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Daumen hoch für die Darts-Fans

 Peter Wright lässt sich von den Fans in der Saarlandhalle feiern. Der Darts-Profi aus Schottland gewinnt die erste Auflage des Turniers in Saarbrücken. Fotos: PDC Europe
Peter Wright lässt sich von den Fans in der Saarlandhalle feiern. Der Darts-Profi aus Schottland gewinnt die erste Auflage des Turniers in Saarbrücken. Fotos: PDC Europe
Saarbrücken. Der Schotte Peter Wright hat die German Darts Open in der Saarbrücker Saarlandhalle gewonnen. Das Turnier wird auch 2018 wieder stattfinden. Heiko Lehmann

3000 Menschen, verkleidet als Ärzte, Bären oder Polizisten, tanzen auf den Bänken und Tischen und singen im Chor ein Partylied nach dem anderen. Was am Samstag und Sonntag in der Saarlandhalle in Saarbrücken abging, ist mit Worten kaum zu beschreiben. "Es ist einfach nur eine geile Party", fand Christoph Brandstetter, der mit sechs Freunden als Giraffen verkleidet feierte. Und viele kamen natürlich mit Irokesen-Frisur. Der Grund für die lustigen Perücken im Publikum ist der Schotte Peter Wright, einer der besten Dartsspieler der Welt, der die German Darts Open für sich entschied.

Zum ersten Mal machte die European Darts-Tour der Professional Darts Corporation Europe (PDC Europe) in Saarbrücken Station. Innerhalb von nur zwei Wochen war im vergangenen Jahr das Wochenende in der Saarlandhalle ausverkauft. Kein anderes Turnier in Europa hat das geschafft. Und beim Finale am Sonntagabend war die Stimmung nicht mehr zu toppen. Wright spielte gegen den Niederländer Benito van de Pas.

Bereits beim Einlaufen von Wright flippte die Halle aus. Auf die Melodie des 80er Jahre Klassikers "Baby give it up" der Gruppe KC and The Sunshine Band sagen die 3000 Fans "Peter, Peter Wright". Der Schotte tanzte nach seinem Einmarsch auf der Bühne, grinste und winkte dem tobenden Publikum zu. "Ihr seid einfach nur fantastisch. Danke für diese tollen Tage", sagte Wright nach seinem 6:5-Turniersieg, der spannender nicht hätte sein können.



Mit dem letzten Pfeil in der Hand musste der 47-Jährige aus einer Entfernung von 2,37 Metern genau in das 12,7 Millimeter große kreisrunde Feld in der Scheibenmitte treffen. Der Schotte atmete einmal tief durch, setzte zum Wurf an und hämmerte den Pfeil genau in die Mitte. Hüpfend feierte Wright auf der Bühne seinen sechsten Turniersieg in diesem Jahr. "Jetzt ist das Saarland endgültig Peter-Wright-Land", sagte Andreas Mörsdorf. Der Darts-Fan war mit seinen Freunden an allen drei Turniertagen über die komplette Distanz in der Halle - alle waren mit Irokesen-Frisur gekommen. Sebastian Rohne kämpfte sich nach der Siegerehrung durch die Menschenmassen bis ganz nach vorne an die Bühne und bekam von Wright ein Autogramm auf sein T-Shirt. "Das war unglaublich heute. Den Tag werde ich nie vergessen", sagte er. Wie auch viele Fans aus dem Saar-Pfalz-Kreis und der Westpfalz bis nach Trier - wie an den Autokennzeichen vor der Halle unschwer zu erkennen war.

Wright stellte auch den Weltmeister und Weltranglisten-Ersten Michael van Gerwen in den Schatten. Der 27-jährige Niederländer war frühzeitig ausgeschieden, er verlor im Viertelfinale am Sonntagmittag völlig überraschend mit 1:6 gegen den Engländer Ian White. Als van Gerwen am Samstag in der Vorrunde das erste Mal die Bühne betreten hatte, waren die Fans ausgerastet. Keiner saß mehr auf seinem Platz. So gut wie jeder zückte sein Handy und wollte diesen Moment festhalten - eine Gänsehaut-Atmosphäre, die sogar Werner von Moltke, den Chef der PDC Europe, überraschte. "Wir haben im Prinzip immer die besten Fans der Welt. Bei uns feiern alle Nationen gemeinsam an einem Tisch. Es gibt keine Zwischenfälle, jeder möchte nur Teil der Party sein. Aber warum das hier in Saarbrücken so unglaublich abgeht, kann ich auch nicht genau erklären", sagte von Moltke. Der PDC-Chef teilte bereits mit, dass es im nächsten Jahr die zweite Auflage des Turniers in der Saarlandhalle geben wird. Der genaue Termin wird im Herbst bekanntgegeben.

Für einen Lichtblick aus deutscher Sicht sorgte der erst 16-jährige Nico Blum. Der Kölner ist der erste in diesem Jahrtausend geborene Spieler, der es ins Hauptfeld eines so großen Turniers schaffte - und dann sogar die zweite Runde erreichte. Am späten Freitagabend besiegte er unter dem Jubel der Zuschauer den Engländer Josh Payne mit 6:4. "Ich habe erst zum dritten Mal die Qualifikation gespielt. Das war schon Wahnsinn hier", sagte der 16-Jährige, der sich nach seinem Turnier-Aus unter die Fans mischte und in der Halle mitfeierte, als die besten Dartsspieler der Welt die Bühne betraten.

"Darts wird immer größer, und es ist kein Ende in Sicht. Wenn auch Deutschland seinen ersten Superstar hat, wird es zusätzlich noch einen Boom geben. Das kann nicht mehr lange dauern", sagte von Moltke, der die Saarlandhalle als "tolle Darts-Eventhalle" lobte.

13 000 Fans kamen an den drei Turniertagen. Und als die Fans während des großen Finals für Peter Wrights Frisur auch noch das Ständchen "Du hast die Haare schön" sangen, musste der Schotte trotz höchster Konzentration grinsen und zeigte den Fans den erhobenen Daumen.