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Verjüngte DFB-Auswahl
„Rasselbande“ macht ordentlich Laune

Deutschlands neue „junge Wilde“ bejubeln das 1:0 gegen Russland durch Leroy Sané (Zweiter von rechts).
Deutschlands neue „junge Wilde“ bejubeln das 1:0 gegen Russland durch Leroy Sané (Zweiter von rechts). FOTO: dpa / Christian Charisius
Leipzig. Bundestrainer Löw lässt beim 3:0 gegen Russland neun Spieler unter 26 Jahren auf das Feld, die ihre Sache sehr gut machen. dpa

Jung, schnell, torhungrig. Die neue Turbo-Generation um Leroy Sané, Serge Gnabry und Kai Havertz hat Joachim Löw in seinem Erneuerungskurs bestätigt und die Lust auf die Revanche gegen die Niederlande angefacht – unabhängig von allen Abstiegs-Szenarien in der Nations League. „Wir haben etwas gutzumachen“, sagte der Bundestrainer nach dem Mutmacher-Sieg gegen Russland in Leipzig.

Im Duell mit Oranje zum Abschluss der Nations League am Montag (20.45 Uhr/ARD) auf Schalke bieten sich für den Bundestrainer nun mehrere vielversprechende Personaloptionen, um das verkorkste WM-Jahr versöhnlich abzuschließen und das demütigende 0:3 im Oktober in Amsterdam zu korrigieren. Ein Sieg mit frischem Tempo-Fußball reichte, um die Zweifel an Löws Reformfähigkeit und Zukunft als Bundestrainer zu beenden.

„Das ist das, was wir wollen. Wir wussten, es gibt nach der WM einen Umbruch. Und dieses Gesicht der neuen Mannschaft, die jetzt die Qualifikation bestehen muss, entwickelt sich jetzt“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Genauso haben wir es uns vorgestellt.“ Kapitän Manuel Neuer sieht nun die Chance auf einen dauerhaften Aufwärtstrend. „Wir wollen versuchen, gegen die Niederlande ein ähnlich gutes Spiel zu zeigen. Wir haben viele gute Spieler mit großem Potenzial, die zeigen, was sie können“, betonte der Torwart, der mit 32 Jahren mit Abstand der Älteste war.



Mit neun Spielern unter 26 Jahren hatte Löw ein Signal für einen Generationenwechsel gegeben. Teenager Havertz glänzte als Spielmacher und bekam nach seinem Startelf-Debüt ein Sonderlob. „Für 19 Jahre ist er sehr weit“, sagte Löw und stellte dem Leverkusener für die Zukunft eine „Schlüsselrolle“ in Aussicht (siehe Text unten).

Für das Pflichtspiel gegen die Niederlande dürfte Löw wieder auf mehr Erfahrung setzen. Toni Kroos gehört nach seiner Erholungspause als Schaltstelle im Mittelfeld wieder zum Team. Mats Hummels ist als einer der wenigen verbliebenen Ex-Weltmeister in der Innenverteidigung in Pflichtspielen wohl noch erste Wahl – wie auch Niklas Süle, der gegen Russland als Abwehrchef sein Premierentor erzielte.

Sollte Marco Reus nach seiner Fußprellung wieder fit sein, stünde er in der Zehner-Hierarchie noch deutlich vor Havertz. „Bei Marco Reus müssen wir schauen, wie es aussieht, wie er trainieren kann, und dann werden wir am Sonntag entscheiden“, kündigte Löw an.

Zum Symbol des ersehnten Wandels wurde wie im Oktober in Frankreich (1:2) schon angedeutet der schnelle Dreier-Sturm mit den Torschützen Sané und Serge Gnabry sowie Timo Werner. „Heute haben wir jungen Spieler gezeigt, dass wir das System des Bundestrainers spielen können“, sagte Sané nach seinem Premierentreffer. Festlegen, dass das Trio dauerhaft die erste Option für den Angriff ist, wollte sich Löw aber nicht. Als Alternativen nannte er Julian Brandt und auch Thomas Müller, der gegen die Niederlande sein 100. Länderspiel bestreiten könnte. „So fühlt sich mal wieder ein Sieg an“, sagte Müller nach dem höchsten Erfolg im WM-Jahr.

Bei Verbands-Chef Grindel weckte der Sieg wieder die Glücksmomente des Sommers 2017: „Das hat mich so ein bisschen erinnert an die Confed-Cup-Truppe: Das war unbekümmert, aber gut abgesichert nach hinten. Das machte schon einen guten Eindruck.“ Auch für den DFB-Präsidenten war der Sieg eine Erleichterung, war er doch für sein praktisch bedingungsloses Festhalten an Löw stark kritisiert worden.

Auch Löw konstatierte mit Erleichterung den ersehnten Aufwärtstrend. „In der ersten Halbzeit haben wir ein sehr gutes Tempo gespielt. Wir haben versucht, die erste und zweite Reihe der Russen zu überspielen und eine Dynamik aufzubauen“, sagte Löw: „Auf der anderen Seite wollte ich von der Offensive den Killerinstinkt sehen. Das ist der Schlüssel.“