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Biathlon-WM in Antholz
Außenseiter-Rolle bei der Weltmeisterschaft

 Zuletzt zeigten die deutschen Biathleten um Benedikt Doll, Johannes Kühn und Philipp Nawrath (von links) aufsteigende Form.
Zuletzt zeigten die deutschen Biathleten um Benedikt Doll, Johannes Kühn und Philipp Nawrath (von links) aufsteigende Form. FOTO: dpa / Matthias Balk
Östersund. Die deutschen Biathleten hoffen bei den an diesem Donnerstag beginnenden Titelkämpfen auf Überraschungen. Favoriten sind andere. dpa

An diesem Donnerstag beginnt in Antholz die Biathlon-Weltmeisterschaft. Bis 23. Februar geht es an neun Wettkampf-Tagen um insgesamt zwölf Titel. Die deutsche Mannschaft steht nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier unter Druck. Hoffnungen ruhen vor allem auf Denise Herrmann, Arnd Peiffer und Benedikt Doll. Der PM beantwortet vor dem Saison-Höhepunkt der Skijäger in Italien die wichtigsten Fragen.

Wo genau geht es für die WM hin?

Zum sechsten Mal nach 1975, 1976, 1983, 1995 und 2007 finden die Welttitelkämpfe im italienschen Biathlon-Mekka Antholz statt. Die Gemeinde mit rund 2900 Einwohnern liegt in Südtirol und umfasst das Antholzer Tal sowie einen kleineren Teil des Pustertals. Die auf über 1600 Meter Höhe gelegenen Strecken sind die höchsten im Weltcup und gelten als anspruchsvoll. Die Südtirol-Arena liegt am Antholzer See, umrahmt von den Bergen der Rieserfernergruppe und der Villgratner Berge. Nicht weit weg ist der Staller Sattel (2052 Meter).



Wie lief die letzte WM 2019 in Östersund für das deutsche Team?

Denise Herrmann räumte mit Gold in der Verfolgung, Silber in der Mixed-Staffel und Bronze im Massenstart einen ganzen Medaillensatz ab. Zudem krönte sich Arnd Peiffer zum Einzel-Weltmeister, die mittlerweile zurückgetretene Laura Dahlmeier gewann zweimal Bronze – im Sprint und der Verfolgung. Zudem holte die Männer-Staffel Silber.

Wer hat jetzt Medaillenchancen im deutschen Team?

Realistische Chancen hat bei den Damen nur Denise Herrmann. Die 31-Jährige aus Sachsen gewann das Einzelrennen von Pokljuka und war Zweite im Sprint von Ruhpolding. Wenn sie am Schießstand gut durchkommt, kann sie in jedem Rennen die Podestplätze angreifen. Bei den Männern sind Benedikt Doll und Arnd Peiffer allemal für Medaillen gut. Johannes Kühn, Philipp Nawrath und Philipp Horn könnten für Überraschungen sorgen.

Wie sieht es sonst beim deutschen Team aus?

Die immer wieder mal kränkelnde Franziska Preuß müsste läuferisch enorm zulegen, um wieder die Top drei angreifen zu können. In Topform kann sie das auf jeden Fall schaffen. Vanessa Hinz ist für die Top Ten gut. Für Janina Hettich und Karolin Horchler geht es bei ihrer WM-Premiere um solide Leistungen. Bei den Männern ist Routinier Erik Lesser wie Hettich und Horchler auch ohne erfüllte WM-Norm dabei. Er dürfte aber nur im Single-Mixed zum Einsatz kommen.

Was ist mit den deutschen Routiniers Simon Schempp und Franziska Hildebrand?

Simon Schempp holte in Südtirol fünf seiner zwölf Weltcup-Siege, gilt als Antholz-Spezialist. Doch die langjährige deutsche Nummer eins ist nicht dabei. Der 31-Jährige durchlebt wie im Vorjahr eine schwierige Saison, kam überhaupt nicht in Form. Der Uhinger soll nun bei der EM starten. Die 32-jährige Hildebrand ist völlig außer Form und schaffte die WM-Norm nicht.

Wer sind die Favoriten?

Bei den Männern gehen alle Titel über den Norweger Johannes Thingnes Bö. Der 26-Jährige, der in der Vorsaison mit 16 Siegen den Gesamtweltcup holte, gewann bisher sechs Mal, dabei fehlte er wegen der Geburt seines Sohnes in Oberhof und Ruhpolding sogar. Er dürfte sich mit dem fünfmaligen Saisonsieger Martin Fourcade aus Frankreich große Kämpfe liefern. Ohnehin sind die Franzosen mannschaftlich stark. Bei den Frauen ist es ausgeglichener: Die sechsmalige Saisonsiegerin Tiril Eckhoff aus Norwegen, ihre Teamkollegin Marte Olsbu Röiseland, Italiens Star Dorothea Wierer und Hanna Öberg aus Schweden gehören zu den Favoritinnen.

Wer sind die erfolgreichsten Skijäger bei einer WM?

Laura Dahlmeiers Bestmarke von 2017 in Hochfilzen mit fünf Mal Gold und einer Silbermedaille ist nur schwer zu knacken – wenn dann vielleicht von Johannes Thingnes Bö. Nur die Norwegerin Tora Berger holte bisher bei einer WM auch in allen sechs Rennen Edelmetall (vier Gold, zwei Silber). Fünf Medaillen schafften unter anderem Rekord-Weltmeisterin Magdalena Neuner, die Franzosen Martin Fourcade und Raphael Poirée sowie Emil Hegle Svendsen und Bös älterer Bruder Tarjei.

Wo sind die Rennen im Fernsehen zu sehen?

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF teilen sich wie gewohnt die Übertragungen. In der ersten WM-Woche ist das ZDF an der Reihe, in der zweiten die ARD. Außerdem zeigt der Spartensender Eurosport alle Wettkämpfe live.

www.biathlon-antholz.it