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Liverpool gewinnt die Champions League
Klopp besiegt seinen Final-Fluch

 Im dritten Anlauf durfte Liverpools Trainer Jürgen Klopp nach einem Champions-League-Finale den Siegerpokal nach oben strecken. Wie schon oft bei ihm zu sehen, jubelte er mit gebleckten Zähnen inmitten seiner Spieler. Danach sprach der 51-Jährige von der besten Nacht seines Berufslebens.
Im dritten Anlauf durfte Liverpools Trainer Jürgen Klopp nach einem Champions-League-Finale den Siegerpokal nach oben strecken. Wie schon oft bei ihm zu sehen, jubelte er mit gebleckten Zähnen inmitten seiner Spieler. Danach sprach der 51-Jährige von der besten Nacht seines Berufslebens. FOTO: dpa / Jan Woitas
Madrid. Deutscher Trainer gewinnt mit dem FC Liverpool die Champions League. 2:0-Sieg gegen Tottenham Hotspur in Madrid. sid/dpa

Von wegen Finalfluch! Jürgen Klopp hat mit dem Triumph in der Champions League auch seine letzten Kritiker verstummen lassen. „Wir freuen uns jetzt alle auf Liverpool, weil man uns gesagt hat, dass da irgendwie eine Million Leute auf uns warten, also wirklich das absolute Highlight“, sagte der Teammanager des FC Liverpool, der seine Augen nach einer durchfeierten Nacht hinter einer verspiegelten Sonnenbrille versteckte.

Eilig stieg der 51-jährige Trainer, der die rauschende Party am Samstagabend „ein bisschen früher“ verlassen haben will, am Sonntag in den Mannschaftsbus und gab den Befehl zur Abfahrt Richtung Flughafen. Bei der Parade durch Liverpool präsentierten die Reds ihren Fans ab 16 Uhr Ortszeit den Henkelpott – den ersten Titel für Klopp, seit dieser 2015 auf die Insel gekommen ist.

Die wilden Feierlichkeiten waren bereits im Metropolitano von Madrid mit dem Abpfiff nach dem 2:0 (1:0) gegen Tottenham Hotspur in Schwung gekommen. Um fünf Uhr in der Früh grölte Klopp gemeinsam mit Edelfan Campino von den Toten Hosen: „We‘re sending greetings from Madrid, tonight we made it number six.“ Denn zum sechsten Mal hatte Liverpool den wichtigsten Europacup-Wettbewerb gewonnen.



Klopp jubelte nach den Treffern von Mohamed Salah (2./Handelfmeter) und durch Divock Origi (87.) verhalten. Erst nach dem Schlusspfiff ging er aus sich heraus. Um 23.15 Uhr hatte der gebürtige Stuttgarter erstmals die Hände am Pott, stemmte ihn mit einem Schrei in den Nachthimmel und stimmte mit dem Anhang ohrenbetäubend die Vereinshymne „You‘ll never walk alone“ an.

Die Spieler trugen ihren Lehrmeister auf Händen. „Er ist ein fantastischer Trainer und ein fantastischer Mensch“, sagte Star-Verteidiger Virgil van Dijk. Der ehemalige Schalker Joel Matip freute sich „riesig für Klopp. Die Leute haben viel über seine Finalserie geschrieben. Aber er hat sich diesen Erfolg mit uns hart erarbeitet.“

Für Origi war es das Ende einer kuriosen Form-Achterbahn, nachdem er vor einem Jahr noch für den VfL Wolfsburg in der Relegation gegen Holstein Kiel getroffen hatte. Ein Sonderlob gab es von Klopp für Torwart Alisson Becker. Der Mann, dessen Vorfahren aus dem St. Wendeler Land kamen, hielt stark.

Spielerisch geht die „Erlösung der Reds“ („The Sun“) als eines der schwächeren Endspiele in die Cup­historie ein. Zu Beginn gab es eine Schweigeminute für den verstorbenen José Antonio Reyes (siehe Text unten), während des Spiels sorgte eine knapp bekleidete Flitzerin, die offenbar Werbung für eine Erotikseite machen wollte, für Aufregung. Am Ende gewannen die Reds nicht dank ihres gefürchteten Offensivfeuerwerks, sondern weil sie das reifere und abgeklärtere Team waren. „Meine Mannschaft hat schon bessere Finals gespielt, aber nicht gewonnen“, analysierte Klopp treffend.

Sechs große Endspiele in Serie (davon zwei in der Champions League) hatte Klopp zuvor verloren, drei davon in seinen vier Jahren bei den Reds. In der Königsklasse war Liverpool 2018 an Real Madrid (1:3) gescheitert, zudem hatte es 2016 gegen den FC Sevilla im Finale der Europa League (1:3) sowie im englischen Ligapokal gegen Manchester City (1:1 n.V., 1:3 i.E.) jeweils schmerzhafte Pleiten gesetzt.

Ein Verlierer-Image haftete Klopp an, am Samstag hat er es mit einem Schlag abgelegt. Die Erleichterung darüber stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Das ist unendlich wichtig, für den Club, für die Fans“, sagte Klopp, stellte seine eigene Person aber hinten an. „Ich freue mich für die anderen, für meine Familie“, sagte er, denn die „hat immer mehr gelitten als ich. Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille schenken kann.“

  Schon in Minute zwei traf Mo Salah per Strafstoß zum 1:0.
Schon in Minute zwei traf Mo Salah per Strafstoß zum 1:0. FOTO: dpa / Joe Giddens