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Eisschnelllauf
Deutsche Eisschnellläufer vor der WM in einer tiefen Krise

 Claudia Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große will DESG-Präsident werden.
Claudia Pechsteins Lebensgefährte Matthias Große will DESG-Präsident werden. FOTO: dpa / Jörg Carstensen
Salt Lake City. Dachverband DESG ist führungs- und mittellos. sid

Die Serie schlechter Nachrichten riss für die deutschen Eisschnellläufer nicht ab. Die Probleme in der Verbandsführung sind nach dem Rücktritt der Präsidentin Stefanie Teeuwen noch nicht gelöst, und nun verzögerte sich nach dem mäßigen Weltcup in Calgary auch noch die Weiterreise nach Salt Lake City. Zunächst um Stunden, dann um einen ganzen Tag. Ein technischer Defekt hatte den geplanten Abflug in die USA, wo an diesem Donnerstag mit der Einzelstrecken-WM der Saisonhöhepunkt beginnt, unmöglich gemacht.

Die Beeinträchtigungen dürften sich allerdings in Grenzen gehalten haben. Auch Athleten anderer Nationen waren betroffen, und ohnehin ist die Erwartungshaltung bei der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) gedämpft. Nach einer Saison ohne Podestplatzierungen sind Medaillen unrealistisch.

Die Liste der Hoffnungsträger ist kurz. Die besten Aussichten dürfte Langstreckenspezialist Patrick Beckert haben, der WM-Vierte des Vorjahres, der sich über 10 000 Meter etwas ausrechnet. Die Sprinter Nico Ihle und Joel Dufter gehen nur als Außenseiter ins 1000-Meter-Rennen. Wieder dabei ist auch Claudia Pechstein. Die fünfmalige Olympiasiegerin, die eine Woche nach den Titelkämpfen 48 Jahre alt wird, startet zum 19. Mal bei einer Einzelstrecken-WM. Ihr Fokus liegt auf dem 5000-Meter-Lauf. Und womöglich wird Pechstein die Bühne nutzen, um Werbung für Lebensgefährte Matthias Große zu betreiben.



Der umstrittene Unternehmer will Präsident der DESG werden. Er wirbt mit neuen Sponsoren und frischem Geld, das der klamme Verband dringend benötigt (es fehlen offenbar 400 000 Euro). Nach der Saison plant die DESG eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Großes Chancen auf den Chef-Posten gelten als gut, auch wenn längst nicht jeder überzeugt ist. Athletensprecher Moritz Geisreiter etwa zweifelt an Großes Eignung. Er sehe wegen der Nähe zu Pechstein die Gefahr eines „Interessenkonflikts“.