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Der König dankt ab

 Ashton Eaton (rechts) und seine Frau Brianne Theisen-Eaton haben ihre Sport-Karrieren als Mehrkämpfer gemeinsam beendet. Foto: Suki/dpa
Ashton Eaton (rechts) und seine Frau Brianne Theisen-Eaton haben ihre Sport-Karrieren als Mehrkämpfer gemeinsam beendet. Foto: Suki/dpa FOTO: Suki/dpa
Los Angeles. Der Weltrekordler im Zehnkampf, Ashton Eaton, ist zurückgetreten. Der 28 Jahre alte Ausnahmekönner verabschiedet sich als einer der wenigen verbliebenen Superstars der US-amerikanischen Leichtathletik. sid

Ashton Eatons Überlegenheit war erdrückend, die Grenzen des Menschenmöglichen verschob er scheinbar spielend in ungeahnte Sphären. Nun hat der unumstrittene König der Athleten abgedankt: Der Zehnkampf-Weltrekordler und zweimalige Olympiasieger ist am Mittwoch zurückgetreten und hat seine Karriere im Alter von 28 Jahren beendet. Auch seine Ehefrau, die kanadische Siebenkampf-Olympiadritte und Vize-Weltmeisterin Brianne Theisen-Eaton, tritt mit sofortiger Wirkung von der Bühne ab und widmet sich künftig anderen Dingen.

"Ich habe dem Zehnkampf alles gegeben. Danke, es war die beste Zeit meines Lebens. Ich trete zurück", schrieb Ashton Easton via Twitter . Die 28-jährige Theisen-Eaton erklärte: "Meine Leidenschaften und Interessen haben sich geändert. Der Sport hat mir viel gegeben, aber es ist nun an der Zeit, zu gehen."

Eaton war seit Jahren der prägende Athlet seiner Sportart und gilt als der beste Zehnkämpfer der Geschichte. 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro gewann er olympisches Gold, 2013 und 2015 wurde der Amerikaner Weltmeister. 2012 und 2014 triumphierte er zudem bei den Hallen-Weltmeisterschaften im Siebenkampf. Lange unerreicht bleiben wird seine Leistung bei der WM 2015 in Peking, als er seinen eigenen Weltrekord um sechs Zähler auf 9045 Punkte verbesserte. Am Ende war sein Vorsprung auf den Zweiten Damian Warner aus Kanada (8695) der größte der WM-Geschichte. Eaton hält zudem den Siebenkampf-Weltrekord in der Halle, 2012 kam er auf 6645 Punkte.



In einer gemeinsamen und emotionalen Erklärung auf ihrer Internetseite legten die Eatons nun die Gründe für ihren Rücktritt dar. "Es gibt nicht viel mehr, was ich im Sport machen möchte", sagte Ashton Eaton. Seine Ziele hat er ohnehin erreicht.

Dabei hatte Eaton, das Multitalent, nicht nur als Leichtathlet Erfolg: Der studierte Psychologe besitzt den schwarzen Gürtel im Taekwondo, er spielte früher wie sein Vater und sein Opa erfolgreich Football und probierte sich zudem im Basketball und Fußball. Neider gab es dennoch kaum, im Gegenteil. Trotz seiner Ausnahmestellung war Eaton unglaublich beliebt unter den Zehnkämpfern. "Er ist der Größte aller Zeiten", sagte etwa der Weltmeisterschafts-Dritte Rico Freimuth einmal. Michael Schrader, Siebter in Peking, meinte gar: "Ashton Eaton ist Usain Bolt in meinen Augen um Längen überlegen. Er ist der größte Athlet der Welt."

Eatons große Stärke war seine unglaubliche Explosivität. Er hat nicht das Format eines Schranks wie früher Jürgen Hingsen, auch wenn sein Körper natürlich definiert und austrainiert ist. Aber er war der Schnellste unter den Zehnkämpfern, technisch stark und mit einem enormen Bewegungstalent gesegnet. "Ein Vollblut-Zehnkämpfer", sagte einst sein Trainer Harry Marra, der auch schon Dan O'Brien zum Olympiasieger formte. Eatons erfolgreiche Zehnkampf-Laufbahn ist nun für immer beendet. Die Legende des Königs der Athleten aber bleibt bestehen.