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Dortmund scheidet gegen Tottenham aus
Das große BVB-Manko bleibt die Chancenverwertung

Dortmund. Borussia Dortmund muss sich nach dem 0:1 gegen Tottenham und dem Ausscheiden aus der Champions League auf die Bundesliga konzentrieren. sid

Ausgerechnet die nächste bittere Niederlage soll ein Mutmacher für den Bundesliga-Endspurt sein. Zumindest weigerten sich Marco Reus, Michael Zorc und Co. standhaft, den frühen K.o. in der Champions League als Rückschlag zu werten. „Wir müssen am Samstag genauso spielen wie gegen Tottenham in der ersten Halbzeit“, sagte Borussia Dortmunds Kapitän Reus nach dem Achtelfinal-Aus in der Königsklasse am Dienstagabend durch die 0:1 (0:0)-Heimniederlage gegen Tottenham Hotspur im Rückspiel: „Mit dem Unterschied, dass wir die Tore machen. Wir müssen liefern und den Turnaround schaffen.“

Turnaround heißt auf deutsch Wende. Und die soll am besten schon im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart folgen. Andernfalls könnte der BVB nach dem Aus im DFB-Pokal und in der Königsklasse auch die Tabellenführung in der Bundesliga verlieren.

Der Fokus gilt nun der Jagd nach dem neunten Meistertitel im Fernduell mit Rekordchampion Bayern München. Der BVB hat dabei in den vergangenen Wochen sein komfortables Polster verspielt und liegt nur noch zwei Tore vor den Bayern. Ausreden gibt es jetzt keine mehr, stellte Reus klar, der Kredit der Fans, die das Team am Dienstag trotz allem feierten, halte nicht mehr lange an: „Wir haben jetzt keine englischen Wochen mehr und können uns explizit auf die Gegner vorbereiten.“



In der Königsklasse hatten die Dortmunder nach dem 0:3 im Hinspiel in England alles auf eine Karte gesetzt und die starke Defensive der Gäste in der ersten Halbzeit von einer Verlegenheit in die nächste gestürzt. Das große Manko blieb – wie zuletzt häufig – die Chancenverwertung. 20:5 Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 90 Prozent reichten am Ende nicht zum Sieg – nicht einmal zu einem Remis. „Spielerisch war das sehr gut, wir haben uns Torchancen herausgearbeitet“, sagte Manager Zorc: „Aber wir sind an (Tottenham-Torhüter, d. Red.) Hugo Lloris oder an uns selbst gescheitert.“ In der zweiten Halbzeit schwanden die Kräfte, und Harry Kane (48.) zog mit seinem Treffer zum 0:1 (0:0) „den Stecker“, wie Zorc feststellte.

Doch in den Punkten Leidenschaft und Kampfgeist stimmte es beim BVB, „die Mannschaft ist intakt“, folgerte Zorc, dem zuletzt „die letzten zwei, drei Prozent in puncto Fokussierung“ gefehlt hatten: „Es gab viel Selbstkritik. Die Mannschaft kann das einordnen. Wir müssen die Leistung aus der ersten Halbzeit mitnehmen. Das ist der Maßstab, wie wir in den kommenden Wochen auftreten müssen. Wir müssen nur ab und zu auch mal den Ball über die Linie bringen.“

Gegen den VfB erwartet Zorc nun „100 Prozent“: „Das ist die Forderung, die wir an die Truppe haben.“ Auch Torhüter Roman Bürki appellierte indirekt an die Moral der Mannschaft. „Ich würde mich freuen“, sagte er, „wenn wir auch gegen kleinere Gegner mal so auftreten würden“ wie in der Königsklasse gegen ein Spitzenteam wie Tottenham.