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Als Hobbyspieler zu WM
Darts-Außenseiter und ihr Traum vom „Ally Pally“

Düsseldorf. Als Hobbyspieler zur Darts-WM: Ein Turnier in Düsseldorf bringt ihnen die Chance auf Ruhm in London. dpa

Von einer solchen Chance werden Hobby-Fußballer ein Leben lang nur träumen können. In einer Vorausscheidung gegen andere Hobby-Kicker antreten und nach drei Siegen im K.o.-Modus das Lebensziel Weltmeisterschaft erreichen. Was im Fußball undenkbar ist, wird im Darts-Sport seit Jahren praktiziert.

In der Super League treten 14 deutsche Spieler gegeneinander an und kämpfen um einen ersehnten WM-Platz. Die meisten von ihnen sind maximal Halb-Profis. Während des Jahres arbeiten sie als Stahlbetonbauer, Grafiker oder Abteilungsleiter in einer Maschinenfabrik, zum Jahresende fahren sie mit etwas Glück und dem richtigen Händchen als Teilnehmer zur größten Darts-Party überhaupt: der Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace.

„Das ist das Nonplusultra unseres Sports“, sagte Maik Langendorf der Deutschen Presse-Agentur über die Bedeutung des Turniers vom 13. Dezember bis 1. Januar. Der 46-Jährige hat die Super League als Hauptrunden-Dritter absolviert und gilt daher als einer der Favoriten für das große Finale an diesem Sonntag (13.00 Uhr/Sport1) im Düsseldorfer Maritim-Hotel. Die Veranstalter setzen dabei auf eine immer breitere Außenwirkung: Live-Übertragung im TV, größere Location, deutlich mehr Werbung.



„Das ist ein Super-Wettbewerb“, sagte Dragutin Horvat. Der Kasseler war 2016 schon mal bei der WM und würde sich gerne wieder qualifzieren. „Das Publikum und das ganze Event ist einfach einmalig“, meinte der 42-Jährige, der in seinem Beruf Brücken baut und abends dann an der Scheibe steht. An die große WM-Chance denkt er gar nicht allzu oft. „Das wäre nur zusätzlicher Druck. Ich warte es lieber ab“, sagte der gelassene Horvat.

Was mit so einem WM-Ticket möglich ist, hat im Vorjahr Kevin Münch aus Bochum eindrucksvoll bewiesen. Er qualifizierte sich über die Super League, bekam in London Adrian Lewis zugelost und schlug den Ex-Weltmeister anschließend auch noch. „Ich bin aus dem Häuschen. Ich kann einfach nicht glauben, was da gerade passiert ist“, hatte der Garten- und Landschaftsbauer damals an „seinem geilsten Tag“ gesagt. Es war die größte Sensation eines deutschen Darts-Profis in der WM-Geschichte.

Von dem Sport leben können hierzulande eigentlich nur zwei Akteure: Max Hopp, der jüngst bei der Europameisterschaft bis ins Halbfinale kam, und sein Kollege Martin Schindler. Beide sind bereits für die WM qualifiziert und spielen deshalb am Sonntag nicht mit. Ihre Rivalen nennen den Pfeilesport wahlweise „ein nettes Zubrot“, „einen schönen Zweitjob“ oder erklären, dass „man teilweise sogar dafür investieren muss“.

Die alljährliche WM-Chance entschädigt für viele Mühen und Ausgaben während des Jahres. Oftmals bedeuten Darts-Turniere auch Stress, Reisen und wenig Freizeit. Robert Marijanovic, der am Sonntag in Düsseldorf nach 2013 und 2015 gerne sein drittes WM-Ticket lösen würde, fasst das Hobby Darts flapsig zusammen: „Man muss auch die Zeit dagegenrechnen, die man investiert. Da hätte es sich finanziell mehr gelohnt, wenn ich an der Tankstelle gearbeitet hätte.“