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DFB-Auswahl nun gegen Peru
Mit der Nullnummer können alle leben

Die beiden Nationalspieler Toni Kroos (links) und Mats Hummels bedanken sich nach dem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich bei den Fans in der Münchner Arena für die Unterstützung.
Die beiden Nationalspieler Toni Kroos (links) und Mats Hummels bedanken sich nach dem 0:0 gegen Weltmeister Frankreich bei den Fans in der Münchner Arena für die Unterstützung. FOTO: dpa / Federico Gambarini
München. Nach dem guten Auftritt gegen Frankreich will Bundestrainer Löw gegen Peru etwas mehr experimentieren.

Aufatmen, sofort weitermachen: Nach der Mutmacher-Leistung gegen den Fußball-Weltmeister mussten sich Manuel Neuer und Co. an ihrem Erholungstag in München nicht verstecken. Erleichterung und auch eine Spur Genugtuung waren nach dem 0:0 gegen Frankreich zum Neustart nach dem WM-Debakel unverkennbar. „Wir wurden alle etwas schwächer geredet, als wir sind in den letzten Monaten. Wir sind alle sehr heiß darauf, einigen Leuten zu zeigen, wie falsch sie damit liegen“, sagte Mats Hummels. An diesem Sonntag (20.45 Uhr/RTL) soll es gegen Peru in Sinsheim eine Fortsetzung des Konsolidierungskurses der Nationalmannschaft geben.

„Es ging darum, den Leuten zu zeigen, dass wir im Nationaltrikot nicht auf Schüleraustausch unterwegs sind, sondern dass wir uns schon bewusst sind, dass wir die deutschen Fahnen vertreten und mit viel Herz auf dem Platz stehen“, sagte Thomas Müller. Joachim Löw setzte im Teamhotel am Englischen Garten neben dem üblichen Regenerationstraining am Freitag noch eine Teamsitzung an, bevor er seinen Kader in ein paar Stunden Freizeit mit Zapfenstreich vor Mitternacht entließ.

„Mit dem Ergebnis und dem Spiel kann ich sehr gut leben“, sagte Löw nach der süßesten Nullnummer seiner langen Ära als Bundestrainer. Gegen Peru wird Löw den nächsten Meilenstein erreichen und mit seinem 167. Länderspiel als Cheftrainer die Rekordmarke von Sepp Herberger einstellen. Aber solche Zahlenspiele sind für den 58-Jährigen derzeit sekundär. Wichtiger war für Löw die Erkenntnis, dass sein Reformprogramm auch gegen die Dynamik eines Kylian Mbappé mit den von ihm weiter dringend benötigten Ex-Weltmeistern gleich funktionierte. „Das ist die Basis. Es gibt Grundtugenden, die immer da sein müssen. Die Null muss nicht immer stehen, aber eine defensive Stabilität ist für jede Mannschaft der Welt tatsächlich die Grundvoraussetzung“, sagte Hummels, der im Gegensatz zur WM diesmal nicht von seinen Nebenleuten alleingelassen wurde.



Die Herzen der Fans in der mit 67 485 Zuschauern ausverkauften Allianz Arena eroberte die DFB-Elf schnell zurück. Auch die TV-Quote von etwas mehr als elf Millionen Zuschauern im ZDF mit einem Marktanteil von 39,2 Prozent zeigte das unverändert große Interesse. Für Ilkay Gündogan war die positive Reaktion der Fans auf seine Einwechslung ein ganz spezieller Moment. „Heute kann ich mit einem Lächeln nach Hause fahren“, erklärte er, nachdem es nur noch von ganz wenigen Fans Pfiffe gab. Nach der emotionalen Erdogan-Affäre scheint Normalität wieder möglich. Im Gegensatz zum im Zorn geschiedenen Mesut Özil will Gündogan unbedingt weiter für Deutschland spielen.

Bestätigt wurde Löw in seiner Haltung, dass ein radikaler Personalwechsel weder nötig noch zweckmäßig wäre. „Man hat gesehen, dass Verteidiger wie Mats Hummels, Jérôme Boateng oder auch ein Toni Kroos extrem wichtig sind. Aber natürlich muss man nach und nach die Jungen forcieren, aber da haben wir auch Gelegenheit zu“, sagte Löw. Die erste Chance für Experimente kommt gegen Peru. Dann könnte es die Länderspiel-Debütanten Nummer 97 bis 99 in der Amtszeit von Löw geben. Der Bundestrainer hatte schon vor dem Frankreich-Spiel angekündigt, Kai Havertz (19/Bayer Leverkusen), Nico Schulz (25/1899 Hoffenheim) und Thilo Kehrer (22/Paris Saint-Germain) in einer der beiden Partien einsetzen zu wollen. Leroy Sané reiste am Freitag ab – der 22-Jährige von Manchester City reiste aus privaten Gründen in Absprache mit Löw ab.