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Wechselspekulationen
Ronaldo&Bale als königliche Stimmungskiller

Geht Cristiano Ronaldo auch im nächsten Jahr noch für Real Madrid auf Torejagd? Foto: Ina Fassbender
Geht Cristiano Ronaldo auch im nächsten Jahr noch für Real Madrid auf Torejagd? Foto: Ina Fassbender FOTO: Ina Fassbender
Madrid. Cristiano Ronaldo hat mit einer unerwarteten Aussage nach dem Champions-League-Sieg Spekulationen um einen möglichen Abschied von Real Madrid entfacht. Von Stefan Tabeling und Emilio Rappold, dpa

Erst am Tag nach dem 13. Triumph von Real Madrid in der Champions League kam Cristiano Ronaldo endlich In Partylaune.

„Wir haben Geschichte geschrieben. Dank an alle Madridistas. Es ist ein Augenblick des Glückes. Hala Madrid!“, rief der Stürmer freudestrahlend auf dem Balkon des Gebäudes der Madrider Regionalregierung. Am Vorabend hatte der Portugiese die königliche Welt nach dem 3:1-Finalerfolg gegen den FC Liverpool mit Schmollmiene und der Andeutung eines Weggangs mächtig aufgeschreckt. „Cristiano bleib', Cristiano bleib'!“ skandierten die Fans auf dem brechend vollen Platz Puerta del Sol.

„Die 13 ist eine Bombe“, hatte das spanische Blatt „Marca“ treffend geschrieben, nachdem Ronaldo einen kleinen Orkan ausgelöst hatte. „Es war sehr schön, bei Real Madrid zu spielen“, hatte der Weltfußballer nach Spielschluss gesagt und damit Trainer Zinédine Zidane und Präsident Florentino Pérez verärgert. „Er muss bleiben, er wird bleiben. Das ist meine Meinung. Man wird sehen, was passiert“, sagte ein genervter Zidane und Pérez ergänzte: „Cristiano hat einen Vertrag, ich möchte nicht über irgendeinen Spieler spekulieren.“



Seinen Wechselgedanken hatte „CR7“ nach dem Finale noch auf dem Rasen mit folgenden Worten Nachdruck verliehen: „Vielleicht hätte ich schweigen sollen, aber wenn du ehrlich bist, kommen einige Dinge hoch. Ich werde sprechen, und wenn ich spreche, habe ich wichtige Dinge zu sagen. Ich kann nichts garantieren.“

Dass der unzufriedene Matchwinner Gareth Bale ebenfalls offen von Abschied sprach, ließ den dritten Königsklassen-Titel in Serie und den 13. der Club-Geschichte am Samstag im Olympiastadion von Kiew endgültig zu einer Nebensache verkommen. Zumal die Siegerparty auf dem Rasen ohnehin schon reichlich nüchtern, routiniert wirkte.

War es nur gekränkte Eitelkeit oder steckt mehr hinter Ronaldos kryptischen Worten? Immer wieder beklagt der Europameister, der noch bis 2021 an Real gebunden ist, fehlende Wertschätzung, wie er auch nach dem Finale betonte: „Ich habe fünf Champions-League-Siege und fünf Goldene Bälle (Anm.: Weltfußballer-Ehrungen). Ich weiß, was ich dem Club gegeben habe.“

Dass neue Stars wie Brasiliens Neymar oder Liverpool-Ass Mohamed Salah als zukünftige „Galácticos“ gehandelt werden, empfindet Ronaldo sicher als Majestätsbeleidigung. Vielleicht hat den 33-Jährigen aber auch die Steueranklage - der Portugiese soll 14,7 Millionen Euro am spanischen Fiskus vorbeigeschleust haben - zugesetzt.

Mit Pérez habe er nichts zu besprechen. „Man wird müde, wenn einem Dinge versprochen werden, die nicht eintreten. Dinge lassen sich nicht mit Geld lösen. Geld ist nicht das Problem für mich“, monierte Ronaldo. Starke Worte und das nach einem Abend, an dem er seinen Platz in den Geschichtsbüchern weiter zementiert hatte. Als erster Spieler gewann Ronaldo zum fünften Mal die Champions League, dazu wurde er - diesmal mit 15 Treffern - zum siebten Mal Torschützenkönig der Königsklasse.

Die Hauptrolle auf dem Rasen hatte aber diesmal ein anderer: Gareth Bale. Den Waliser vereinte nach seinen zwei Toren mit Ronaldo aber die große Unzufriedenheit. „Ich muss jede Woche spielen. Ich werde mit meinem Berater sprechen und über meine Zukunft nachdenken“, sagte der 100-Millionen-Mann, der vier Minuten nach seiner Einwechslung einen traumhaften Fallrückzieher (64.) ins Netz gesetzt hatte und in der Schlussphase den schwarzen Abend von Liverpool-Torhüter Loris Karius mit einem 35-Meter-Tor (83.) perfekt gemacht hatte.

Zidane zeigte ein wenig Verständnis für die Unzufriedenheit, blieb in der Sache aber hart: „Jeder schaut auf sich selbst, das verstehe ich. Aber am Ende geht es um das Team.“ Mit weltmeisterlicher Gelassenheit reagierte indes Toni Kroos auf die Wechselabsichten seiner Teamkollegen: „„Mir geht es zu gut gerade, als dass ich mich damit auseinandersetze. Natürlich hat jeder seine eigenen Pläne, die muss man dann mit dem Club besprechen. Ich habe keine - also alles gut.“

Warum sollte er auch? Kroos gewann zum dritten Mal mit Real und als erster deutscher Spieler überhaupt zum vierten Mal den Henkelpokal. Das sei schon speziell.

Speziell war auch das nötige Glück, dass Real in dieser Saison auf dem Weg zum Triumph begleitete. Wie im Finale hatten die Madrilenen auch im Halbfinale gegen die Bayern von einem Torwartfehler (Sven Ulreich) profitiert. Im Viertelfinale hatte ein glücklicher Elfmeter in der 97. Minute das Weiterkommen gegen Juventus Turin gesichert. Und im Achtelfinale war der Weg gegen Paris Saint-Germain frei, als sich Neymar verletzt hatte - wie im Finale nun Salah.

Das war den Zehntausenden, die die Straßen Madrids am Sonntag bei der langen Feiertour ihrer Helden säumten, allerdings völlig egal. Auf dem Platz Puerta del Sol brachen die Fans allen Alters in ohrenbetäubendem Jubel aus, als Kapitän Sergio Ramos ihnen den Pokal präsentierte und rief: „Diese Trophäe gehört auch Euch. Jetzt müssen wir langsam schon an den 14. Titel denken!“ Mit Feiern am Cibeles-Brunnen und im Estadio Santiago Bernabéu sollte es noch eine lange Nacht werden für alle Madridistas.

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