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3. Fußball-Liga
Der DFB kämpft um die Zukunft seiner „Insolvenz-Liga“

Die Multifunktionsarena in Erfurt macht einiges daher. Doch der FC Rot-Weiß Erfurt konnte die Kosten nicht mehr stemmen.
Die Multifunktionsarena in Erfurt macht einiges daher. Doch der FC Rot-Weiß Erfurt konnte die Kosten nicht mehr stemmen. FOTO: dpa / Martin Schutt
Kaiserslautern. Die 3. Liga gleicht seit Jahren einem Überlebenskampf. Der Verband versucht vor dem Saisonstart am Freitag, sein einstiges Prestigeobjekt aufzupäppeln.

Benefizspiele, Spendenaufrufe und Fanaktionen gegen die Schuldenberge: So sieht der Überlebenskampf auf der „Intensivstation“ 3. Liga aus. Vor zehn Jahren noch als neues Prestigeobjekt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gestartet, ist die Klasse nach etlichen Insolvenzanträgen nur noch eine Kostenfalle. Die schwarze Null scheint für viele Vereine kaum realisierbar. Der DFB greift vor dem Saisonstart an diesem Freitag zu Rettungsmaßnahmen und versucht, mit einem neuen Medienrechtevertrag dem „Patienten“ wieder auf die Beine zu helfen.

„Beim Übergang von der 2. Liga in die 3. Liga kommt man nicht nur ins Fegefeuer, da kommt man in die Hölle“, sagt Engelbert Kupka, langjähriger Präsident der SpVgg. Unterhaching: „Ich schätze, dass mindestens die Hälfte der Drittligavereine entlang der Grenze zur Insolvenz schrammen. Die 3. Liga ist eine Insolvenz-Liga.“ Und Beispiele gibt es zuhauf: In der abgelaufenen Saison erwischte es Drittliga-Dino Rot-Weiß Erfurt und den Chemnitzer FC, die nach jeweils neun Punkten Abzug abstiegen. Im Jahr zuvor meldeten der VfR Aalen und der heutige Südwest-Regionalligist FSV Frankfurt Insolvenz an.

Die Vereine leiden unter dem niedrigen Fernsehgeld, hohen Reise- und Planungskosten sowie teuren Stadionmieten. Carl Zeiss Jena verkaufte 2009 notgedrungen seine Rasenheizung. Der Hallesche FC veranstaltete im vergangenen Februar ein Schnitzel-Essen für die Fans, um an Geld zu kommen. Rekordmeister Bayern München ist Stammgast bei Benefizspielen.



„Die 3. Liga hat man geschaffen wie ein Kind, um dessen Alimente man sich heute drückt“, kritisiert Kupka. Der 79-Jährige fordert einen einheitlichen Geld-Topf der ersten drei Ligen oder eine höhere Beteiligung der 3. Liga an den Einnahmen aus dem DFB-Pokal. Kupka übt zudem Kritik an Verbandspräsident Reinhard Grindel und Vizepräsident Rainer Koch. „Grindel und auch Koch sind wie ein Schilfgras im Wind. Sie biegen sich hin und her, sobald es um ihr Amt geht. Das ganze Management ist in keiner Weise professionell“, sagt Kupka.

Der DFB hört die Dauerkritik aus den Vereinen und ist um Besserung bemüht. Ab der neuen Spielzeit tritt der höher dotierte Medienrechtevertrag in Kraft, in dessen Rahmen die Telekom, wie schon in der vergangenen Spielzeit, bis zum Sommer 2022 alle 380 Partien jeder Saison im Pay-TV überträgt. Im Zuge dessen finden regelmäßig Montagsspiele (19 Uhr) statt. Und es wird am Sonntag eine zusätzliche Anstoßzeit (13 Uhr) geben.

Zudem wird mit einem einheitlichen Adidas-Ball gespielt. Durch diese Deals steigen die finanziellen Zuwendungen des DFB für die Drittligisten gegenüber der vergangenen Saison um 37 Prozent. Trotzdem: In der kommenden Saison erhält jeder Drittligist lediglich rund 1,2 Millionen Euro – die Zweitligisten alleine durch die TV-Gelder einem Verteilungsschlüssel entsprechend sechs bis 17 Millionen Euro. „Mit der Telekom, dem Liga-Hauptpartner bwin, adidas und EA Sports hat die 3. Liga zuletzt starke Partner gewonnen. Diesen Prozess wollen wir in enger Zusammenarbeit mit den Vereinen fortsetzen“, sagt Peter Frymuth, DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung.

In den nächsten beiden Spielzeiten wird es durch die Regionalliga-Reform vier statt wie bisher drei Absteiger in die Viertklassigkeit geben. Der ohnehin immense wirtschaftliche Druck wird auch dadurch noch mal größer.