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Deutsche Fußball-Nationalmannschaft
Stotterstart bei neuer Fan-Nähe

Joachim Löw beobachtet seine Spieler beim Training im Stadion in Sinsheim. Als Bundestrainer muss und darf er das – die Fans hingegen hatten keinen Zugang zum Stadion während des Abschlusstrainings.
Joachim Löw beobachtet seine Spieler beim Training im Stadion in Sinsheim. Als Bundestrainer muss und darf er das – die Fans hingegen hatten keinen Zugang zum Stadion während des Abschlusstrainings. FOTO: dpa / Uwe Anspach
Sinsheim. Die Entfremdung von den eigenen Anhängern ist nach dem WM-Desaster ein großes Thema beim DFB.

An diesen Worten wird sich auch Joachim Löw in Zukunft messen lassen müssen. Der Bundestrainer verspricht mehr Fan-Nähe, insbesondere Kinder sollen ihre „Idole“ mehr zu Gesicht bekommen. Die Debatte um hohe Eintrittspreise, zu späte Anstoßzeiten und öffentliche Trainingseinheiten flammte beim Neustart nach dem WM-Debakel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft neu auf.

Dem DFB gelang rund um die Partien gegen Weltmeister Frankreich und Peru (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) allenfalls ein Stotterstart. Dabei gilt, was Mats Hummels nach dem 0:0 gegen Frankreich sagte: „Fußball ist Unterhaltung und ein Sport für die Fans. Wir wollen die Leute wieder für uns begeistern.“

In die Fan-Debatte mischte sich am Wochenende Aufregung um den Austragungsort des Tests gegen Peru. Sinsheim statt Frankfurt lautete das Verbandsvotum. Angeblich, weil DFB-Präsident Reinhard Grindel die Befürchtung hegte, dass Frankfurter Ultras kurz vor der Vergabe des EM-Turniers 2024 die deutsche Bewerbung mit negativen Bildern von Ausschreitungen oder Bengalos torpedieren könnten. Das berichtete der „Spiegel“ und berief sich dabei auf einen internen Mailwechsel der DFB-Spitze.



Der Verband stellt dies anders dar. „Es war ein Gedanke dahin, ein ausverkauftes Stadion zu haben“, sagte Teammanager Oliver Bierhoff am Samstagabend im ZDF-Sportstudio. Die im Vergleich zum Frankfurter Stadion halb so große Rhein-Neckar-Arena konnte mit knapp 26 000 Zuschauern tatsächlich gefüllt werden. Zwei volle Stadien in München und Sinsheim sowie „wahnsinnig viele Kinder“ (Löw) am Samstag bei der Ankunft am Teamhotel in Heidelberg bewiesen, dass das Interesse an den Nationalspielern trotz des sportlichen Versagens in Russland kaum gelitten hat. Hummels und Kollegen schrieben auch eifrig Autogramme.

Die Zuneigung der Fans „hat uns allen sehr gut getan“, berichtete Marco Reus. Dennoch wurde eine Chance vertan. „Wir werden häufiger die Türen und Tore aufmachen“, hatte Bierhoff angekündigt. Der gute Vorsatz blieb in Ansätzen stecken. Löw versuchte wortreich, den fortgesetzten Verzicht auf öffentliche Trainingseinheiten zu rechtfertigen. „Die ersten Tage vor dem Frankreich-Spiel waren wichtig, die Mannschaft war zum ersten Mal wieder zusammen“, sagte der Bundestrainer zum abgeschotteten Üben in München. Und ein Abschlusstraining sei „nicht unbedingt sinnvoll“ für eine offene Einheit. Auch in Sinsheim blieb das Stadion leer. „Aber im Oktober und November haben wir uns das vorgenommen, da werden wir das machen“, versprach Löw.

Der Bundestrainer würde sich mehr Länderspiele am frühen Abend wünschen. „Meine Meinung ist seit einigen Jahren bekannt“, sagte er: „Dann könnten die Kinder das Spiel sehen. Sie sind ja die Zukunft. Gerade in dem Alter sind sie zu sensibilisieren für Fußball. Wir würden uns alle wünschen, wir könnten um 18 Uhr spielen, dann könnten die Kinder ihre Idole auch sehen.“ Er verwies aber auf „Entscheidungsprozesse, die auch ich nicht in dem Maße beeinflussen kann“. Der DFB ist an Verträge gebunden. Die TV-Anstalten erzielen bei Zeiten nach 20 Uhr höhere Einschaltquoten. Zudem werden die Zeiten bei der Nations League von der Uefa diktiert. Umso wichtiger werden Fan-Aktionen abseits der Spiele.