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Tennis
Das nächste Toptalent nach Zverev

Den ein oder anderen Punktgewinn feierte Rudolf Molleker am Montagnachmittag euphorisch. Nach seinem Sieg gegen David Ferrer blieb der 17-Jährige äußerlich aber ganz gelassen.
Den ein oder anderen Punktgewinn feierte Rudolf Molleker am Montagnachmittag euphorisch. Nach seinem Sieg gegen David Ferrer blieb der 17-Jährige äußerlich aber ganz gelassen. FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Hamburg. Rudolf Molleker ist erst 17 Jahre jung. Beim ATP-Turnier am Hamburger Rothenbaum deutet er sein gewaltiges Potenzial schon mal an.

Den bislang größten Erfolg seiner noch jungen Karriere beging Rudolf Molleker bereits im Stile eines abgezockten Champions. Als er im Erstrundenspiel am Hamburger Rothenbaum gegen den spanischen Tennis-Veteran David Ferrer den Matchball verwandelt hatte, blieb Deutschlands große Nachwuchshoffnung ganz cool. Kein Fall auf die Knie, kein lauter Schrei – der erst 17 Jahre alte Oranienburger guckte einfach lächelnd ins Publikum und schritt zum Netz. Gab Ferrer freundlich die Hand. „Innerlich freue ich mich aber natürlich sehr“, sagte er später.

Molleker, der zu den größten Talenten im Deutschen Tennis-Bund zählt, hat Großes vor. „Ich habe in meiner Karriere größere Ziele, als David Ferrer zu schlagen. Deshalb möchte ich nicht nur an diesem Sieg gegen ihn festhalten“, sagte Molleker, der dennoch wusste, was er am Montagnachmittag bei den German Open in Hamburg geschafft hatte. „Das ist der bislang größte Erfolg meiner Karriere“, sagte der Youngster, der nur dank einer Wildcard des scheidenden Turnierdirektors Michael Stich im Hauptfeld steht.

Als Dreijähriger kam der Blondschopf mit seinen Eltern Roman und Tanja Molleker aus der Ukraine nach Brandenburg. Schon in jungen Jahren verbrachte er viel Zeit auf dem Tennisplatz. Sein Talent wurde schnell entdeckt, in der Jugend feierte er zahlreiche nationale und internationale Titel. Beim DTB erkannte man schnell, was für ein Juwel sie da in ihren Reihen haben – eine zweite große Hoffnung nach Alexander Zverev. „Molleker ist das größte Talent, das wir haben“, sagte Dirk Hordorff, der für den Leistungssport zuständige DTB-Vizepräsident, bereits vor zwei Jahren dem „Tennis Magazin“. Auch deshalb kümmerte sich eine Zeit lang Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann um Molleker.



Im vergangenen Jahr überzeugte Molleker in Hamburg bei seinem Debüt auf der Profitour, indem er sich über die Qualifikation ins Hauptfeld kämpfte. Richtig Fahrt aufgenommen hat Molleker aber erst in diesem Jahr. Im Mai gewann er beim Challenger-Turnier in Heilbronn seinen ersten Titel, kurz darauf gelang ihm in Stuttgart gegen Davis-Cup-Profi Jan-Lennard Struff der erste Sieg auf der ATP-Tour. „Ich habe viel im körperlichen Bereich und an der Stabilität meiner Grundschläge gearbeitet“, berichtete Molleker, dem das Regionalfernsehen vor ein paar Jahren bereits eine Dokumentation mit dem Titel „Von Oranienburg nach Wimbledon“ widmete.

Bis er in Wimbledon Erfolge feiert, ist es allerdings noch ein langer Weg. Doch die Schritte, die der derzeit trainerlose Molleker vollzieht, machen Mut, dass die aktuelle Nummer 272 der Welt seinen Weg gehen wird. In Hamburg wartet heute der Slowake Jozef Kovalik. „Das wird wieder ein hartes Match“, sagte Molleker. „Aber das Turnier ist für mich noch nicht vorbei.“ Er hat Blut geleckt. Auch wenn er es bei seinem Siegesjubel auf dem Platz noch nicht so stark nach außen tragen will.

Drei Deutsche scheiterten gestern bei den German Open in der ersten Runde. Peter Gojowczyk unterlag den Chilenen Nicolas Jarry mit 1:6, 2:6. Philipp Kohlschreiber verlor gegen den Georgier Nikoloz Basilaschwili mit 5:7, 6:1, 4:6, Jan-Lennard Struff gegen den Australier John Millman mit 5:7, 3:6.