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Der FC Schalke 04 will „das Ding gewinnen“

 Die Schalker Fans träumen 20 Jahre nach dem Uefa-Cup-Sieg wieder vom Titel. Foto: Guido Kirchner/dpa
Die Schalker Fans träumen 20 Jahre nach dem Uefa-Cup-Sieg wieder vom Titel. Foto: Guido Kirchner/dpa FOTO: Guido Kirchner/dpa
Amsterdam. Gegen Amsterdam geht es um den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Doch der Schock von Dortmund verdrängt die Vorfreude. Thomas Lipinski,Emanuel Reinke

(sid) Der Anschlag von Dortmund schockierte auch den Erzrivalen. Als die neuen "Eurofighter" von Schalke 04 in den königsblauen Mannschaftsbus nach Amsterdam stiegen, waren die Bilder vom Vorabend noch präsent. "Es ist direkt vor unserer Haustür passiert. Man merkt den Spielern an, dass sie damit zu kämpfen haben", sagte Trainer Markus Weinzierl.

An die nächste Etappe auf dem Weg zum erneuten Europacup-Triumph 20 Jahre nach dem Wunder von Mailand wollte kaum jemand denken. "Alle sind mit den Gedanken bei Dortmund", berichtete Stürmer Klaas-Jan Huntelaar nach der Ankunft. Die Sicherheitsvorkehrungen hatten die Schalker vor der 200 Kilometer langen Fahrt nicht erhöht. "Wir können ja nicht im Panzer fahren", sagte Sportvorstand Christian Heidel.

Die Vorfreude auf das Viertelfinalhinspiel in der Europa League an diesem Donnerstag (21.05 Uhr/Sport1 und Sky) beim niederländischen Rekordmeister Ajax war verflogen. Eigentlich hatten die Schalker dem nächsten Zwischenstopp auf der Reise nach Stockholm entgegengefiebert. "Wenn man schon so weit kommt, dann möchte man am Ende natürlich auch im Finale stehen und das Ding gewinnen", sagte Max Meyer.



Die Helden von damals trauen ihren Nachfolgern in Schwedens Hauptstadt am 24. Mai ebenfalls den großen Wurf zu. "Sie können das Wunder auch schaffen", sagte Olaf Thon, Kapitän der Uefa-Cup-Sieger von 1997. "Wenn ich in ihre Augen schaue, sehe ich auch dieses Glitzern."

Den Geist der "Eurofighter", die vor 20 Jahren sensationell gegen Inter Mailand triumphierten, beschwören die Fans seit Wochen. Seit dem hart erkämpften Weiterkommen im Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach haben auch Höwedes und Co. entdeckt, dass da Parallelen sind.

"Es sind die gleichen Typen", meinte Thon, "Sead Kolasinac und Guido Burgstaller sind wie damals Mike Büskens und Marc Wilmots, die mit ihren Grätschen, ihrem unbedingten Willen vorangingen." Und mit Höwedes trage wieder ein "alteingesessener Weltmeister die Binde am Arm", wie Thon selbst, der vor 20 Jahren als Libero vor der Abwehr der Defensivchef war. In der Bundesliga liefen auch die Helden von 1997 weit hinterher, wurden am Ende Zwölfter.

"Wir haben damals auch im Achtelfinale angefangen zu träumen", erinnerte sich Thon. Die neue Generation sieht er sogar im Vorteil: "Wir waren noch krassere Außenseiter. In der jetzigen Mannschaft steckt viel mehr Potenzial." Von Europas Prominenz ist nur noch Manchester United im Wettbewerb, die Gegner seien "durchaus schlagbar".

Die nächste Hürde ist aber höher als gedacht. Nach der Auslosung freute sich Höwedes noch über "ein geiles Los", der sechsmalige Europapokalsieger Ajax schien vor allem von seiner glorreichen Vergangenheit zu leben. Doch seitdem spielt Amsterdam stark auf, mit drei Ligasiegen in Folge mit 11:2 Toren ist der Rekordmeister in der Eredivisie bis auf drei Punkte an Spitzenreiter Feyenoord Rotterdam herangekommen, der 34. Titel ist wieder möglich. "Vom Talent, von der Technik her ist Ajax besser", glaubt der Ex-Schalker Heiko Westermann, "bei der Erfahrung ist Schalke weit voraus." Der 33-Jährige wird beim ersten Europapokal-Viertelfinale des niederländischen Klubs wohl nur Zuschauer sein: Sein Stammplatz ist seit Monaten auf der Ajax-Ersatzbank.