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Olympische Spiele in Südkorea
Der Sportfan wird „für dumm verkauft“

Dopingexperte Fritz Sörgel spart nicht mit Kritik an IOC-Präsident Bach.
Dopingexperte Fritz Sörgel spart nicht mit Kritik an IOC-Präsident Bach. FOTO: Daniel Karmann / dpa
Köln. Doping-Experte Sörgel behauptet, dass IOC-Präsident Bach „der olympischen Bewegung geschadet“ habe.

Der Doping-Experte Fritz Sörgel hat im juristischen Tauziehen um die Teilnahme russischer Sportler an den Winterspielen in Pyeongchang/Südkorea das Internationale Olympische Komitee (IOC) kritisiert. „Das IOC hat aus meiner Sicht eine klare, vorausberechnete Strategie. Das IOC kann nicht ernsthaft behaupten, dass es beim Internationalen Sportgerichtshof Cas eine Bestätigung der Sperren erwartet hat. Wenn Anti-Doping-Experten das nicht erwartet haben, wie dann das IOC bitte?“, sagte Sörgel. „Aus Sicht des IOC haben das IOC und Thomas Bach richtig gehandelt, aus Sicht des Sports haben sie unanständig gehandelt. Sie haben den Sportfan für dumm verkauft und ihn damit auch beleidigt“, ergänzte Sörgel. IOC-Sprecher Christian Klaue erwiderte, dass „Herr Sörgel zu viele Kriminalromane gelesen“ habe. Im Vorfeld der Olympischen Spiele hatte das IOC wegen des Dopingskandals insgesamt 43 russische Athleten lebenslang für Olympia gesperrt. Der Cas hatte in der vergangenen Woche die Sperren von 28 Sportlern aufgehoben. In elf weiteren Fällen wurden Doping-Verstöße festgestellt und die Einsprüche nur teilweise bestätigt. Das Urteil hatte Kritik auch vom IOC-Präsidenten Bach hervorgerufen, der zudem Reformen beim Cas angemahnt.

„Es ist ein weiteres Kapitel der Verblendung der Öffentlichkeit durch den organisierten Sport. Der Cas hat in den letzten Jahren eine Reihe von Entscheidungen getroffen, die mich auch erstaunt haben. Aber für welches Gericht gilt das nicht?“, sagte Sörgel weiter: „Wenn Herr Bach mit Reformen meint, dass der Cas quasi ein Teil des IOC werden sollte und die Spielchen ohne Widerstand mitmacht, dann wäre das eine weitere katastrophale Niederlage für den Sport.“ IOC-Sprecher Klaue meinte: „Es wäre mal gut zu hören, wie Herr Sörgel eine Korrektur der Ergebnislisten von den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi umgesetzt hätte. Unanständig wäre es, wenn man dies nicht versucht hätte.“