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Fußball-WM in Russland
Der Beißer will nur noch sportlich auffallen

Ein unvergessenes Bild der WM 2014: Italiens Giorgio Chiellini reklamiert, nachdem er von Luis Suarez in die Schulter gebissen wurde.
Ein unvergessenes Bild der WM 2014: Italiens Giorgio Chiellini reklamiert, nachdem er von Luis Suarez in die Schulter gebissen wurde. FOTO: dpa / Emilio Lavandeira Jr
Nischni Nowgorod. Vier Jahre nach seinem unrühmlichen Auftritt bei der WM in Brasilien zeigt sich Uruguays Stürmer Luis Suarez geläutert.

Nach seiner Beiß-Attacke von Brasilien will Luis Suarez bei dieser WM nur noch sportlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Ich bin mir selbst und Uruguay Wiedergutmachung schuldig, um ein gutes Bild abzugeben“, gelobte der geläuterte Stürmerstar des FC Barcelona. Seinen herzhaften Biss in die Schulter des Italieners Giorgio Chiellini beim WM-Vorrundenspiel vor vier Jahren bezeichnet er heute unumwunden als „Fehler“.

Damals brachte Suarez das bereits dritte Beiß-Vergehen seiner Karriere endgültig den Spitznamen „Vampir“ ein. Bei der WM in Russland ist solch ein Benehmen nun auch ganz offiziell verboten: Das International Football Association Board (IFAB) nahm jüngst Beißen als Erweiterung der Regel 12 auf. Es ist damit gleichgesetzt mit allen anderen Vergehen, die mit direktem Freistoß und Platzverweis geahndet werden.

Die WM 2014 war für Suarez nach dieser Aufsehen erregenden Aktion abrupt beendet. Ohne ihren langfristig gesperrten Torjäger schied die Celeste im Achtelfinale gegen Kolumbien aus. Vier Jahre zuvor hatte der zweimalige Weltmeister noch das Halbfinale erreicht. Schon damals, bei der Endrunde in Südafrika, sorgte der bullige Stürmer im Viertelfinale gegen Ghana mit einem absichtlichen Handspiel auf der Torlinie für Aufruhr.



Auch sonst ist die Vita von Uruguays Rekordtorschützen (98 Spiele, 51 Tore) üppig gespickt mit Skandalen aller Art: Mal griff er einen Schiedsrichter an, mal leistete er sich eine Prügelei mit einem Mitspieler. Und 2011 wurde er für acht Spiele gesperrt, nachdem er Patrice Evra rassistisch beleidigt hatte.

Bei der Endrunde in Russland kehrt Suarez, der von Montevideo über Groningen, Amsterdam und Liverpool in Barcelona gelandet ist, also auf die große WM-Bühne zurück. Als gereifter 31-Jähriger soll er nach einer starken Saison nun an der Seite von Sturmpartner Edinson Cavani (Paris Saint-Germain) dafür sorgen, dass Uruguay zunächst einmal seiner Rolle als Favorit auf den Sieg in der Gruppe A gerecht wird.

Die Mission von „El Pistolero“ und Co. beginnt heute (14 Uhr) mit dem Spiel gegen Ägypten, es folgen die Duelle mit Saudi-Arabien (20. Juni) und Gastgeber Russland (25. Juni). Auch hinsichtlich der Ziele gibt sich Suarez erstaunlich demütig. „Erstmal wollen wir die Gruppe überstehen, dies wird schwierig genug. Wir müssen viele gute Tage haben, um gewinnen zu können“, sagte er.

Suarez selbst möchte nun mit gutem Beispiel vorangehen – und die Rolle als Führungsspieler ausfüllen. „Mir fällt schon auf, dass mich die jüngsten Spieler beobachten. Bei allem. Das ist schön, weil es eine Demonstration des Vertrauens ist.“ Dieses Vertrauen muss Suarez nun auf dem Platz zurückzahlen.