| 23:39 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft
DFB-Elf geht ungeschlagen in WM-Saison

Der deutsche Angreifer Timo Werner erzielt das zwischenzeitliche 1:1, das der französische Torhüter Steve Mandanda nicht verhindern kann. Lars Stindel konnte kurz vor Schluss erneut ausgleichen.
Der deutsche Angreifer Timo Werner erzielt das zwischenzeitliche 1:1, das der französische Torhüter Steve Mandanda nicht verhindern kann. Lars Stindel konnte kurz vor Schluss erneut ausgleichen. FOTO: Roland Weihrauch / dpa
Köln. Deutschland trennt sich von Fußball-Europameister Frankreich 2:2. Ausgleich des Gladbachers Stindl in der letzten Sekunde.

(sid) Joker Lars Stindl hat zum Abschluss eines grandiosen Länderspieljahres die stolze Serie der deutschen Fußball-Weltmeister gerettet. Mit einem Rechtsschuss bewahrte der Mönchengladbacher die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw beim 2:2 (0:1) im WM-Härtetest gegen Frankreich vor der ersten Niederlage nach 20 Spielen. Zuletzt hat die deutsche Nationalmannschaft im EM-Halbfinale verloren – gegen die Franzosen (0:2). Bei der Rückkehr des WM-Helden Mario Götze hatte Alexandre Lacazette (33./71.) zweimal für die technisch exzellenten Gäste in Köln getroffen. Die Weltmeister hingegen spielten lange statisch, zögerlich und mit wenig Esprit, bis Werner das 1:1 erzielte (56.). Toni Kroos setzte einen Frei­stoß an die Unterkante der Querlatte (70.), Sekunden später fiel das 1:2. Stindl konterte in der dritten Minute der Nachspielzeit.

Positiv in Erinnerung bleiben wird Götzes Rückkehr. Der Siegtorschütze im WM-Finale 2014 wurde nach gut einer Stunde für Ilkay Gündogan eingewechselt, der Dortmunder absolvierte somit sein erstes Länderspiel seit einem Jahr. Lange hatte er wegen einer Stoffwechselerkrankung gefehlt.

Löw hatte beim 0:0 in England am Freitag das Blitzartige im Umschaltspiel vermisst. Er verschrieb seiner Mannschaft, das schleunigst „wieder einzuschleifen“, um in Russland Gegner der Weltklasse ins Wanken bringen zu können. Joshua Kimmich war erstmals seit Mitte 2016 nicht dabei, der Münchner erhielt eine Pause und wurde von Emre Can vertreten. Das deutsche Spiel sollten wieder Kroos und Kapitän Sami Khedira aufziehen, die Löw in London geschont hatte. Das wirkte sich anfangs positiv aus, mit sehr hoch stehenden Außenverteidigern wählten die Weltmeister den Weg nach vorne – Özil hätte beinahe das 1:0 erzielt (3.). Besonders Kroos tauchte danach aber lange ab.



Das gefällige Spiel der technisch exzellenten Franzosen, unter anderem angetrieben von Bayerns Münchens Rekordeinkauf Corentin Tolisso, war auf das Supertalent Kylian Mbappe zugeschnitten. Mats Hummels spitzelte dem 180-Millionen-Mann im letzten Moment den Ball vom Fuß (12.). Einen ersten Schuss von Lacazette entschärfte der saarländische Torhüter Kevin Trapp (19.) ebenso entschlossen wie später gegen Mbappe (32.).

Im deutschen Spiel war das Zentrum dicht, auch weil Gündogan weit in die Mitte zog und somit die rechte Angriffsseite entblößte. In der Spitze bei Werner kamen die Bälle meist erst gar nicht an. Frankreich zwang die deutsche Mannschaft mit Pressing und klugem Verschieben zu etlichen Quer- und Rückpässen, der von Löw energisch eingeforderte Überfallfußball blieb zunächst aus. Den spielten eher die Gäste.

Nach einer Traum-Kombination mit kleinteiligen Direktpässen über vier Stationen zeigte sich die französische Überlegenheit auch auf der Anzeigetafel. Löw wirkte nachdenklich, seine Mannschaft wurde kaum noch gefährlich, bis Werner von Özil wunderbar steil geschickt wurde und Torhüter Steve Mandanda tunnelte. Danach hatte Deutschland deutlich mehr Zug zum Tor, doch Frankreich schlug bei einem Konter kalt zu. Stindl rettete schließlich nach feiner Vorbereitung von Götze das Unentschieden.

Löw entlässt seine Nationalspieler nun in eine viermonatige Phase ohne Länderspiele, mit einem klaren Auftrag: Jeder muss mehr tun, alles geben, um auf höchstmöglichem körperlichen und mentalen Niveau in die unmittelbare WM-Vorbereitung starten zu können.