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Schwimm-WM in Südkorea
Zwei deutsche Staffeln für Tokio

 Christoph Fildebrandt (im Wasser) schaut noch etwas unsicher, seine Teamkollegen Damian Wierling, Josha Salchow und Marius Kusch (stehend, von links) wissen schon mehr: Sie haben mit der 4x100-Meter-Freistilstaffel als Elfte der WM das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sicher.
Christoph Fildebrandt (im Wasser) schaut noch etwas unsicher, seine Teamkollegen Damian Wierling, Josha Salchow und Marius Kusch (stehend, von links) wissen schon mehr: Sie haben mit der 4x100-Meter-Freistilstaffel als Elfte der WM das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio sicher. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Gwangju. Freistiler erfüllen Soll bei Schwimm-WM in Südkorea. Saarbrücker Fildebrandt sagt: „Die Jungen bringen Schwung rein.“ dpa

Weltmeister Florian Wellbrock traf sich zum lockeren Plausch bei Pasta mit der Konkurrenz. Die deutschen Freistil-Staffeln hatten da schon einen Haken hinter das Ziel Olympia-Tickets gemacht. Nach einem gelungenen Auftakt im WM-Becken wollen die Schwimmer die mit zweimal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze bereits stattliche Halbzeit-Bilanz der deutschen Mannschaft weiter verbessern. Nun liegt der Fokus ganz auf Zehn-Kilometer-Champion Wellbrock, Marco Koch und Co.

„Das Becken fühlt sich wahnsinnig schnell an, und ich hoffe, das ist es im Endeffekt auch“, sagte Wellbrock. Das nutzte Großbritanniens Olympiasieger Adam Peaty gleich zu einem Weltrekord über 100 Meter Brust. Am ersten Wettkampftag der Beckenschwimmer entthronte der australische Schwimm-Teenie Ariarne Titmus (18) die amerikanische Serien-Weltmeisterin Katie Ledecky über 400 Meter Freistil. Der unter Dopingverdacht stehende chinesische Freistilschwimmer Sun Yang holte Gold über die 400-Meter-Weltrekordstrecke von Paul Biedermann – kratzte aber nicht an der Bestmarke des Deutschen.

In der Nach-Biedermann-Generation ruhen auf den Schultern des 21 Jahre alten Wellbrock derzeit die größten deutschen Gold-Hoffnungen. „Im Moment sind es 20 Prozent Druck und 80 Prozent Vorfreude“, beschrieb Wellbrock sein Gefühlsleben. Den italienischen Olympiasieger Gregorio Paltrinieri, einen seiner größten Konkurrenten in den Rennen über 800 und 1500 Meter Freistil, traf der Magdeburger am Sonntag in Gwangju zum Mittagessen. In Südkorea führt Wellbrock 1:0. Seine Freiwasser-Goldmedaille vergangene Woche war der Startschuss für furiose Tage im Hafenbecken von Yeosu mit einem weiteren Titel, einmal Silber und zwei Bronzemedaillen für die Schützlinge von Bundestrainer Stefan Lurz. „Den Schwung probiere ich mitzunehmen“, sagte Wellbrock.



Der Magdeburger präsentiert sich ein Jahr vor Olympia aufgeräumt. Keine Spur von Nervosität. Das große Kribbeln ist vor dem ersten Hallenstart am Dienstag noch nicht da. „Das kommt bei mir eigentlich erst am Renntag, wenn ich wirklich alle meine Wettkampfsachen zusammenpacke, meine Musik in die Ohren packe und dann losfahre.“

Annika Bruhn, Reva Foos, Julia Mrozinski und Jessica Steiger wissen bereits, wie es sich anfühlt, im Renn-Modus vom Startblock im Nambu University Municipal Aquatics Center zu springen. „Die Halle ist mega geil und es macht mega Spaß“, sagte Mrozinski nach dem gesicherten Quotenplatz über 4x100 Meter Freistil für die Sommerspiele in Tokio 2020. Im Finale belegte das Quartett Rang acht. Ihre männlichen Kollegen Damian Wierling, Marius Kusch, Josha Salchow und Christoph Fildebrandt verpassten als Elfte den Endlauf zwar, durften sich aber ebenfalls über den Olympia-Startplatz freuen. Die 28-köpfige deutsche Mannschaft mache einen sehr positiven Eindruck, sagte der 30 Jahre alte Routinier Fildebrandt. „Da sind viele Junge dazukommen, die noch mal richtig Schwung mit reinbringen“, erklärte er und nannte Angelina Köhler als Beispiel. Die 18-Jährige freute sich bei ihrem WM-Debüt über den Einzug ins Halbfinale über 100 Meter Schmetterling. Dass es für sie als 13. erwartungsgemäß nicht zum Finale reichte, konnte sie sehr gut verschmerzen.

Die deutschen Wasserballer erreichten derweil zum ersten Mal seit acht Jahren wieder die Runde der besten acht bei einer Weltmeisterschaft. Der 25:5-Erfolg (5:2, 6:0, 9:1, 5:2) gegen Südafrika war der höchste WM-Sieg einer deutschen Auswahl. „Noch zwei Siege bis zum Vizeweltmeister, dann haben wir uns hier für Olympia qualifiziert“, sagte Bundestrainer Hagen Stamm mit einem Augenzwinkern. Denn die deutsche Wasserball-Legende ist Realist genug, um zu wissen: In der Runde der letzten Acht an diesem Dienstag (8.30 Uhr/MESZ) gegen Weltmeister Kroatien ist wahrscheinlich Endstation.