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Champions League
"Keine Vergnügungsreise" nach England

  Das City-Starensemble mit dem Ex-Schalker Leroy Sane (links unten) ist Tabellenführer der Premier League und seit neun Pflichtspielen ungeschlagen. Schon im Hinspiel auf Schalke hatten die Gelsenkirchener mit 2:3 das Nachsehen.
Das City-Starensemble mit dem Ex-Schalker Leroy Sane (links unten) ist Tabellenführer der Premier League und seit neun Pflichtspielen ungeschlagen. Schon im Hinspiel auf Schalke hatten die Gelsenkirchener mit 2:3 das Nachsehen. FOTO: AP / Martin Meissner
Manchester. Die wohl vorerst letzte Champions-League-Dienstreise nach Manchester passt Schalke 04 überhaupt nicht in den Kram. Der Vizemeister muss sich auf die Bundesliga und den Abstiegskampf konzentrieren.

Kapitän Ralf Fährmann lachte für ein Fan-Selfie, Stürmer Steven Skrzybski scherzte mit den Teamkollegen, der aussortierte Nationalspieler Mark Uth aber musste wieder zu Hause bleiben. Auch wenn es am Flughafen Münster/Osnabrück auf den ersten Blick anders aussah: Beim abgestürzten Vizemeister Schalke 04 ist die Stimmung im Keller. „Das ist keine Vergnügungsreise“, mahnte der neue Sportvorstand Jochen Schneider vor dem Abflug zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag (21 Uhr/Sky) beim englischen Meister Manchester City: „Die Vorfreude wird von der angespannten Situation in der Bundesliga überlagert.“

Nach sieben Ligaspielen in Folge ohne Sieg und dem Sturz auf Platz 14 gibt es in der Tat wenig Grund zum Lachen bei den Knappen. Zumal die internen Probleme weiterhin groß sind: Ganz offensichtlich aus disziplinarischen Gründen fehlten auch auf der Dienstreise nach England Uth und der Marokkaner Amine Harit. Dass Uth, wie der kicker vermutete, ein Training am Donnerstag geschwänzt haben soll, wollte Schneider „in der Form nicht bestätigten“, er sagte nur: „Die letzte Woche lief nicht optimal.“ Der Nachfolger von Christian Heidel berichtete von einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Stürmer, „das Thema ist ausgeräumt“.

Jungstar Harit, der in der vergangenen Saison noch Rookie des Jahres in der Bundesliga wurde, steht wegen diverser Eskapaden – unter anderem wegen häufiger Casino-Besuche – schon länger unter besonderer Beobachtung. Sein Landsmann Hamza Mendyl, am Freitag beim 2:4 bei Werder Bremen noch ebenfalls aus dem Kader gestrichen, ging am Montagmittag mit an Bord des Fluges 5K611.



Skrzybski versuchte, sich dennoch zu freuen. „Wir haben eine Chance, weiterzukommen. Wir fliegen da nicht hin, genießen alles, lassen uns abschießen und fahren wieder nach Hause“, sagte der Angreifer. Die möglicherweise für längere Zeit letzte Champions-League-Reise passt den Schalkern um den angezählten Trainer Domenico Tedesco aber im Moment überhaupt nicht in den Kram.

Nach der 2:3-Heimspielniederlage im Hinspiel bräuchte es ein Fußball-Wunder, um ins Viertelfinale einzuziehen. Viel wichtiger ist aber der Abstiegskampf in der Bundesliga, für den alle Kräfte im – durch Verletzungen und disziplinarische Maßnahmen – arg geschwächten Kader benötigt werden. Die Frage für Tedesco, dem Schneider nach der phasenweise guten Leistung in Bremen vorerst eine weitere Woche im Amt zugestand, ist deshalb: Wer kassiert in Manchester die erwartete Niederlage? Und wer wird für sein Job-Endspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen RB Leipzig geschont?

Das City-Starensemble mit dem Ex-Schalker Leroy Sane, Tabellenführer der Premier League und seit neun Pflichtspielen ungeschlagen, ist der eindeutige Favorit. Gegen Bundesligisten hat Manchester sieben der letzten acht Duelle gewonnen.

Ein klein wenig Hoffnung sollte den Schalkern aber ein Blick in die Vergangenheit machen: Fast auf den Tag genau vor vier Jahren siegten die Gelsenkirchener als krasser Außenseiter mit 4:3 bei Real Madrid. Damals schieden sie trotzdem aus, diesmal würde dieses Ergebnis aber zum Viertelfinal-Einzug reichen. Allerdings: Spieler wie Klaas-Jan Huntelaar, Leon Goretzka, Joel Matip oder eben Sane haben Königsblau längst verlassen. Verteidiger Matija Nastasic ist der letzte Verbliebene.