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Fußball
Sensationen sind im DFB-Pokal immer drin

 Eine unvergessene Szene und zugleich Startschuss für die eigene Profi-Karriere: Harry Koch vom TSV Vestenbergsgreuth lässt sich nach der DFB-Pokal-Sensation gegen Bayern München (1:0) von den Fans feiern. Am Ende der Saison 1994/1995 wechselt Koch zum 1. FC Kaiserslautern, wo er bis 2003 bleibt und zur Kultfigur aufsteigt.
Eine unvergessene Szene und zugleich Startschuss für die eigene Profi-Karriere: Harry Koch vom TSV Vestenbergsgreuth lässt sich nach der DFB-Pokal-Sensation gegen Bayern München (1:0) von den Fans feiern. Am Ende der Saison 1994/1995 wechselt Koch zum 1. FC Kaiserslautern, wo er bis 2003 bleibt und zur Kultfigur aufsteigt. FOTO: dpa / Claus Felix
Frankfurt. Von Geislingen über Vestenbergsgreuth bis Ulm: Der Merkur gibt einen Überblick über die größten Überraschungen der letzten Jahre. dpa

Fußball-Bundesligisten gegen Amateure – meistens ist das eine klare Sache. Aber im DFB-Pokal gibt es immer wieder Überraschungen. Fünf Mal schon erwischte es sogar den Titelverteidiger in der ersten Runde – so wie Eintracht Frankfurt vor einem Jahr. Die Hessen verloren beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 mit 1:2. Vor dem Auftakt dieser Saison erinnert der Merkur in einer Auswahl an große Sensationen in der ersten Pokalrunde.

1984: SC Geislingen - Hamburger SV 2:0. – Damals war der Hamburger SV noch groß: Doch selbst mit Stars wie Uli Stein, Manfred Kaltz oder Felix Magath ist das Team von Trainer-Legende Ernst Happel beim schwäbischen Drittligisten klar unterlegen. Nach der Partie klagt Magath: „Die eigentliche Katastrophe ist, dass wir überhaupt keine Siegchance hatten.“



1990: FV Weinheim - FC Bayern München 1:0. – Nur wenige Wochen nach dem WM-Triumph mit der DFB-Elf ist für Klaus Augenthaler am 4. August 1990 eines klar: Der große FC Bayern spaziert beim Oberligisten Weinheim locker in Runde zwei. Doch am Ende siegt der Außenseiter sensationell durch ein Elfmeter-Tor von Hans-Peter Makan.

1994: TSV Vestenbergsgreuth - FC Bayern München 1:0. – Für den neuen Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni wird das erste Pflichtspiel ein Desaster. Vestenbergsgreuth ist ein kleines Dorf bei Nürnberg, gespielt wird aber im Nürnberger Frankenstadion. Millionen Fans bei der ZDF-Liveübertragung und knapp 25 000 im Stadion erleben den Sensationssieg des Regionalligisten. „Dass alle über uns gespottet haben, ist normal“, sagt der Bayern-Profi Dietmar Hamann.

1995: SV Sandhausen - VfB Stuttgart 13:12 nach Elfmeterschießen. – Auch das magische Dreieck des VfB Stuttgart mit Krassimir Balakow, Fredi Bobic und Giovane Elber kann die Blamage beim damaligen Regionalligisten Sandhausen nach einem rekordträchtigen Elfmeterschießen nicht verhindern. Einige Kicker müssen sogar doppelt antreten. Als einziger Schütze verschießt der Stuttgarter Hendrik Herzog. Nach regulärer Spielzeit stand es 2:2.

2001: SSV Ulm - 1. FC Nürnberg 2:1. – Im Jahr 2001 ist der frühere Bundesligist Ulm aus wirtschaftlichen Gründen bis in die fünfte Liga abgestürzt. Aus der Erstliga-Saison 1999/2000 steht nur noch Dragan Trkulja im Kader. Der Serbe erzielt den 2:1-Siegtreffer gegen den Club, der damals von Weltmeister Klaus Augenthaler trainiert wird.

2006: Stuttgarter Kickers - Hamburger SV 4:3 nach Verlängerung. – Bei Drittligist Stuttgarter Kickers liegt der HSV schon mit 0:2 zurück, dreht den Rückstand aber in eine 3:2-Führung. Doch eine Minute vor dem Ende gleicht Recep Yildiz für die Kickers zum 3:3 aus, ehe Christian Okpala in der Verlängerung den 4:3-Siegtreffer schießt.

2011: Dynamo Dresden - Bayer Leverkusen 4:3 nach Verlängerung. – Leverkusen mit „Capitano“ Michael Ballack führt bei strömendem Regen schon nach zwölf Minuten mit 2:0, kurz nach der Pause nach einem Tor von André Schürrle gar mit 3:0. Doch der Zweitligist schlägt mit einer fulminanten Aufholjagd zurück, schafft das 3:3. Das entscheidende Tor macht Dresdens Alexander Schnetzler in der Verlängerung. „Ich bin ein bisschen sprachlos und komme mir vor wie im falschen Film“, sagt Bayer-Stürmer Stefan Kießling.

2012: Berliner AK - 1899 Hoffenheim 4:0. – Die von Markus Babbel trainierten Hoffenheimer blamieren sich beim Berliner Viertligisten völlig. Schon zur Halbzeit steht es 3:0 für die Amateure, die gegen die Mannschaft mit Protz-Torwart Tim Wiese, Andreas Beck und dem heutigen Liverpool-Star Roberto Firmino auch noch höher hätten gewinnen können.

2015: FC Carl Zeiss Jena - Hamburger SV 3:2 nach Verlängerung. – Der Bundesliga-Dino erlebt die nächste Pokalschmach. HSV-Trainer Bruno Labbadia hatte vor dem Viertligisten gewarnt. Genutzt hat es nichts. Nachdem Michael Gregoritsch in der vierten Minute der Nachspielzeit für die Hamburger die Verlängerung erzwingt, sieht es nach einem Happy End für den Favoriten aus. Doch die Akkus sind leer, Jena kämpft und wird durch Johannes Pieles Kopfball-Tor in der 106. Minute belohnt.

2016: Sportfreunde Lotte - Werder Bremen 2:1. – Werder Bremen blamiert sich beim Drittliga-Aufsteiger Sportfreunde Lotte auf ganzer Linie. Nach dem vierten Erstrunden-Knockout seit 2011 gegen ein Drittligateam moniert Werders Geschäftsführer Frank Baumann mangelnde Einstellung, Disziplinlosigkeiten, taktische Mängel, eine überforderte Abwehr und ein ideenloses Mittelfeld. Zum Liga-Auftakt kommt es genauso schlimm: 0:6 bei Bayern München.

2017: VfL Osnabrück - Hamburger SV 3:1. – 70 Minuten lang spielt Bundesligist HSV in Überzahl, nachdem der Osnabrücker Marcel Appiah den Hamburger Angreifer Bobby Wood mit einer Notbremse gestoppt hatte. Dennoch steht am Ende eine Blamage gegen den Drittligisten. Für Trainer Markus Gisdol ist es der Anfang einer missratenen Saison, an deren Ende der Abstieg steht. Acht Jahre zuvor hatte der HSV schon einmal an der Bremer Brücke in Osnabrück verloren – allerdings in der zweiten Pokalrunde.

2018: SSV Ulm 1846 - Eintracht Frankfurt 2:1. – Als Pokalsieger reist Eintracht Frankfurt nach Ulm zum ehemaligen Bundesligisten und blamiert sich dort. Erstmals seit dem Abstieg ist das Donaustadion wieder ausverkauft – und der SSV Ulm 1846 gewinnt gegen das Team des neuen Trainers Adi Hütter 2:1. Erstmals nach 22 Jahren ist ein Titelverteidiger im DFB-Pokal wieder in der ersten Runde ausgeschieden. Zuletzt war das dem 1. FC Kaiserslautern 1996 passiert. Insgesamt ist Frankfurt der fünfte Verein nach Lautern, Werder Bremen (1994), Kickers Offenbach (1970) und dem Hamburger SV (1963), der als Pokalsieger in der ersten Runde ausscheidet.