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Handball-EM
Der Neustart soll ohne Niederlage gelingen

 Deutschlands Handballer wollen in der Zwischenrunde der EM endlich zeigen, dass sie eine Mannschaft sind.
Deutschlands Handballer wollen in der Zwischenrunde der EM endlich zeigen, dass sie eine Mannschaft sind. FOTO: dpa / Robert Michael
Wien. Die deutschen Handballer treffen bei der EM zum Auftakt der Hauptrunde auf Weißrussland. Verlieren ist ab sofort verboten. dpa

Die tiefen Augenringe bei Bundestrainer Christian Prokop lassen auf wenig Schlaf vor dem Start der deutschen Handballer in die EM-Hauptrunde schließen. In der Partie gegen Weißrussland an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/ARD) steht das Team bereits unter maximalem Druck – eine weitere Niederlage nach dem Vorrunden-Flop gegen Spanien würde bereits das Ende aller Halbfinal-Träume bedeuten.

„Die Mannschaft geht damit sehr gut um. Sie konzentriert sich nur auf diese Herausforderung und will sie meistern“, sagte Prokop zum Duell mit den Weißrussen und betonte: „Jetzt geht es darum, perfekt in die richtige Richtung zu gehen. Jeder muss eine Schippe drauflegen, damit wir durchstarten können. Wir sind eine große Handball-Nation, das wollen wir auch zeigen.“

Kapitän Uwe Gensheimer ist ebenfalls zuversichtlich, dass die Wende gelingt. „Wir müssen gegen Weißrussland zu unserer Leistung finden und geschlossen zeigen, wozu wir im Stande sind“, forderte der 33 Jahre alte Linksaußen.



Beim Medientermin in der Wiener Stadthalle und dem anschließenden Training gab sich Prokop am Mittwoch betont locker. Hier ein flotter Spruch für die Journalisten, dort ein Scherz mit Co-Trainer Erik Wudtke. Auch die Kommunikation mit den Spielern wirkt keineswegs gestört. Und doch haben die dürftigen Vorstellungen seiner Schützlinge in der Vorrunde Spuren beim Bundestrainer hinterlassen. Die Leichtigkeit und Souveränität, mit der Prokop im Vorjahr bei der Heim-WM an der Seitenlinie agierte, ist verschwunden. Während der Spiele wirkt der 41 Jahre alte Familienvater ähnlich angespannt wie bei seiner verpatzten EM-Premiere 2018, die ihn nach nur sieben Monaten im Amt fast den Job gekostet hätte.

Gegen die Niederlande vergaß er in einer Auszeit den Namen von Rechtsaußen Timo Kastening, gegen Spanien hatte er kein erfolgreiches Spielsystem parat, und gegen Lettland vermissten viele Beobachter in der brenzligen Schlussphase einen emotionalen Weckruf. „Natürlich kann ich schreiend meinen Frust zum Ausdruck bringen und die Schuld auf alle schieben, die gerade die Bälle verloren haben. Aber das bringt nichts“, begründete Prokop anschließend seine Zurückhaltung.

„Jeder ist so authentisch, wie er authentisch sein kann. Man kann aus einem Analytiker wie Prokop keinen Peter Neururer machen. Er ist so, wie er ist“, sagte Ex-Nationaltorwart Andreas Thiel über den Charakter des Bundestrainers: „Und was wir nicht vergessen sollten: Er hat im letzten Jahr bei der Heim-WM einen guten Job gemacht.“

Doch Prokop weiß, dass die Meriten vergangener Tage schnell in Vergessenheit geraten, wenn es nicht läuft. Er muss schleunigst in allen Mannschaftsteilen Lösungen finden. „Die Abwehr muss wieder ihr WM-Niveau erreichen, die Torhüter müssen stabiler werden. Dazu wollen wir ein schnelleres und disziplinierteres Angriffsspiel hinbekommen“, umriss der Coach die Aufgaben und verkündete das Motto für die Hauptrunde: „Wenn wir uns als Team verbessern, werden wir eine kontinuierlich stärkere Leistung bieten. Dann werden wir in unseren Flow kommen.“

Das ist auch nötig. Nach der Partie gegen Weißrussland folgen die Duelle mit Kroatien am Samstag, Co-Gastgeber Österreich am Montag und Tschechien am MIttwoch (alle 20.30 Uhr). Deutschland beginnt die Hauptrunde ohne Punkte, Spanien, Kroatien und Österreich liegen mit jeweils zwei Zählern vorne. Patzer sind also verboten.