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Kanu-WM in Portugal
Das Kanu-Märchen um Fazloula

Montemor-o-Velho. Der Flüchtling aus dem Iran startet bei der WM in Portugal für Deutschland. sid

Saeid Fazloula hat sich nach drei Jahren in Deutschland an vieles gewöhnt. Kartenspiele mit den neuen Kollegen der Kanu-Nationalmannschaft gehören ebenso zum Alltag des gebürtigen Iraners wie unzählige Paddel-Stunden auf dem trüben Rhein. Einzig mit dem Wetter hat der 26-Jährige noch so seine Probleme. „Hier regnet es oft tagelang. Das kannte ich so nicht“, sagt Fazloula, der 2015 aus seiner Heimat flüchten musste. Bei der morgen beginnenden Kanu-WM startet er für Deutschland.

„Ich freue mich, dass ich den Adler auf der Brust trage“, sagt Fazloula vor den Titelkämpfen in Portugal. Bei der EM im Juli war er erstmals für den Deutschen Kanu-Verband an den Start gegangen, nun folgt mit der WM-Teilnahme die Erfüllung eines Traums. In Montemor startet er gemeinsam mit Kostja Stroinsk im Kajak-Zweier über 500 Meter.

Bis dahin war es jedoch ein langer Weg. Im Iran gehörte Fazloula zu den besten Kanuten des Landes. Nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Asien-Spielen 2014 in Südkorea wurde ihm jedoch mitgeteilt, er habe „unverhältnismäßig“ gejubelt. Als ihm nach einem Besuch des Mailänder Doms während der WM 2015 vorgeworfen wurde, er wolle zum Christentum konvertieren, brach Fazloula die Zelte in seiner Heimat ab. Fazloula floh – erst zu Fuß über die Grenze in die Türkei, dann auf der Balkanroute bis nach Karlsruhe. „Ich hatte alles im Iran, und hier war auf einmal alles weg. Mein Geld, meine Wohnung, mein Auto“, sagt Fazloula.



Bei den Rheinbrüdern Karlsruhe fand Fazloula neue Freunde, vor allem aber eine neue sportliche Heimat. Mit harter Arbeit schaffte er es bis ins deutsche Nationalteam.