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David gegen Goliath in Osnabrück
Rödinghausen vor „Spiel des Lebens“

In der ersten Pokalrunde bejubelte der SV Rödinghausen um Kapitän Daniel Flottmann (2. v. r.) einen Sieg gegen Zweitligist Dynamo Dresden. Ganz unten im Spielerknäuel liegt übrigens Sieg-Torschütze Maximilian Hippe.
In der ersten Pokalrunde bejubelte der SV Rödinghausen um Kapitän Daniel Flottmann (2. v. r.) einen Sieg gegen Zweitligist Dynamo Dresden. Ganz unten im Spielerknäuel liegt übrigens Sieg-Torschütze Maximilian Hippe. FOTO: dpa / Friso Gentsch
Rödinghausen. Der Regionalligist aus Westfalen empfängt im DFB-Pokal den FC Bayern München. sid

Daniel Flottmann kann seine Vorfreude nicht verbergen. „Flutlicht, Bremer Brücke und ich als Osnabrücker Junge – mehr geht nicht“, sagt der Kapitän des West-Regionalligisten SV Rödinghausen vor dem Pokalschlager am heutigen Dienstag (20.45 Uhr/ARD und Sky) gegen das Starensemble des FC Bayern München in Osnabrück.

Rödinghausen ist die kleinste Gemeinde der verbliebenen Vereine im DFB-Pokal. Die knapp 10 000 Einwohner könnten nicht einmal das für gut 16 000 Zuschauer ausgelegte Stadion in Osnabrück füllen, in das der Viertligist ausweichen muss. Für die Kicker des Teams aus dem Kreis Herford ist es das „Spiel des Lebens“.

„Wir müssen ja nicht antreten, wenn wir sagen, wir wollen möglichst niedrig verlieren. Das ist ein Pokalspiel, da gibt es nur rein oder raus. Jeder von uns ist Sportler, will an sein Limit gehen. Und warum sollten wir nicht versuchen zu gewinnen?“, fragte Flottmann. Für den 34 Jahre alten Innenverteidiger, der das Spiel in vollen Zügen genießen will, ist die Partie gegen den Rekordmeister das „Nonplusultra“.



Die sonst übermächtigen Bayern, die mit sieben Siegen in die Saison gestartet waren, sind nach einer kurzen Durststrecke wieder im Aufwind. Deshalb macht sich SV-Trainer Enrico Maaßen auch nichts vor: „Wir alle brauchen unser Spiel des Lebens, der FC Bayern braucht einen rabenschwarzen Tag, und dann haben wir vielleicht eine klitzekleine Chance. Wir wollen versuchen, ein tolles Spiel abzuliefern, große Emotion zeigen und versuchen, die Bayern ein bisschen zu ärgern.“

Bei aller Vorfreude, die auch rund um den Verein vor dem großen Spiel herrscht, könnte die Partie für Maximilian Hippe kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt kommen. Der 20-Jährige, im Umkreis von Rödinghausen aufgewachsen und nach seiner Einwechslung in der ersten Pokalrunde gegen Dynamo Dresden umjubelter Torschütze zum 3:2-Siegtreffer, wird die Partie voraussichtlich aufgrund einer Schambein-Entzündung verpassen. „Das ist natürlich sehr bitter“, sagt Hippe traurig. Wie viele seiner Mitspieler hätte der Innenverteidiger in der zweiten Pokalrunde gern noch einen weiteren Zweitligisten gezogen. Denn „die Chancen, dass wir weiterkommen, sind eher gering“.

Rödinghausen wird finanziell von einem ortsansässigen Hersteller für Luxusküchen unterstützt. Trotz des Geldgebers und der zusätzlichen Einnahmen aus dem Pokalwettbewerb geben sich die Ostwestfalen zurückhaltend. „Wir verfolgen klare Pläne, wie wir mit dem Verein weiterkommen möchten, aber wir sind kein Verein, der große Parolen raushaut und sagt, wir wollen in den nächsten zwei, drei Jahren aufsteigen“, sagt Geschäftsführer Sport Alexander Müller. Die A-Jugend spielt seit dieser Saison in der Bundesliga gegen Branchengrößen wie Borussia Dortmund, Schalke 04 oder Bayer Leverkusen. Und die Männer dürfen jetzt sogar gegen den Größten der Branche ran: in ihrem Spiel des Lebens.