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Der Traum vom besten Kämpfer der Welt

Für Profiboxer Jakob Styben aus Zweibrücken ist Muaythai weit mehr als nur ein Sport. Foto: Styben
Für Profiboxer Jakob Styben aus Zweibrücken ist Muaythai weit mehr als nur ein Sport. Foto: Styben FOTO: Styben
Zweibrücken. Mit 14 Jahren kam Jakob Styben erstmals so richtig mit Kampfsport in Kontakt. Mit 20 zieht es den Zweibrücker des Sports wegen nach Rommerskirchen. Mittlerweile hat der 24-Jährige Muaythai-Boxen zum Beruf gemacht – und hat einen großen Traum. Katja May

Mehrfacher Deutscher Meister im Thaiboxen sowie im K1 bei den Amateuren und Profis, Silber- und Bronzemedaillen-Gewinner bei Weltmeisterschaften, Nord-Thailand-Champion und Mitglied der deutschen Nationalmannschaft - die Erfolgsliste von Jakob Styben ist lang. Mit 14 Jahren kam Styben in der Zweibrücker Kampfsportschule zum ersten Mal mit Thaiboxen in Kontakt. "Meine Mama hatte in der Sparkasse einen Flyer gesehen und meinte, ich solle doch mal dort hingehen, um meine überschüssige Energie zu verbrennen", erinnert sich Styben schmunzelnd. Der Rest ist fast schon Geschichte: "Ich war gleich voll dabei. In Actionfilmen habe ich mich auch schon immer für die Kampfszenen interessiert. Mit 16 Jahren bin ich dann zu einem Homburger Verein gewechselt, der mir die Möglichkeit zu offiziellen Kämpfen geboten hat." Nur drei Jahre später, mit 19 Jahren, wird Styben zum ersten Mal Deutscher Meister der Amateure im Muaythai.

Bei einer Reise nach Thailand im darauffolgenden Jahr lernt der ausgebildete Hochbaufacharbeiter den deutschen Muaythai-Bundestrainer Detlef Türnau kennen und wechselt zu Türnau nach Rommerskirchen bei Köln. "Das Boxen ist heute mein Beruf. Ich habe zwei Sponsoren und trainiere zwei Mal täglich, sechs Tage die Woche", erklärt der 24-jährige Zweibrücker. Regelmäßige Trainingscamps und Kämpfe in Thailand, der Hochburg seines Sports, sind ebenfalls fester Bestandteil seines Lebens. "In Thailand herrscht schon eine andere Atmosphäre, was das Muaythai-Boxen angeht. Neben Fußball ist das dort die beliebteste Sportart und die Menschen sind verrückt danach", berichtet Styben, "Bei den Kämpfen wetten die Thais auch super gerne und sind dann natürlich sehr aktiv dabei und schreien so richtig aus der Ecke raus." Auch die Trainingsbedingungen in Thailand seien besser: "Durch das milde Klima ist die Muskulatur direkt warm und es tut nicht so weh." Ansonsten lautet sein Rezept gegen Muskelschmerzen nach Kämpfen: "Massage! Und natürlich dehnen." Dass viele Menschen Thaiboxen als recht brutal erachten, da beispielsweise auch Tritte und Schläge mit dem Ellbogen erlaubt sind, kann der Schwergewichtler nicht nachvollziehen: "Wenn man in den Ring steigt, sieht man es als Sport. Der Gegner weiß, was er will und ist nicht unfreiwillig da. Und man erkennt an, dass der andere ebenfalls sehr hart gearbeitet hat, um jetzt gegen dich kämpfen zu dürfen." Im Gegenteil, Styben schätzt am Thaiboxen , dass fast alles erlaubt ist: "Du hast keine Grenzen und bist ziemlich offen." Über ein bisschen mehr Zuspruch für seinen Sport in Deutschland würde sich Styben somit freuen: "Aber wir sind auf einem guten Weg. Erst vor ein paar Wochen habe ich in Mannheim vor 1700 Zuschauern gekämpft und auch sonst sind die Hallen gut gefüllt." Des Weiteren arbeite der Verband erfolgreich daran, dass Muaythai als olympische Disziplin anerkannt werde. Für Styben ist Muaythai aber sowieso weit mehr als nur ein Sport: "Du machst viel für deinen Körper, lernst Respekt und mentale Stärke, das bringt einen im Leben immer vorwärts, egal in welchem Bereich". Sein persönliches Ziel ist es ein sogenannter "Muaythai-Künstler" zu werden: "Ich möchte der beste Kämpfer der Welt sein und alle Titel gewinnen!"

Zum Thema:

HintergrundMuaythai oder Thaiboxen ist eine Kampfkunst und der Nationalsport Thailands. Der Muaythai Bund Deutschland (MTBD) ist offiziell vom thailändischen König anerkannt. Anders als beim Standardboxen erlaubt das Thaiboxen den Einsatz von Ellenbogen, Knietechniken und dem Clinchen. Dabei halten sich die Gegner im Stehen fest und versuchen, sich durch Tritte mit dem Knie gegen den Oberkörper oder Oberschenkel des Gegners gegenseitig aus dem Gleichgewicht zu bringen. Je nach Gewichtsklasse läuft ein Kampf zwei Mal zwei Minuten bis maximal fünf Mal drei Minuten. K1 ist ein Kampfkunst-Regelwerk, das es Vertretern aus verschiedenen Kampfkunstdisziplinen wie zum Beispiel Judo und Muaythai erlaubt, gegeneinander anzutreten. Nicht zulässig sind dabei unter anderem Würfe, der Einsatz von Ellenbogen und das Clinchen. tja