| 21:05 Uhr

Münchner stehen im DFB-Pokalfinale
Bremen tobt und trauert, Bayern feiert

  Noch mal gut gegangen: Erleichterung herrschte nach dem Einzug ins Pokalfinale bei den Bayern-Torschützen (von links) Thomas Müller und Robert Lewandowski sowie „Elfmeter-Rausholer“ Kingsley Coman und David Alaba.
Noch mal gut gegangen: Erleichterung herrschte nach dem Einzug ins Pokalfinale bei den Bayern-Torschützen (von links) Thomas Müller und Robert Lewandowski sowie „Elfmeter-Rausholer“ Kingsley Coman und David Alaba. FOTO: dpa / Christian Charisius
Bremen. Irres Pokalspiel in Bremen mit höchst fragwürdigem Elfmeter-Siegtor für die Münchner erhitzt die Gemüter. sid

Kapitän Max Kruse schimpfte wie ein Rohrspatz, Sportchef Frank Baumann fühlte sich betrogen – doch Uli Hoeneß konnte über das ganze Theater um den fragwürdigen Elfmeter in der Schlussphase nur müde lächeln. Während die Bremer Fußball-Seele kochte und in den Katakomben des Weserstadions mal wieder über den berüchtigten Bayern-Bonus getuschelt wurde, würdigte Bayern Münchens Präsident lieber ein „fantastisches Spiel“ und verteilte ein seltenes Sonderlob für Niko Kovac.

„Wenn ein Trainer ins Pokal-Endspiel kommt und vier Spieltage vor Schluss Tabellenführer ist, hat er eine gute Arbeit geleistet“, sagte Hoeneß anerkennend. Das spektakuläre 3:2 (1:0) im Pokal-Halbfinale in Bremen und vor allem die Aussicht aufs erste Double seit 2016 zauberten dem großen Zampano des Bundesliga-Tabellenführers ein Dauergrinsen ins Gesicht. Und der Elfmeter? „Keine Diskussion. Den fand ich hundertprozentig in Ordnung.“

Diese Meinung hatte Hoeneß exklusiv. Bremens Torjäger Max Kruse nannte den Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert „lächerlich“, Bremens Trainer Florian Kohfeldt „brutal“. Und selbst Kovac sprach hinterher von einer „harten Entscheidung. Wenn er ihn nicht pfeift, können wir uns nicht beklagen.“ Weil der Videoschiedsrichter aber nach Ansicht der Bilder keine Veranlassung sah, Siebert nach leichtem Schubser von Theodor Gebre Selassie an Kingsley Coman vor den Bildschirm zu zitieren, und Robert Lewandowski vom Punkt die Nerven behielt (80.), dürfen sich die Bayern auf ihr 23. Pokalfinale freuen. „Der King (Coman) fällt nicht von allein“, sagte Kovac, „der Ellbogen von Gebre Selassie war schon da, den hätte er besser weggelassen. Da hat er sich ein bisschen dumm angestellt.“



Jochen Drees als Chef der DFB-Videoschiedsrichter räumte tags darauf einen Kommunikationsfehler beim umstrittenen Elfmeter ein. Schiedsrichter Daniel Siebert und Videoassistent Robert Kampka hätten sich „im Prinzip diese Situation nochmal anschauen müssen. Und da haben beide einfach nicht auf die Art und Weise miteinander kommuniziert und geredet, wie wir das erwarten würden“, sagte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter in einem SWR-Interview am Donnerstag.

8,91 Millionen Fußballfans verfolgten am Mittwochabend die Liveübertragung in der ARD. Dies entspricht einem Marktanteil von 30,5 Prozent. Die Partie wurde auch live vom Pay-TV-Sender Sky übertragen. Und die Zuschauer sahen eine dramatische Partie mit zwei überraschenden Wendungen, nachdem es beim Stand von 2:0 für Bayern nach einer klaren Sache ausgesehen hatte. Der Bundesliga-Tabellenführer hat nach dem frühen Aus in der Champions League nun alle Trümpfe für das nationale Titel-Doppel aus Pokal und Meisterschaft in der Hand. Gelingt das, würde die Saison nach Ermessen von Club-Patriarch Hoeneß zumindest noch die Note „1-“ bekommen.

Für die Bayern geht es im Finale am 25. Mai gegen RB Leipzig um Pokalsieg Nummer 19, für Kovac, der in München seit Monaten unter Dauer-Druck steht, womöglich auch um seine Zukunft. Nach dem Triumph im vergangenen Jahr mit Eintracht Frankfurt würde ihm die erfolgreiche „Titelverteidigung“ weitere Argumente sichern.

Die Bremer leckten unterdessen ihre emotionalen Wunden. Die irre grün-weiße Aufholjagd nach 0:2-Rückstand durch Lewandowski (36.) und Thomas Müller (63.) mit zwei Toren binnen 67 Sekunden durch Yuya Osako (74.) und Milot Rashica (75.) wurde nicht belohnt, am Ende stand die erste Heim-Niederlage im Pokal seit 31 Jahren. „Es wird die nächsten Tage auch noch sehr wehtun“, sagte Geschäftsführer Baumann. Schwacher Trost: Da weder München noch der Tabellendritte aus Leipzig von den ersten sechs Rängen verdrängt werden können, wird der Tabellensiebte in der Qualifikation zur Europa League antreten. Werder ist momentan Tabellen­achter.

 Nach dem höchst umstrittenen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert gab es ebenso höchst heftige Proteste der Bremer.
Nach dem höchst umstrittenen Elfmeterpfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert gab es ebenso höchst heftige Proteste der Bremer. FOTO: AP / Martin Meissner