| 21:50 Uhr

Leichtathletik-WM in Doha
Die großen deutschen Gold-Hoffnungsträger

 Andreas Hofmann, Thomas Röhler und Julian Weber (von links) gehören bei der Leichtathletik-WM in Doha wie auch Titelverteidiger Johannes Vetter zu den Medaillenkandidaten im Speerwurf.
Andreas Hofmann, Thomas Röhler und Julian Weber (von links) gehören bei der Leichtathletik-WM in Doha wie auch Titelverteidiger Johannes Vetter zu den Medaillenkandidaten im Speerwurf. FOTO: dpa / Soeren Stache
Doha. Bärenstarkes Speerwerfer-Quartett hat die besten Chancen, bei der WM in Doha den Weltmeister zu stellen. dpa

Speerwurf-Gold geht nach Deutschland – dieser heiße Tipp ist München-Olympiasieger Klaus Wolfermann nicht schwergefallen. Thomas Röhler, Johannes Vetter oder Andreas Hofmann? „Einer von den Dreien wird Weltmeister. Wenn wir Glück haben, geht auch der zweite Platz an Deutschland. Wir haben da schon eine sehr starke Truppe“, sagte der 73-Jährige vor der Leichtathletik-WM in Doha. Im Münchner Olympiastadion holte Wolfermann 1972 zum großen Wurf aus und erkämpfte Olympia-Gold für die Bundesrepublik. Das Speerwurf-Finale im Khalifa-Stadion steigt am kommenden Sonntag, die Qualifikation einen Tag zuvor.

Bundestrainer Boris Obergföll hat sogar vier Asse im Ärmel: Auch der Mainzer Julian Weber ist in Doha am Start – weil ihm der bereits nominierte Bernhard Seifert sein WM-Ticket schenkte. Der Fairplay-Preis dürfte dem 26 Jahre alten Potsdamer sicher sein. Findet auch Wolfermann. „Einzigartig, das zeigt Charakter ohne Ende“, sagte der Franke, der in der Nähe von München lebt. Nach gutem Saisonstart ging Seiferts Leistungskurve nach unten. „Ich wusste irgendwann: So willst du nicht zur WM fahren“, schrieb er bei Facebook. „Denn da war ja noch Julian Weber. Ich wusste, er ist in Form, hat es verdient, zur WM zu fahren. Deshalb habe ich meinen Platz frei gemacht“, schilderte er.

Mit guter Laune sind Obergföll und sein Männer-Quartett angereist. „Die Jungs sind alle fit, gut drauf, die Stimmung ist gut. Wir freuen uns drauf, dass es jetzt endlich losgeht“, sagte der Ex-Weltklasse-Speerwerfer und Ehemann von Ex-Weltmeisterin Christina Obergföll. „Es war eine lange Saison, die will man auch mal zum Abschluss bringen. Wir freuen uns.“ Da Vetter als Weltmeister von 2017 eine Wildcard hat, dürfen vier deutsche Speerwurf-Asse mitmischen.



Rio-Olympiasieger Röhler findet die Vergabe der WM ins Golf-Emirat Katar alles andere als optimal für die olympische Kernsportart. „Die ersten Tage waren ernüchternd, das war schon traurig. Jetzt hat man geschafft, das alles ein bisschen lauter und bunter zu machen“, sagte der 28-Jährige aus Jena am Donnerstag. Die Aussage von IAAF-Präsident Sebastian Coe, dass die Leichtathletik in alle Länder müsse, „die teile ich zwar“, sagte der Europameister. „Ich wünsche mir aber eigentlich, dass wir künftig in Stadien gehen, wo das gemacht wird, wofür wir leben.“

Titelverteidiger Vetter hat in einer schwierigen Saison ein starkes Comeback hingelegt, über 90 Meter geworfen. „Vor einem Jahr ist bei mir vermutlich ein Stück Knochen am Fuß abgebrochen. Ich fahre trotzdem mit Rückenwind nach Katar“, sagte der 26 Jahre alte Offenburger. Fünf Tage nach dem WM-Finale muss Vetter unters Messer. Die Operation wird arthroskopisch durchgeführt und dauert „vielleicht 20 Minuten“, sagte der Bundestrainer. „Fünf, sechs Wochen danach kann Johannes wieder Gas geben.“

Röhler rechnet wieder mit einer Überraschung. „Eine Handvoll Favoriten kriegen wir schnell zusammen. Aber die Glaskugel haben wir alle nicht zu Hause. Johannes ist definitiv als Mitfavorit zu sehen“, sagte der 28 Jahre alte Thüringer, dem in dieser Saison noch der ganz große Wurf fehlt, der aber trotzdem wie Hoffmann als Mitfavorit gilt.