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Das Ende der Ära?

 Was sagt der Blick in die Zukunft? Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson wird dem DHB womöglich 2017 den Rücken kehren. Foto: schulze/dpa
Was sagt der Blick in die Zukunft? Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson wird dem DHB womöglich 2017 den Rücken kehren. Foto: schulze/dpa FOTO: schulze/dpa
Hamburg. Die erfolgreiche Ära von Dagur Sigurdsson als deutscher Handball-Bundestrainer steht vor dem Ende. Nach der WM im Januar ist für den statistisch erfolgreichsten DHB-Trainer vermutlich Schluss. sid-Mitarbeiter Christoph Stukenbrock

Paukenschlag im deutschen Handball : Meistermacher Dagur Sigurdsson steht vor dem Absprung, der zuletzt so erfolgreichen Nationalmannschaft droht der Verlust ihres Vordenkers. Die Ära als Bundestrainer, in der Sigurdsson die Bad Boys sensationell zum Europameister-Titel und im Sommer zu Olympia-Bronze führte, könnte schon im Frühjahr zu Ende sein. Dem DHB droht eine tiefe Zäsur.

Nach Informationen des sid geht es bei der Entscheidung über die Zukunft Sigurdssons nicht um finanzielle Belange, vielmehr sollen persönliche Beweggründe ausschlaggebend sein. "Wir sind absolut nicht im Dissens und befinden uns in sehr vertrauensvollen Gesprächen", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Es wird definitiv noch in diesem Jahr eine verkündbare Entscheidung geben." Eine Trennung noch vor der WM zu Jahresbeginn (11. bis 29. Januar 2017) in Frankreich sei allerdings "ausgeschlossen".

Laut eines Berichts des Magazins "Handball inside" geht das Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) von einer Demission Sigurdssons spätestens zum Vertragsende im Sommer 2017 aus. Dabei war die Zusammenarbeit ursprünglich bis zu den Olympischen Spielen 2020 vorgesehen. Egal, wie Sigurdssons Entscheidung ausfalle - "das Ziel Olympiasieg 2020 ist unumstößlich und wird erreicht", sagte Hanning: "Der Verband ist viel größer als die Personen Andreas Michelmann (DHB-Präsident, Anm. d. Red.), Bob Hanning oder Dagur Sigurdsson."



Den deutschen Handball würde ein Abschied Sigurdssons dennoch wie ein Keulenschlag treffen. Mit isländischer Akribie und seiner durch und durch unaufgeregten Art führte Sigurdsson das deutsche Team in den letzten zwei Jahren aus der Handball-Diaspora im Eiltempo zurück in die Weltspitze. Von 52 Länderspielen unter seiner Regie gewann die Nationalmannschaft 39 - so eine Siegquote hatte bislang noch kein Bundestrainer vor ihm.

"Dass Dagur auch wegen des Europameistertitels und der olympischen Bronzemedaille zu den begehrtesten Trainern zählt, ist keine Überraschung", wird Hanning in einer Verbandsmitteilung zitiert: "Wir wissen, was wir an ihm haben, und Dagur weiß, was er am Deutschen Handballbund hat. Weiteres wird sich in den nächsten Wochen entwickeln."

Dem Wunder von Krakau, als Sigurdsson mit einer stark ersatzgeschwächten Mannschaft bei der Europameisterschaft zu Jahresbeginn deutsche Sportgeschichte schrieb, ließ die DHB-Auswahl in Rio Platz drei folgen.

Hanning und bezeichnete Sigurdsson nach der ersten olympischen Medaille seit 2004 als "Schlüssel zum Erfolg". Der Verbandsvize hatte Sigurdsson im Sommer 2014 gegen zahlreiche Widerstände von den Füchsen Berlin zur Nationalmannschaft gelotst - ein Glücksgriff. "Rein sportlich sind wir jetzt auf dem Weg von einem großen Kahn hin zu einem immer schneller werdenden Schnellboot", sagte Hanning zuletzt. Ein Schnellboot, dem wohl bald der Verlust seines Kapitäns bevorsteht.