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Fußball-Champions-League
Das vorweggenommene Finale

Madrid/Paris. Gleich zu Beginn der K.o.-Runde hat die Champions League das Gigantenduell zwischen Real Madrid und Paris St. Germain zu bieten.

(sid) Cristiano Ronaldo gegen Neymar, die Königlichen gegen den Geld-Adel, richtungweisende Partien für die Trainer – und drei deutsche Fußball-Nationalspieler mittendrin: Das Gigantenduell zwischen Real Madrid und Paris St. Germain hat so viele Geschichten zu bieten, dass es eigentlich das perfekt Endspiel für die Champions League gewesen wäre. Doch nun steigt das vorweggenommene Finale schon zu Beginn der K.o.-Runde und stellt alle anderen Achtelfinal-Begegnungen in den Schatten.

„Ich finde es sehr schade, dass sich mit Madrid und Paris zwei so große Clubs schon jetzt duellieren“, sagte Carlo Ancelotti, der als der Experte schlechthin kurz vor dem Hinspiel an diesem Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF und Sky) in Madrid auf Paris setzt: „Sie können es schaffen. Das Team ist gereift und hat an Qualität dazugewonnen.“ Der Italiener weiß, wovon er spricht – schließlich trainierte er vor seiner Zeit bei Bayern München die beiden Kontrahenten.

Dass Ancelotti auf PSG setzt, ist beim Blick auf die Formkurven der beiden Mannschaften in den vergangenen Monaten keine große Überraschung. Der Titelverteidiger aus Madrid befindet sich im Dauer-Tief. 17 (!) Punkte liegt der Rekordmeister in der spanischen Liga hinter dem Erzrivalen FC Barcelona. Auch im nationalen Pokal haben sich die Königlichen blamiert und sind bereits ausgeschieden.



Trainer Zinedine Zidane weiß selbst, dass er seinen Job nur durch den Titel-Hattrick in der Königsklasse retten kann. „Das steht außer Frage“, sagte der französische Weltmeister von 1998, dessen Vertrag bis 2020 läuft: „Die Laufzeit spielt keine Rolle, wenn die Ergebnisse nicht stimmen.“

Immerhin hat sich Zidane („Ich stehe nicht unter besonderem Schutz, nur weil ich eine Karriere als Spieler hatte“) sein Denkmal in Madrid bereits gesetzt: Die erste Titelverteidigung in der Champions League und das erste Double seit 1958 nimmt ihm niemand mehr. Doch Zidane gibt sich kämpferisch. „Ich will unter Beweis stellen, dass ich auch ein guter Trainer bin, wenn es schwierig wird“, sagte der Coach.

Wie für Zidane geht es auch für seinen Gegenüber Unai Emery um den Job. Die Geldgeber aus Katar wollen endlich den Titel feiern, alles andere ist für den Emir inakzeptabel. Schließlich hat er in den vergangenen sieben Jahren eine Milliarde Euro in sein Lieblingsspielzeug gesteckt. Mit dem Geld wurden so viele Stars verpflichtet, dass die beiden deutschen Nationalspieler Julian Draxler und Kevin Trapp nur noch eine Nebenrolle spielen.

Vor allem der Rekordtransfer von Neymar (222 Millionen Euro) und die Verpflichtung von Kylian Mbappe (180 Millionen Euro nach dem Ende der Leihe im Sommer) sollen dafür sorgen, dass der unangefochtene Tabellenführer aus Frankreich nicht erneut frühzeitig die Segel in der Königsklasse streichen muss.