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Fußball-Bundesliga
Der Trainerpreis geht an einen zuletzt Gescheiterten

Hannes Wolf wurde zum Trainer des Jahres 2017 gewählt.
Hannes Wolf wurde zum Trainer des Jahres 2017 gewählt. FOTO: Arne Dedert / dpa
Gravenbruch. Auszeichnung für Hannes Wolf sorgt für Diskussionen.

Es wirkte fast so, als hätte Hannes Wolf vor Kurzem die Champions League gewonnen – oder die deutsche Meisterschaft, zumindest aber den Pokal. Die Huldigungen für den neuen „Trainer des Jahres“ bei der Gala des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wollten kein Ende nehmen. Jürgen Klopp feierte den 36-Jährigen per Videobotschaft, Laudator Lars Ricken hatte nur Superlative parat, die DFB-Spitze verneigte sich, alte Weggefährten konnten nur Positives über den Preisträger berichten.

Dennoch hinterließ das Tamtam in einem Nobelhotel im Frankfurter Vorort Gravenbruch mehr Frage- als Ausrufezeichen. Schließlich ist er arbeitslos. Ende Januar wurde er beim Bundesligisten VfB Stuttgart entlassen – wegen Erfolglosigkeit. Allerdings auf seine eigene Initiative hin. Dennoch wirkten die Bundesliga-Schuhe noch zu groß für ihn. Seitdem haben die Schwaben unter ihrem neuen Trainer Tayfun Korkut nicht mehr verloren. Fünf Siege und zwei Unentschieden machten aus dem Abstiegskandidaten einen Europacup-Anwärter.

Da diese Fakten nicht wegzudiskutieren waren, geriet der Abend zu einem Erklärstück. Ständig musste begründet werden, warum Wolf den Preis als Nachfolger von Julian Nagelsmann verdient hat. Den Anfang machte Klopp, der sich als Trainer von Borussia Dortmund „schockverliebt“ in Wolf hatte und ihn deshalb zum BVB holte.



Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel verteidigte die Entscheidung zugunsten Wolfs, der drei Meisterschaften mit BVB-Juniorenteams (2014 bis 2016) feierte und den VfB vor einem knappen Jahr zurück in die Eliteklasse geführt hat. „Wir sind uns natürlich bewusst, dass die Auszeichnung zu einem untypischen Zeitpunkt erfolgt. Er erhält den Trainerpreis, weil wir von ihm und seiner Arbeit überzeugt sind“, sagte Grindel.