqualität weg", sagte Bundestrainer Christian Prokop gestern. Auch am Tag nach der niederschmetternden Diagnose, die er als „schlimme Nachricht" bezeichnete, war dem 39-Jährigen der Schock über den Kreuzbandriss seines Rückraumlinken deutlich anzumerken, seine Gedanken waren aber vor allem bei Kühn. „Für Julius ist es das Schlimmste, was passieren konnte“, sagte Prokop. Durch das MRT-Ergebnis sei für Kühn eine Welt zusammengebrochen. „Er ist völlig geschockt und niedergeschlagen." Der 25-Jährige, der die Knieverletzung bei der Partie im Kosovo (30:14) erlitten hatte und nun für den Rest der Saison ausfällt, galt als großer Hoffnungsträger für die WM im Januar. Der wurfgewaltige Rechtshänder mit der imposanten Statur war in der abgelaufenen Saison bester Feldtorschütze der Bundesliga und einer der Garanten des sensationellen deutschen Titelgewinns bei der EM 2016.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning nannte es ein „Drama für den Spieler, die MT Melsungen und die Nationalmannschaft“. Kühn sei ein „wesentlicher Baustein" in den Planungen gewesen und vom Spielertyp in Deutschland" einmalig. Das tut richtig weh und hat auf unser Spiel erhebliche Auswirkungen.“ Der Rückraum gilt im deutschen Spiel ohnehin als Achillesferse, nun fallen durch die Verletzung Kühns auch noch viele der sogenannten „leichten Tore" aus der zweiten Reihe weg.



Und so stürzte sich Prokop gestern in die Arbeit, an den ehrgeizigen Zielen will er festhalten. „Wir werden Julius nicht eins zu eins ersetzen können. Aber wir haben immer betont, dass wir über eine gewisse Breite und das Mannschaftsgefüge kommen", sagte er. Auch wenn zurzeit die Gefühlslage der „riesigen Enttäuschung für Julius" überwiege, „kommen wir darüber hinweg. Wir verfügen über starke Spieler in der Bundesliga und haben Alternativen.“

Zuvorderst meinte Prokop damit Steffen Fäth. Der Rückraumspieler von den Rhein-Neckar Löwen ist zweifelsohne ein genialer Handballer, ruft sein Potenzial allerdings zu selten ab. „Er hat beim Lehrgang und dem Spiel im Kosovo einen guten Eindruck hinterlassen", sagte Prokop. Doch auch Fabian Böhm (Hannover) und Niclas Pieczkowski (Leipzig) sind nun noch mehr gefordert, von hinten drängt Youngster Marian Michalczik (21/Minden) ins Team.

Die kommenden Wochen in der Bundesliga dürften damit doch noch zu einem kleinen Casting werden, denn viel Zeit bleibt Prokop bis zum WM-Auftakt am 10. Januar nicht. Schon am 10. Dezember wird er einen vorläufigen 28er-Kader nominieren.