| 21:10 Uhr

Handball-EM der Männer
Prokops schwieriges Personal-Puzzle

 Handball-Bundestrainer Christian Prokop gibt heute das vorläufige EM-Aufgebot bekannt.   Foto: Hoppe/dpa
Handball-Bundestrainer Christian Prokop gibt heute das vorläufige EM-Aufgebot bekannt. Foto: Hoppe/dpa FOTO: dpa / Sven Hoppe
Hamburg. Der Handball-Bundestrainer gibt heute sein vorläufiges EM-Aufgebot bekannt. Es gibt prominente Wackelkandidaten.

Wer führt Regie? Wer steht im Tor? Wer darf weiter von einer EM-Medaille träumen? Christian Prokop hat die Qual der Wahl. Heute, exakt fünf Wochen vor dem Auftaktspiel gegen die Niederlande, wird es in Prokops schwierigem Personalpuzzle erste Antworten geben – der Bundestrainer gibt seinen vorläufigen EM-Kader bekannt.

Viele Turnier-Plätze sind schon vergeben. Festgelegt hat sich Prokop auf die drei Kreisläufer Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Jannik Kohlbacher. Natürlich wird auch Kapitän Uwe Gensheimer auf der Liste der 28 Namen stehen, aus denen er bis zum Turnier in Norwegen, Österreich und Schweden (9. bis 26 Januar) sein endgültiges Aufgebot zusammenstellen muss. Es gibt aber auch prominente Wackelkandidaten.

Vor allem das Duell auf der Torhüterposition zwischen dem langjährigen Stammkeeper Silvio Heinevetter und Senkrechtstarter Dario Quenstedt sorgte zuletzt für Schlagzeilen – und bei Prokop für Kopfzerbrechen. Gesucht wird eine Nummer zwei, die zusammen mit Platzhirsch Andreas Wolff das EM-Gespann bildet.



„Jeder Torwart weiß von mir, was ich von ihm bis zur EM erwarte. Dabei geht es um die Leistung, aber auch um Emotionen und die Art und Weise, wie sich jemand einbringt. Die Teamchemie muss stimmen“, sagte Prokop jüngst dem Mannheimer Morgen, stellte dabei aber auch klar, „dass all unsere Torhüter sich steigern müssen, damit wir für die Medaillen infrage kommen.“

Reserviert hat Prokop einen Platz für Martin Strobel. Die Chance auf eine EM-Nominierung des lange verletzten Spielmachers nach dessen Kreuzbandriss will er sich bis zum Schluss offenhalten, das versicherte der Coach: „Gibt es eine Möglichkeit, dass er der Herausforderung einer EM mit bis zu neun Spielen gewachsen ist, nehme ich ihn mit.“ Die Frage wird sein, wer von Prokop als möglicher Backup für Strobel eingeplant wird.

Auch auf der Rechtsaußen-Position ist der Würfel noch nicht gefallen. Tobias Reichmann, Timo Kastening und Patrick Groetzki kämpfen um zwei Plätze.

Die öffentliche Meinung, so viel steht fest, wird bei Prokops Entscheidungen keine Rolle spielen. Den sozialen Netzwerken hat der Coach seit seiner Premieren-EM vor zwei Jahren abgeschworen. „Kein Instagram, kein Facebook mehr“, sagte Prokop. Am Ende habe er sich davon nicht mehr freimachen können. „Die Reaktionen haben mich beeinflusst, Auswirkungen auf meine Stimmung gehabt. Das alles hat Zeit und Kraft geraubt. Ohne soziale Netzwerke bin ich jetzt klarer, freier und mit mehr Energie unterwegs.“

Diese Energie verwendet er jetzt ganz auf das Unternehmen EM-Medaille. Nach dem vierten Platz bei der Heim-WM vor einem Jahr soll nun schließlich der nächste Schritt gelingen. „Wenn alles passt, können wir wieder ins Halbfinale einziehen. Und diesmal möchten wir uns auch belohnen. Nach dem vierten Platz bei der WM spüre ich einen Hunger im Team, dass es diesmal etwas Greifbares mitnehmen möchte“, sagt Prokop: „Jeder Leistungssportler will am Ende eines Turniers eine Medaille, etwas Handfestes haben.“