| 23:20 Uhr

Champions League
Niko Kovac: Schicksalstage eines Trainers?

Neigen sich Niko Kovacs Tage als Trainer beim FC Bayern München bereits dem Ende entgegen?
Neigen sich Niko Kovacs Tage als Trainer beim FC Bayern München bereits dem Ende entgegen? FOTO: dpa / Torsten Silz
München. Erst Athen, dann Dortmund: Trainer Niko Kovac steht beim FC Bayern vor einer entscheidenden Woche, die Champions League heute Abend rückt dabei fast in den Hintergrund.

Wende oder Ende? Für Niko Kovac beginnen mit dem Champions-League-Spiel heute Abend (21 Uhr/Sky) gegen AEK Athen seine ganz persönlichen Schicksalstage beim FC Bayern. Der Trainer braucht gegen den griechischen Meister einen Erfolg und muss vier Tage später im größten Spiel des deutschen Fußballs bei Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund zumindest eine Niederlage verhindern – sonst wird es wohl eng.

„Bis aufs Blut“ wollte Präsident Uli Hoeneß den Coach verteidigen – doch das ist auch schon wieder viereinhalb Wochen her. Seitdem schweigt Hoeneß zu diesem Thema, Sportdirektor Hasan Salihamidzic verbat sich zuletzt „blödsinnige Fragen“ zur Zukunft von Kovac. Doch die jüngsten Darbietungen dürften den Glauben an den Coach zumindest nicht gefestigt haben, auch wenn dieser gestern versicherte: „Die Unterstützung ist intern absolut da.“

Am Tag vor dem Spiel gegen Athen, für das Arjen Robben (Knieblockade) ausfällt und James (Wadenprobleme) fraglich ist, nahm immerhin Joshua Kimmich Kovac auch öffentlich in Schutz. „Wir stehen auf dem Platz, wir haben die Verantwortung, wir als Spieler müssen dafür sorgen, dass jeder wieder an sein Maximum herankommt“, betonte er. Zugleich versicherte der Nationalspieler: Ja, die Mannschaft habe einen Plan, ja, dieser sei auch „grundsätzlich nicht schlecht“, aber nein, er sei zuletzt „nicht gut umgesetzt“ worden.



Wie dieser Plan aussieht, konnte oder wollte Kimmich nicht erläutern, er gab allerdings auch zu, dass es den Münchnern gerade an vielem mangele: etwa am „Blick für den Nebenmann“, an der Mentalität, als Mannschaft auftreten zu müssen, vor allem auch am Selbstbewusstsein, sich durch schlechte Phasen mit der „Mia-san-mia“-Einstellung zu kämpfen. „Qualität ist auch, wenn man als FC-Bayern-Spieler trotzdem mit Eiern aufs Spielfeld geht“, betonte Kimmich.

Ein deutlicher Sieg gegen die bislang punktlosen Griechen könnte nicht nur den Druck auf Kovac lindern. Sollte Ajax Amsterdam zeitgleich bei Benfica Lissabon gewinnen, hätten die Bayern das Achtelfinal-Ticket sicher. Doch nach vier Heimspielen ohne Sieg und dem Offenbarungseid gegen Freiburg (1:1) wäre auch ein weiterer Patzer keine Sensation. Deshalb forderte Thomas Müller: „Es ist unsere Aufgabe, unseren Mann zu stehen, uns nicht zu verstecken.“

Müller hofft auf einen deutlichen Erfolg, um den „Schwung in dieses Spiel gegen Dortmund mitzunehmen. Da wollen und müssen wir mithalten.“ Salihamidzic formulierte es noch offensiver. „Wir fahren nach Dortmund, wollen da klar gewinnen“, sagte er, „aber erst mal ist Champions League.“

Auch für Kovac ist Dortmund „weit weg, wir haben erst mal Athen. Da müssen und wollen wir gewinnen.“ Die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft sei gut, versicherte er, „wir sind positiver Dinge, ich hoffe, nicht nur das Ergebnis ist gut“.

Doch die Berichte über Spannungen zwischen Kovac und der Mannschaft reißen nicht ab. Am Montag sah sich Mats Hummels genötigt, Mutmaßungen aufzugreifen, wonach er einem Anti-Kovac-Block angehöre. Dass Interna nach außen gelangten, sei „nicht förderlich, sowas darf es nicht geben“, sagte Kovac und betonte: „Es ist wie in der Familie auch: Wenn sie zusammenhält, ist es leicht, wenn nicht, geht sie auseinander.“ Im Moment scheint dieser Zusammenhalt trotz gegenteiliger Beteuerungen gefährdet.

Mit AEK stellt sich den Bayern immerhin ein geschwächter Gegner in den Weg. Der Titelverteidiger ist in der griechischen Super League nur Fünfter, nach dem 0:0 im Derby bei Panathinaikos am Samstag schimpfte Trainer Marinos Ouzounidis über „die schlechteste Leistung der Saison“. Am liebsten hätte er „die komplette Mannschaft ausgewechselt. In München müssen wir uns um 100 Prozent steigern, sonst haben wir keine Chance.“