| 23:14 Uhr

Fußball-Nationalmannschaft
Der WM-Held muss sich neu beweisen

Dortmund. Der Dortmunder Mario Götze muss bei den Länderspielen gegen Spanien und Brasilien zuschauen. Seine WM-Teilnahme ist ungewiss.

Seine schwarze Mütze hatte Mario Götze tief ins Gesicht gezogen. Wortlos verließ der 25-Jährige in eine dicke Winterjacke eingepackt das Dortmunder Stadion nach dem 1:0-Erfolg gegen Hannover 96. Doch Götze wird jetzt Taten sprechen lassen müssen: Ansonsten wird der Final-Siegtorschütze von 2014 die WM in Russland nur als Zuschauer erleben.

Wenn Joachim Löw heute in Düsseldorf seine Nationalspieler versammelt, fehlt Götze. Der Bundestrainer hat ihm eine Denkpause verordnet – und das ausgerechnet bei den letzten Härtetests gegen Spanien (am Freitag in Düsseldorf) und Brasilien (am kommenden Dienstag in Berlin) sieben Wochen vor der vorläufigen Nominierung seines WM-Aufgebots.

„Er hat ein unglaubliches Potenzial und ist ein Spieler, dem ich eigentlich auch vertraue. Aber im Moment ist er noch nicht in der Form, in der wir ihn uns wünschen. Ich wünsche mir von ihm, dass er aus seiner Position wieder mehr in die Spitze geht. Wir müssen ihm helfen, dass er daran arbeitet und die nächsten zwei Monate nutzt“, sagt Löw. Anders ausgedrückt: Götze bleiben nach dem Europacup-Aus des BVB nur noch sieben Bundesligaspiele Zeit, um sich für den Saisonhöhepunkt in Russland aufzudrängen.



Das Spiel gegen Hannover werteten die Dortmunder Verantwortlichen als Schritt in die richtige Richtung. „Heute waren wir sehr zufrieden mit dem, was wir gesehen haben. Mario hat – wie viele andere – ein richtig gutes Spiel gemacht“, sagte am Sonntagabend BVB-Trainer Peter Stöger, der seine Nummer 10 nach der Schmach von Salzburg in der Europa League noch öffentlich kritisiert hatte.

Ein richtig gutes Spiel war es gegen die Niedersachsen allerdings nicht. Götzes Körpersprache war eine andere als in Salzburg. Er war auch durchaus engagiert, doch an guten Offensivaktionen war er selten beteiligt. Sportdirektor Michael Zorc nannte es „ein ordentliches Spiel mit guten Laufwegen“.

Ordentlich darf bei Götzes Fähigkeiten aber nicht der Anspruch sein, gerade wenn man bedenkt, dass Löw in der Nationalmannschaft auf den Positionen im Mittelfeld ein Überangebot hat. Aufstrebende Jungs wie etwa Leroy Sané (Manchester City) haben Götze längst den Rang abgelaufen. Auch Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Leon Goretzka (FC Schalke 04), Julian Draxler (Paris St. Germain) oder Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach) stehen derzeit vor Götze. Eben weil dieser sein Potenzial zu selten ausschöpft. In dieser Saison war Götze, der nach seiner langen Pause wegen einer Stoffwechselerkrankung wieder topfit ist, in 27 Pflichtspielen an acht Treffern (zwei Tore, sechs Vorlagen) direkt beteiligt – die Zahl ist für einen wie ihn ausbaufähig, um es diplomatisch auszudrücken.

Ganz abgeschrieben ist Götze mit Blick auf die WM natürlich noch nicht. „Insgesamt ist die Tür zur Nationalmannschaft noch nicht geschlossen. Es gibt noch einige Spieler, die weiter unter Beobachtung stehen und eine Chance haben, wenn sie uns in den nächsten Wochen überzeugen“, sagt Löw. Mit anderen Worten: Götze muss sich neu beweisen. Aber Stand jetzt ist Russland für den WM-Siegtorschützen von 2014 ganz weit weg.