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Fußball
DFL sucht den Ausweg aus der größten Krise

 Christian Seifert, Sprecher des Präsidiums und Geschäftsführer der DFL, wird mit den Vereinen an diesem Montag die Krisensituation besprechen.
Christian Seifert, Sprecher des Präsidiums und Geschäftsführer der DFL, wird mit den Vereinen an diesem Montag die Krisensituation besprechen. FOTO: dpa / Boris Roessler
Frankfurt. Den Profifußball trifft die Aussetzung des Spielbetriebs ins Mark. An diesem Montag wird die weitere Vorgehensweise abgestimmt. sid

Uli Hoeneß war in seinem Element. Voller Leidenschaft forderte der Ehrenpräsident von Bayern München die Verantwortlichen im deutschen Fußball am Sonntag zu einem nüchternen Umgang mit der grassierenden Corona-Pandemie auf. Der Fußball und die Bundesliga seien „nicht so wichtig“, betonte Hoeneß. „Die Realität ist: Wir müssen jetzt einfach mal vier Wochen warten. Ich finde es Scharlatanerie zu sagen, was man in vier Wochen machen soll. Vielleicht wird auch erst im Oktober wieder gespielt, das weiß doch keiner.“

Angesichts der Krisensitzung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) an diesem Montag (11.30 Uhr) in Frankfurt sagte Hoeneß, in der derzeitigen Situation „kann man gar nichts beschließen“. Dies betreffe aber nicht nur den Fußball. „Wir müssen entschleunigen, runterfahren“, mahnte der ehemalige Präsident und Aufsichtsrats-Chef des FC Bayern, dies gelte für jeden Bürger in Deutschland: „Erst wenn die Zahl der Infektionen im Griff ist, kann man darüber nachdenken, wann man wieder Fußball spielt.“

In der Bundesliga und 2. Liga geht aufgrund der ungewissen Zukunft freilich längst die Existenzangst um. „Es steht ein größerer dreistelliger Millionenbetrag für die 1. und 2. Liga im Feuer“, betonte Bayern Münchens Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Nach Informationen der Agentur sid bangen die 36 Vereine um Einnahmen von insgesamt 770 Millionen Euro – angesichts dieser Summe sieht Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den deutschen Profifußball „in der größten Krise seiner Geschichte“.



Am Montag treffen sich die Mitglieder der DFL, um nach der äußerst spät am Freitagnachmittag erfolgten Absage des 26. Spieltags einen Ausweg zu finden. Bis zum 2. April ist der Spielbetrieb ausgesetzt, danach soll die Saison unbedingt zu Ende gebracht werden. Als Rummenigge am Freitag gefragt wurde, ob die Pause ausreiche, sagte er: „Da bin ich sehr skeptisch.“ Bayer Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler bezeichnete eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 4. April als „unrealistisch“ und forderte wie Hoeneß erst mal eine Absage der EM 2020 (12. Juni bis 12. Juli).

Die Folgen der Pandemie könnten die Existenz einiger Clubs tatsächlich ernsthaft bedrohen. Es fehlen Einnahmen aus den TV-Verträgen, dem Sponsoring und dem Kartenverkauf. Zugleich bleiben die Kosten für die Spieler, andere Angestellte oder etwa Stadionmieten nahezu unverändert. Er hoffe, sagte Watzke, „dass die Bundesliga-Clubs in den vergangenen Jahren so viel Substanz gebildet haben, dass alle diese Krise überstehen“. Der BVB habe dieses Polster, betonte er.

4,8 Milliarden Euro setzten die Bundesliga (4,02 Milliarden) und die 2. Liga (782 Millionen) in der Spielzeit 2018/2019 um, der Gewinn nach Steuern betrug insgesamt 141,5 Millionen Euro (Bundesliga: 128 Millionen), 28 Clubs wiesen einen Überschuss aus. Allerdings: Zum 30. Juni 2019 standen in den Büchern der damaligen 36 Erst- und Zweitligisten auch Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 1,766 Milliarden Euro (Bundesliga: 1,431).

Kein Wunder also, dass die DFL darauf hofft, die verbleibenden neun Spieltage irgendwie noch absolvieren zu können. Man wolle die Saison nach Möglichkeit irgendwie zu Ende bringen, sagte DFL-Chef Christian Seifert zu seiner bislang größten Herausforderung, einen Abbruch lehnt er bislang ab. Voraussetzung wäre, dass Uefa die EM-Endrunde verschiebt: So hätten die nationalen Verbände zunächst Luft bis zum 30. Juni, um die Saison zu Ende zu bringen. Das Wichtigste, sagte Völler, sei nun eine Antwort auf die Frage: „Wie kann die nationale Liga weiter existieren?“ Die Antwort auf diese Frage sei derzeit aber unmöglich, betonte Hoeneß.

Parallel zur DFL prüft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Hilfsprogramm zur Aufrechterhaltung der Liquidität für den Fall, dass der Spielbetrieb weiter ruhen muss und Verbände oder Vereine in Liquiditätsengpässe geraten sollten. Dies betrifft die 3. Liga, die Frauen-Bundesliga und die Regional- und Landesverbände. „Wir werden“, sagte DFB-Schatzmeister Stephan Osnabrügge, „alles in unserer Macht Stehende tun, um unserem Vereinsfußball und den Wettbewerben bestmöglich zu helfen“.