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Dahlmeier gönnt sich eine kurze Pause

Hochfilzen. Nach ihrer Rekord-WM hat Laura Dahlmeier den Gewinn des Gesamtweltcups im Blick. Außerdem will sich die Fünffach-Weltmeisterin beim kommenden Weltcup in Pyeongchang schon mit den Olympiastrecken anfreunden. Thomas WOLFER,Nicolas REIMER

Laura Dahlmeier suchte nach ihrer Rekord-WM die Ruhe in den bayerischen Bergen. "Ganz ohne Biathlon. Endlich kann ich wieder ein normaler Mensch sein", sagte die Überfliegerin. Die vergangenen beiden Wochen in Hochfilzen verlangten ihr alles ab. Nun sind fünf Tage pure Entspannung mit Freunden und der Familie der Lohn - doch die Fünffach-Weltmeisterin nimmt schon die nächsten Ziele ins Visier. "Wenn ich gesund bleibe und gute Rennen mache, dann ist es durchaus noch möglich", sagte Dahlmeier, angesprochen auf ihren ersten Sieg im Gesamtweltcup.

Derzeit liegt die 23-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen mit 903 Punkten immerhin 46 Zähler vor der Zweitplatzierten Gabriela Koukalova (Tschechien): "Wenn ich weiß, dass ich in Führung bin und es gut ausschaut, dann gibt das natürlich Selbstvertrauen", sagte Dahlmeier.

Explizit will sie der großen Kristallkugel aber nicht nachjagen. Druck braucht die junge Bayerin nach der stressigen WM nicht mehr. "Ich sage jetzt: Ich habe Spaß und hoffe, dass sich das auszahlt", meinte Dahlmeier. Schon am Samstag geht es für sie mit der deutschen Mannschaft ins ferne Pyeongchang nach Südkorea, wo eine Woche später die Olympia-Generalprobe für 2018 ansteht. Auf was sich Dahlmeier freut? "Asiatisches Essen - da bin ich gespannt drauf. Ich war noch nie auf dem asiatisches Kontinent", sagte die Ausnahmekönnerin, die den langen Flug jedoch gerne vermeiden würde: "Alles andere wird spannend, und ich bin da sehr aufgeschlossen."



Zwar hatte sie in Hochfilzen zwei Schwächeanfälle erlitten und war mehrfach über die körperlichen Grenzen gegangen. Auf Pyeong chang zu verzichten, steht aber nicht zur Diskussion. "Ich bin auf alle Fälle dabei. Es ist wichtig, dass man positive Erinnerungen an einen Ort hat", sagte Dahlmeier: "Wie sind die Strecken, wie sind die Bedingungen? Man kann das Training schon auf das nächste Jahr ausrichten und mit positiven Gedanken dorthin fahren."

Ohne Zweifel wird sie nach fünf Mal Gold und einer Silbermedaille in Hochfilzen als die ganz große Favoritin zu den Winterspielen reisen.

Dass sie abhebt, glaubt Bundestrainer Gerald Hönig jedoch nicht. "Ihr ganzes Umfeld wird ihr helfen, den Druck nicht zu groß werden zu lassen. Laura wird konzentriert weiterarbeiten", sagte Hönig: "Es wäre nicht gut, sie jetzt dauernd zu fragen, ob sie diesen Siegeszug auch bei den Winterspielen schaffen kann. Das ist eine ganz andere Geschichte in einem Jahr."

Dahlmeier wird die verbleibenden drei Weltcups bestreiten. Erst danach steht Urlaub auf dem Programm. "Ich hoffe, dass Laura nach der Saison die Kurve bekommt und regenerieren kann", sagte Hönig. Dahlmeier, die in Hochfilzen so erfolgreich war wie keine andere Biathletin bei einer Weltmeisterschaft zuvor, liebäugelt schon mit einem Kletterurlaub in Peru - Jahr für Jahr findet sie an Steilwänden ihre Ablenkung. Geld für Reisen hat sie in den vergangenen beiden Wochen jedenfalls genug verdient. Allein 64 000 Euro strich sie in Hochfilzen an offiziellen Preisgeldern des Weltverbandes Ibu ein. Sollte sie den Gesamtweltcup gewinnen, kommt noch eine beträchtliche Summe hinzu - auch für eine Party: "Nach der Saison wird es ein großes Fest geben, und dann werden wir alle zu Hause gemeinsam feiern", sagte Dahlmeier.