| 23:10 Uhr

Champions League
Ohne Reus keine Dortmunder Tore

Mailand/Leipzig. Ein ideenloser BVB hat gestern in der Champions League bei Inter Mailand mit 0:2 verloren und seine gute Ausgangssituation verspielt.

Jede Menge Ballbesitz, aber kaum Torgefahr – Borussia Dortmund hat nach einer taktischen Lehrstunde die gute Ausgangslage in der Champions League leichtfertig verspielt. Beim 0:2 (0:1) bei Inter Mailand musste der entthronte Tabellenführer der Gruppe F im dritten Spiel die erste Niederlage hinnehmen und steht vor dem Rückspiel gegen die gnadenlos effektiven Italiener in zwei Wochen unter Zugzwang. Lautaro Martínez (22. Minute) und Antonio Candreva (89.) besiegelten gestern Abend vor 60 000 Zuschauern im San-Siro-Stadion die vermeidbare Niederlage, die kaum als Mutmacher für das prestigeträchtige Revierderby am Samstag beim FC Schalke taugt. BVB-Torwart Roman Bürki zeichnete sich mit einem gehaltenen Foulelfmeter in der 83. Minute gegen Martínez aus, was aber nichts nutzte.

Ohne Kapitän Marco Reus, der mit grippalem Infekt in Deutschland geblieben war, sollten Julian Brandt, Thorgan Hazard und der nach seiner Suspendierung zurückgekehrte Jadon Sancho für Gefahr sorgen. Im ungewohnten 3-4-3-System hatten die BVB-Stürmer gegen die dichte Abwehr der Gastgeber aber große Mühe, ihre Schnelligkeit auszuspielen.

BVB-Trainer Lucien Favre, der nach dem Ausfall von Reus zwar auf Rotation verzichtet hatte, aber taktisch Neues wagte, wirkte früh angespannt in seiner Coaching-Zone. 20 Minuten lang hielt seine neue Dreierkette um Mats Hummels den zaghaften Angriffsbemühungen der Nerazzurri mehr oder weniger problemlos stand – ein langer Ball genügte aber, um Martínez entscheidend in Stellung zu bringen. Der Argentinier ließ dem herausstürmenden Bürki keine Chance.



Mit der Führung im Rücken baute Inter vor dem eigenen Strafraum eine Fünferkette auf und blieb auch in der zweiten Halbzeit bei der Taktik, das Spiel zu verschleppen. Der BVB versuchte weiter, über die Flügel mit Achraf Hakimi und Nico Schulz für Überraschungsmomente zu sorgen, was aber selten gelang.

Ein überhasteter Distanzschuss von Axel Witsel ging weit über das Tor (31.), Sancho hatte spät in der ersten Halbzeit die erste wirklich gute BVB-Chance. Der junge Engländer scheiterte aber an Inter-Keeper Samir Handanovic (45.+1).

Brandt, der als zentraler Stürmer den Vorzug vor Mario Götze erhalten hatte, war über weite Strecken kaum zu sehen. Die Durchschlagskraft von Reus fehlte an allen Ecken und Enden.

Kurz vor der Partie hatte Trainer Favre das x-te Treuebekenntnis von der Vereinsführung erhalten. „Wir haben keine Trainerdiskussion“, stellte Manager Michael Zorc vor der Partie bei Sky klar, nachdem weiterhin Namen von möglichen Favre-Nachfolgern durch das BVB-Umfeld gegeistert waren. Der Schweizer selbst zeigt sich seit Wochen zumindest äußerlich davon unbeeindruckt.

RB Leipzig hat derweil gute Chancen auf den Einzug in die K.o.-Runde. Der Bundesligist kam mit dem 2:1 (0:1) gegen Zenit St. Petersburg zum zweiten Sieg im dritten Spiel in der Gruppe G. Vor 41 058 Zuschauern in der Red-Bull-Arena drehten Konrad Laimer (49.) und Marcel Sabitzer (59.) nach der Pause die Partie gegen die Russen. Jaroslaw Rakyzkyj hatte die Gäste in der 25. Minute in Führung gebracht. Die Leipziger haben nun sechs Punkte aufzuweisen, und führen die Gruppe an.