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Der fliegende Klempner verblüfft alle

Garmisch-Partenkirchen. Anders Jacobsen entpuppt sich bei der Vierschanzentournee einmal mehr als Stehaufmännchen. Der Norweger, der nach dem Sieg in Garmisch-Partenkirchen auf seinen zweiten Gesamterfolg hofft, war zuletzt TV-Kommentator. Agentur

Klempner, Tournee-Sieger, Aussteiger, TV-Kommentator, Tänzer: Anders Jacobsen hat wechselhafte Jahre hinter sich. Nun verblüfft er erneut die Skisprung-Welt. "Es ist nie vorbei", sagte der Norweger, der das zweite Springen der Vierschanzentournee am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen gewann. Als Vierter der Gesamtwertung mit 21,2 Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Stefan Kraft aus Österreich träumt er vom zweiten Gesamtsieg nach 2007. Experten wundern sich über den erneuten Aufstieg des 29-Jährigen. Ein Jahr zuvor kommentierte Jacobsen im norwegischen Fernsehen die Sprünge seiner Kollegen. Jetzt mischt er wieder in der Weltspitze mit.

Und wieder ist es die Vierschanzentournee , die ihm zu einer wundervollen Rückkehr verhilft. Wie 2012/2013, als Jacobsen nach einer selbstverordneten Auszeit die Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen gewann und am Ende Zweiter wurde. "Ich habe fantastische Erinnerungen an diese Schanze. Ich war dennoch ganz schön überrascht von meinen Sprüngen", sagte er seinem Sieg am Neujahrstag. Seit einem Kreuzbandriss 2013 hatte Jacobsen keine Top-Zehn-Platzierung erreicht. In der laufenden Saison verschwand er nach katastrophalen Leistungen gar im zweitklassigen Continental-Cup. Erst beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf kehrte der Norweger in den Weltcup zurück. Er belegte Rang 14.

Er sprang nur noch zum Spaß

Seine wechselhafte Karriere hat damit einen weiteren Höhepunkt erreicht. 2006 hatte Jacobsen mit dem Leistungssport abgeschlossen. Er arbeitete als Handwerker, sprang nur noch zum Spaß. Dann holte ihn Norwegens Ex-Trainer Mika Kojonkoski zurück. Der fliegende Klempner eroberte in seiner Debüt-Saison dank seines jungenhaften Charmes die Herzen der Fans - und düpierte die Favoriten. Am Ende stand 2007 der Sieg bei der Vierschanzentournee . Im Mai 2011 verkündete Jacobsen dann eine Auszeit vom Skispringen. Er hatte keine Lust mehr, zu reisen. Die junge Familie kaufte sich ein Haus, in das der ehemalige Installateur viel Arbeit steckte. Nebenbei trat er in der norwegischen Ausgabe der Tanzshow "Let's dance" auf. 2012 kündigte er seine Rückkehr an. Er war Vorspringer beim Skifliegen in Oberstdorf und Vikersund.

Dem dritten Springen an diesem Sonntag in Innsbruck sieht Jacobsen gelassen entgegen. "Ich denke Schritt für Schritt. Aber natürlich habe ich viel Selbstvertrauen und will das nach Innsbruck mitnehmen", sagte Jacobsen. Er fügte lächelnd hinzu: "Skispringen ist Kopfsache."