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Handballturnier in Merzig
DHB-Auswahl bändigt diesmal die Wikinger

 Die deutsche Nationalmannschaft jubelt über den Turniersieg.
Die deutsche Nationalmannschaft jubelt über den Turniersieg. FOTO: Ruppenthal
MERZIG. Deutsche U19-Handball-Nationalmannschaft gewinnt Traditionsturnier in Merzig mit einem 35:32-Finalsieg über Island. Saarauswahl belegt Platz sechs. Von David Benedyczuk

Im Finale des Sparkassen-Cups für Handball-Jugendnationalteams bekamen die Zuschauer am Sonntag eine Neuauflage des Endspiels von vor zwei Jahren zu sehen: Deutschland gegen Island – dieses Duell hatte es schon 2017 gegeben. Damals waren es die „Wikinger“, die knapp triumphierten. Der aktuellen U19 des Deutschen Handballbunds (DHB) glückte nun die verspätete Revanche für diese bittere Niederlage. Vor voll besetzten Rängen in der Merziger Thiels­parkhalle rang das DHB-Team die Isländer mit 35:32 (18:16) nieder und durfte bei der 33. Auflage der Veranstaltung des HSV Merzig-Hilbringen zum 19. Mal den Siegerpokal in Empfang nehmen.

Das war nach den ersten Freudentänzen auf dem Feld dem deutschen Kapitän Renars Uscins vorbehalten. „Das Turnier lief für uns sehr positiv. Wir haben sicher noch einige Baustellen, für die weitere Entwicklung war das hier aber ein wichtiger Schritt“, sagte der 17-jährige Linkshänder vom SC Magdeburg, der wie die meisten Mitspieler eine Profikarriere anpeilt.

Personell habe er aktuell die „Qual der Wahl“, betonte Jugend-Bundestrainer Erik Wudtke. Das bekam auch Uscins zu spüren. Im Finale erhielt er nur wenig Spielzeit, obwohl er in der Gruppenphase im ersten von zwei Duellen mit den Isländern beim 28:21 (11:11) noch mit acht Treffern geglänzt hatte. Auch im umkämpften Halbfinale gegen Turnierneuling Färöer-Inseln war Uscins mit sieben Toren ein Sieggarant. Gegen die Fähringer um den herausragenden Elias á Skipagøtu, der später zum besten Spieler gekürt wurde, musste sich die DHB-Auswahl beim 39:35 (16:19) mächtig strecken. Der Nachwuchs von der nur gut 50 000 Einwohner zählenden Inselgruppe im Nordatlantik führte zeitweise klar mit vier Toren. Erst nach der Halbzeit steigerte sich das deutsche Team und schaffte die Wende.



Im Endspiel sahen die Besucher lange ein ausgeglichenes Spiel. In der zweiten Hälfte war es nicht zuletzt DHB-Torwart Lasse Ludwig (Füchse Berlin), der Island mit starken Paraden auf Distanz hielt. Die Wikinger um Benedikt Oskarsson (zehn Tore) steckten zwar zu keiner Zeit auf, es sollte aber nicht reichen, um dem Favorit erneut eins auszuwischen. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht, denn wir wollten das Turnier unbedingt gewinnen“, räumte Oskarsson ein. Für die Veranstaltung und die Gastfreundschaft des HSV fand der 17-Jährige lobende Worte: „Das Turnier war sehr gut organisiert. Wir kommen nächstes Jahr gerne wieder – dann aber, um zu gewinnen.“

Für das Team des Handballverbands Saar (HVS) stand als krasser Außenseiter im Reigen der Jugend-Nationalteams vor allem der Lerneffekt im Vordergrund. „Das Turnier hat gezeigt, dass der Trend immer mehr zum aktiven Ballgewinn geht. Wir haben versucht, da mit einzustimmen und es phasenweise gut gemacht. Die Ziele wurden erreicht, wir haben ein Spiel gewonnen und mit Platz sechs nahezu das Optimum herausgeholt“, befand HVS-Landestrainer Dirk Mathis. Ein Sonderlob verteilte er an Tom Schlicker (JSG Merchweiler-Quierschied) und Konrad Wagner (HG Saarlouis), die beide zum jüngeren Jahrgang zählen. Rückraumakteur Wagner war auch der Garant beim 26:22 (11:12) der Saar-Auswahl über die Schweiz, steuerte elf Tore zum umjubelten Sieg gegen die Eidgenossen bei. Im Spiel um Platz fünf unterlag der HVS Italien mit 20:26.

Die erneute Teilnahme der Italiener und die Premiere der Fähringer wertete Mathis positiv: „Beide haben definitiv frischen Wind ins Turnier gebracht.“ Chef-Organisator Michael Lux schloss nicht aus, beide wieder nach Merzig einzuladen. Die 33. Auflage des Cups war laut Lux „in vielerlei Hinsicht ein voller Erfolg. Wir haben richtig gute Spiele gesehen, die Halle war an allen drei Tagen voll – das war Werbung für den Handballsport.“