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Der Machtkampf ist eröffnet

Die Reinhards in der Diskussion: Ligapräsident Reinhard Rauball macht dem designierten DFB-Chef Reinhard Grindel die Interessen der Liga deutlich. Foto: Dedert/dpa
Die Reinhards in der Diskussion: Ligapräsident Reinhard Rauball macht dem designierten DFB-Chef Reinhard Grindel die Interessen der Liga deutlich. Foto: Dedert/dpa FOTO: Dedert/dpa
Frankfurt. In der kommenden Woche soll Reinhard Grindel zum neuen DFB-Präsidenten gewählt werden. Rechtzeitig vorher machte Ligapräsident Reinhard Rauball noch einmal die Interessen der Bundesliga sehr deutlich. Sid-Mitarbeiterjan Mies

Eine Woche vor der Präsidentschaftswahl beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat der designierte DFB-Boss Reinhard Grindel den nächsten Vorgeschmack auf die kommenden Machtspielchen bekommen. "Ich kann nur davor warnen, die Interessen der Bundesliga zu übergehen", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball am Freitag in einem Interview - und kündigte zumindest indirekt den Konfrontationskurs an, sollte der DFB sich nicht mit dem Profifußball zusammenraufen.

"Die Amateure haben zwar die Mehrheit bei einem DFB-Bundestag, aber das sollte nicht zu Machtdemonstrationen genutzt werden", sagte Rauball (69), der den DFB derzeit als Teil der doppelten Interimsspitze zusammen mit Rainer Koch (57) führt. Zwar ist die Wahl Grindels am 15. April beschlossen - die Bestätigung des neuen Präsidenten beim dann folgenden ordentlichen Bundestag am 3. und 4. November in Erfurt sei aber kein "Automatismus". Die kommenden Monate werden entscheidend, der Machtkampf ist eröffnet.

"Im Sinne des Fußballs brauchen wir ein intaktes Verhältnis von Amateuren und Profis - einen ehrlichen Ausgleich der Interessen", sagte Rauball - das Vorpreschen des Ligapräsidenten legt zumindest nahe, dass das nicht immer so war und ist.

Belegt ist der Zwist zwischen Profis und Amateuren im Weltmeisterverband eben beispielhaft mit der Personalie Grindel. Der bisherige Schatzmeister (54) wurde im vergangenen Jahr von den mächtigen Landesfürsten, die beim Bundestag eine Zweidrittelmehrheit haben, ohne Absprache mit den Ligavertretern vorgeschlagen und damit quasi zum neuen Präsidenten ernannt. Erst nach ein paar Wochen gab der Vorstand des Ligaverbands seinen Segen - zähneknirschend.

"Nicht nur mir ist das damals etwas zu schnell gegangen. Der DFB steckte nach dem plötzlichen Rücktritt von Wolfgang Niersbach in einer der schwersten Krisen überhaupt - und nur wenige Tage später beschließen die Amateure unabgestimmt hinter verschlossenen Türen die Neu-Besetzung des höchsten Amtes im DFB", sagte Rauball: "Passt das in Zeiten, in denen Transparenz ganz oben auf der Agenda stehen sollte?"

Dennoch könne ein Verband mit sieben Millionen Mitgliedern, 25 000 Vereinen und einem dreistelligen Millionen-Umsatz "nicht dauerhaft von einer Übergangsspitze geführt werden - erst recht nicht als Weltmeister vor einer EM", sagte Rauball: "Deshalb hat der Ligavorstand empfohlen, diesen DFB-Bundestag und den Personal-Vorschlag der Amateure für das Präsidentenamt mitzutragen." Als eine Art Gegenleistung fordern die Profis nun mehr Mitspracherecht.

"Wir haben in einem Eckpunktepapier einvernehmlich vereinbart, dass bis dahin noch wichtige Punkte hinsichtlich der künftigen Zusammenarbeit abzuarbeiten sind", sagte Rauball: "Viele Themen hätten auch ohne die Zusammenhänge rund um die WM 2006 angestanden. Stichpunkte sind hier Verlängerung des Grundlagenvertrags, Vertretung der Liga in den Gremien, die Zukunft des Schiedsrichterwesens, mögliche Veränderungen des DFB-Pokals."

Grindels Nachfolger als Schatzmeister wird übrigens wieder aus dem Amateurlager kommen. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll der Vizepräsident des Mittelrhein-Verbands, Stephan Osnabrügge (45), gewählt werden.

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HintergrundDer außerordentliche Bundestag des DFB findet am 15. April in Frankfurt statt. Reinhard Grindel ist der einzige Kandidat für das Präsidentenamt. Formell geht es erst einmal nur darum, die laufende Wahlperiode nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach im Zuge des Skandals um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu Ende zu bringen. Für eine komplette Amtszeit von drei Jahren kann der Bundestagsabgeordnete der CDU erst bei einem regulären DFB-Bundestag im November gewählt werden. Interims-Chef Reinhard Rauball will sich nach dem 15. April wieder ausschließlich auf seine Präsidentenämter beim Ligaverband und bei Borussia Dortmund konzentrieren. dpa