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Handball-EM
Deutsche Handballer verpassen den Gruppensieg

Die deutschen Handballer um Patrick Wiencek (2.v.li.) und Torhüter Andreas Wolff wirken nach der Vorrunde angeschlagen.
Die deutschen Handballer um Patrick Wiencek (2.v.li.) und Torhüter Andreas Wolff wirken nach der Vorrunde angeschlagen. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Zagreb. Durch das 25:25 gegen Mazedonien sind die Medaillenchancen des Titelverteidigers bei der EM in Kroatien gesunken.

(dpa) Christian Prokop nahm mit versteinerter Miene einen tiefen Schluck aus der Wasserflasche, seine Schützlinge standen mit gesenkten Köpfen auf dem Feld. Nach dem 25:25 (12:11) gegen Mazedonien und dem verpassten EM-Gruppensieg überwog bei Deutschlands Handballern gestern der Frust. „Ich bin einfach unglaublich sauer gerade“, schimpfte Torwart Andreas Wolff. Und DHB-Vizepräsident Bob Hanning kritisierte: „Die letzte Aktion war einfach nicht gut genug. Da haben wir den Sieg leichtfertig vergeben.“

Zwar zog der Europameister ohne Niederlage in die Hauptrunde, darf sich dort im Kampf um den Einzug ins Halbfinale aber keine weiteren Patzer mehr erlauben. „Wir haben weiter alle Optionen, müssen jetzt aber Vollgas geben“, sagte Prokop. Statt sich drei Tage zu erholen müssen die Bad Boys bereits am Freitag schon wieder ran. Für Prokop kein Problem: „So bleiben wir im Rhythmus.“

Kurz vor Schluss hatte seine Mannschaft gegen Gruppensieger Mazedonien sogar noch die Chance zum Sieg, nachdem Keeper Silvio Heinevetter mit einer sensationellen Parade zwölf Sekunden vor dem Ende eine Niederlage verhindert hatte. „Wir spielen zu undiszipliniert die letzte Szene“, sagte der Bundestrainer verärgert. „Da haben wir mit Sicherheit keine glückliche Entscheidung getroffen. Da gibt es andere Lösungen, die besser gewesen wären.“



Schon am Montag hatte die DHB-Auswahl beim 25:25 gegen Slowenien für einen Handball-Krimi gesorgt. „Schade um die zwei Punkte, es wäre mehr drin gewesen“, stellte Rechtsaußen Patrick Groetzki nach dem zweiten Remis binnen 48 Stunden fest.

Neben den überzeugenden Torhütern Wolff und Heinevetter zeigten vor allem Steffen Weinhold mit sieben Treffern und der nachnominierte Finn Lemke in der Abwehr starke Leistungen. „Steffen hat eine ganze starke Partie im Angriff gezeigt. Und Finn hat der Abwehr die erhoffte Sicherheit und Stabilität gegeben“, lobte Prokop.

Der Glaube ans Halbfinale ist aber nach wie vor da. „Wir dürfen uns keinen Ausrutscher mehr erlauben“, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek. „Aber vor zwei Jahren hat man gesehen, was mit zwei Punkten in der Hauptrunde möglich ist.“ Damals wurde Deutschland Europameister.

Die Europäische Handball-Föderation (EHF) hat indes auch den zweiten Einspruch Sloweniens gegen das 25:25 abgewiesen. Die Slowenen wollen jetzt auch das letzte juristische Mittel ausschöpfen und das Schiedsgericht der EHF anrufen. Das Ergebnis hat aber trotzdem endgültig Bestand.

Nach der schlechtesten Defensivleistung in der kroatischen EM-Historie bat unterdessen Lino Cervar um Verzeihung. „Es tut mir leid für das Publikum“, sagte Kroatiens Handballtrainer. Nach dem 31:35 gegen Schweden steht der Gastgeber zum Hauptrundenstart heute gehörig unter Druck. Mit zwei Punkten darf sich Kroatien keinen Ausrutscher mehr erlauben. Eine kniffelige Aufgabe: Nach Außenseiter Weißrussland (0:4 Punkte) warten mit Weltmeister Frankreich (4:0) und Vize-Weltmeister Norwegen (2:2) zwei dicke Brocken.

Frankreich startet mit der maximalen Punktzahl in die Hauptrunde. Nach dem Zittersieg zum Auftakt gegen Norwegen (31:30) fuhr das Team zwei lockere Erfolge gegen Österreich und Weißrussland ein. Trainer Didier Dinart konnte seinen Topspielern immer wieder Verschnaufpausen gönnen.