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Finale der Champions League
Liverpool setzt auf seine Tormaschine

Mohamed Salah breitet die Arme aus, lässt sich von den Fans für eines seiner unzähligen Tore in dieser Saison feiern. Wird der Ägypter auch im Champions-League-Endspiel herausragen?
Mohamed Salah breitet die Arme aus, lässt sich von den Fans für eines seiner unzähligen Tore in dieser Saison feiern. Wird der Ägypter auch im Champions-League-Endspiel herausragen? FOTO: dpa / Nigel French
Kiew. Mohamed Salah ist die Sensation der Saison. Der Ägypter soll die Reds zum Champions-League-Triumph gegen Madrid führen.

Der Countdown läuft. Am Donnerstagvormittag haben der FC Liverpool und Real Madrid jeweils ein letztes Mal in der Heimat trainiert, danach sind sie zum Höhepunkt der Saison in die Ukraine geflogen, zum Endspiel-Kracher der Champions League an diesem Samstag (20.45 Uhr/ZDF). „Wenn wir gewinnen, wäre eine außergewöhnliche Reise perfekt – mit all den Toren und Rekorden“, sagt Liverpools Trainer Jürgen Klopp, der den Titelverteidiger aus Madrid vom Thron stoßen will.

Klopp gegen Zinédine Zidane, Mohamed Salah gegen Cristiano Ronaldo, Arbeiter-Club gegen Königliche – selten hat ein Duell so elektrisiert. 13 Jahre nach dem letzten Champions-League-Sieg will Liver­pool mit Powerfußball wieder den Henkelpokal gewinnen. 46 Tore haben der Ägypter Salah und Co. in der laufenden Champions-League-Saison bereits erzielt und damit einen Rekord aufgestellt. Real ist gewarnt, wie Weltmeister Toni Kroos betont: „Sie haben den Titel seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gewonnen. Ich glaube, sie selbst hatten nicht damit gerechnet, das Finale zu erreichen und werden deshalb alles geben. Sie werden wie Tiere kämpfen.“

Die Vorfreude auf das Duell ist jedenfalls riesengroß, vor allem bei den Fans. Liverpool darf auf eine gewaltige Unterstützung hoffen. Schon am Donnerstag überwog rund um den Maidan die Farbe Rot. Real hat unterdessen 1000 Karten zurückgegeben, auch wegen der hohen Hotelkosten, die bei den Fans für mächtig Ärger sorgten. Zimmer, die normalerweise rund 90 Euro kosten, wurden für den Endspiel-Zeitraum mitunter für mehr als 1000 Euro angeboten. „Es ist wirklich unglaublich, wie sich die Hotelpreise entwickelt haben. Das ist ein Missbrauch, absolut unfair“, sagt Uefa-Chef Aleksander Ceferin.



Die, die kommen, hoffen auf einen Fußball-Leckerbissen. Dafür spricht allein schon die offensive Spielweise von Liverpool mit dem Traumsturm Salah, Sadio Mané und Roberto Firmino, die in der laufenden Saison zusammen 90 Tore erzielten, allein 29 davon in der Champions League. Allerdings hat der englische Anhang ein wenig die Sorge, dass der Fastenmonat Ramadan die Leistungen der Stars beeinträchtigen könnte. Denn Salah und Mané sind gläubige Muslime.

Da wäre es geradezu fatal, sollte sich die Tormaschine der Reds gegen Real kraftlos zeigen. Denn während des Ramadan dürfen Muslime vom Sonnenauf- bis zum -untergang kein Essen und Trinken zu sich nehmen. Bis zum 14. Juni, dem Tag des WM-Eröffnungsspiels, dauert die Fastenzeit noch an.

Zumindest von Salah ist bekannt, dass er praktizierender Muslim ist. „Der Ramadan bedeutet mir sehr viel. Er erfüllt mich und macht mich glücklich“, sagt Salah, der in dieser Saison unter Klopp zum Superstar der Premier League aufgestiegen ist. Salah stellte mit 32 Treffern einen Torrekord in Englands Eliteliga auf und wurde zum besten Spieler der Saison gewählt. Ein Hintertürchen bleibt dem Ausnahmespieler aber. Die strengen Fastenregeln lassen bei Reisenden eine Ausnahme zu. Und das Finale findet schließlich im 2300 Kilometer von Liverpool entfernten Kiew statt.

Auf Salah kommt eine entscheidende Rolle zu – so wie auf Toni Kroos auf der anderen Seite. Er soll den Kraftfußball von Liverpool unterbinden. „Ich kenne Jürgen Klopp sehr gut. Ich weiß, wie seine Teams spielen“, sagt Kroos. 2013 hatte der Mittelfeldspieler gegen Klopps Dortmunder seinen ersten Titel auf der großen Bühne geholt, nun winkt bei einem Sieg Historisches. Kroos hätte dann sogar Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Uli Hoeneß als erfolgreichste deutsche Spieler in der Königsklasse abgehängt. Vier Mal hat noch keiner der Bayern-Altstars den Henkelpott in die Höhe gestemmt. „Die Möglichkeit zu haben, das zu übertrumpfen, einen Platz in der Geschichte einzunehmen, ist speziell“, sagt Kroos.