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Fußball-Bundesliga
Der Torjäger manövriert sich ins Abseits

Will Pierre-Emerick Aubameyang die Argumentation seines Vereins überhaupt hören? Der Stürmer steht nach seiner dritten Suspendierung innnerhalb von nur 14 Monaten in der Kritik.
Will Pierre-Emerick Aubameyang die Argumentation seines Vereins überhaupt hören? Der Stürmer steht nach seiner dritten Suspendierung innnerhalb von nur 14 Monaten in der Kritik. FOTO: Thomas Frey / dpa
Dortmund. Was hat Pierre-Emerick Aubameyang vor? Will er seinen Abschied provozieren? Borussia Dortmund steht nicht mehr hinter dem Profi.

Pierre-Emerick Aubameyang ließ es krachen. Lange bevor der bockige Starstürmer mit seinem Aston Martin durch die letzte Rechtskurve auf das Trainingsgelände von Borussia Dortmund brauste, dröhnten die Motorengeräusche durch die Straßen des Stadtteils Brackel. Unüberseh- und unüberhörbar erschien Aubameyang am Tag nach seiner Suspendierung pünktlich zum Auslaufen – eine weitere Eskalation blieb aus. Die Zukunft des Torschützenkönigs ist dennoch fraglicher denn je.

Denn das Maß ist voll. Daran ließ die BVB-Spitze nach dem 0:0 am Sonntagabend gegen Wolfsburg keinen Zweifel. „Was jetzt abgeht, ist nicht zu tolerieren. So kann es nicht weitergehen“, sagte der ratlose Sportdirektor Michael Zorc. Aubameyang sei stets ein „bunter Vogel“ gewesen, „doch immer diszipliniert und professionell. Das kann ich derzeit nicht erkennen.“

Es scheint, als provoziere Aubameyang seinen Abschied. Er schwänzte die Abschlussbesprechung am Samstag, in der es auch um einen „gemeinsamen Verhaltenskodex“ (Zorc) ging, um interne Disziplin. Den widerborstigen Stürmer hätte nach seinem Verhalten im Trainingslager womöglich eine klare Ansage erwartet. Er blieb der Sitzung fern – Trainer Peter Stöger suspendierte ihn für das Spiel, wie es bereits seine Vorgänger Peter Bosz und Thomas Tuchel für andere Verfehlungen getan hatten. Es war Aubameyangs dritter Rauswurf aus dem Kader in 14 Monaten.



Der Verein muss wieder einmal zwischen wichtigen Toren und der ständigen Unruhe abwägen. „Es ist für uns nicht einfach“, gab Zorc zu: „Die Frage ist: Wann ziehst du die Konsequenzen? Er steht schließlich für ungefähr 50 Prozent unserer Tore und Torbeteiligungen.“ Die Wiederaufnahme ins Training könnte ein Hinweis auf eine letzte goldene Brücke sein. In England hingegen mehren sich Gerüchte über einen Wechsel zum FC Arsenal noch vor Ablauf der Transferperiode Ende Januar.

Eine weitere, später abstrus anmutende Diskussion hatte Aubameyang am Spieltag angestoßen. Via Instagram klagte er, er fühle sich von einem Journalisten rassistisch beleidigt, der für die Eskapaden das Wort „Affenzirkus“ gewählt hatte. Aubameyangs Vater nahm dies zum Anlass, sich in einem Instagram-Post in Verschwörungstheorien zu ergehen, gipfelnd in dem Satz: „Dann müssen der kleine Affe und seine Familie eben gehen.“ Gestern war der Beitrag wieder gelöscht.

Laut Verein hatte diese Episode keinen Einfluss auf die Strafe. Dennoch: Irgendwann, sagt Zorc, seien „gewisse Verhaltensweisen“ intolerabel. Aubameyang habe zudem gelogen: „Die Begründung, es wäre vergessen worden, zählt nicht.“ Fast wortgleich äußerte sich Stöger. Das Verhalten des sportlich fast unverzichtbaren Stürmers wird laut Zorc auch „monetär sanktioniert“.

Der BVB fühlt sich an frühere, schmerzhafte Konflikte erinnert. Dass Ousmane Dembele sich den Transfer zum FC Barcelona erstreikte, ist nicht lange her, auch Henrich Mchitarjan ging nach großem Getöse. Nun Aubameyang? „Er bringt die Mannschaft durcheinander, wir müssen ein Zeichen setzen“, sagte Stöger. Die Teamkollegen reagieren genervt. Und Torhüter Roman Bürki sprach aus, was viele dachten: „Jedes Team hat Regeln. Die gelten für alle, egal, wie viele Tore man schießt.“

Der erwartete Wechsel von Manuel Akanji (22) vom FC Basel zu Borussia Dortmund ist perfekt. Wie der Bundesligist gestern mitteilte, erhält der Abwehrspieler einen Vertrag bis 2022. Die Ablöse soll 21 Millionen Euro betragen.