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FC Bayern gewinnt schon wieder nicht
Der Bayern-Motor stottert weiter

Lange Gesichter bei Niklas Süle, Javi Martínez, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski (von links) nach dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam in der Champions League. Über eine Krise will beim FC Bayern München keiner reden.
Lange Gesichter bei Niklas Süle, Javi Martínez, Joshua Kimmich und Robert Lewandowski (von links) nach dem 1:1 gegen Ajax Amsterdam in der Champions League. Über eine Krise will beim FC Bayern München keiner reden. FOTO: dpa / Sven Hoppe
München. Deutscher Meister kommt auch in der Champions League gegen Ajax Amsterdam nicht über ein 1:1 hinaus. sid

Uli Hoeneß presste die Lippen aufeinander und ging wortlos vorbei, einen Schritt dahinter folgte ihm Karl-Heinz Rummenigge, auch er verkniff sich jeden Kommentar. Niko Kovac dagegen musste reden – und dabei war zu sehen und zu hören, wie tief den ratlos wirkenden Trainer des FC Bayern München das schmeichelhafte 1:1 (1:1) in der Champions League gegen Ajax Amsterdam getroffen hatte. „Ich muss das erst mal verarbeiten, die Gedanken sortieren“, sagte er.

Seit nunmehr drei Pflichtspielen ist der deutsche Rekordmeister nun sieglos. Für Münchner Verhältnisse ist das eine Krise. Zumal das Unentschieden gegen Ajax den Anschein erweckte, als habe der FC Bayern nicht nur eine kleine Schwächephase, sondern in der Tat größere Probleme. Das Spiel am kommenden Samstag (18.30 Uhr/Sky) in der Bundesliga gegen Borussia Mönchengladbach gilt bereits als eine Art Schicksalsspiel. „Wir brauchen einen Sieg, um in die Spur zu kommen“, sagte Arjen Robben.

Dabei schien die Kovac-Elf nach sieben Pflichtspielsiegen seit Saisonbeginn bereits auf dem richtigen Weg, ehe sie gegen den FC Augsburg (1:1), dann bei Hertha BSC (0:2) und nun gegen Amsterdam davon abkam. Warum das so ist? „Nicht nur ich bin überrascht“, sagte der Trainer, das sei „von der Art und Weise und der Form“ her nicht zu erwarten gewesen. Er müsse jetzt „erst mal schauen“, warum die letzten drei Spiele nicht so gelaufen seien wie die ersten sieben.



Das Spiel gegen Ajax lieferte einige Erklärungen. Ajax ließ sich nach dem frühen Rückstand durch Mats Hummels (4.), der sich kurz vor Spielende bei einem Zusammenprall eine Kopfverletzung zuzog und genäht werden musste, sicher auch zur Überraschung der Münchner nicht aus der Ruhe bringen - im Gegenteil. „Wir haben die Bayern hoch abgefangen, und das hat ihnen nicht gefallen“, sagte Trainer Erik ten Hag, der von 2013 bis 2015 die U23 der Münchner angeleitet hatte. Nach dem Ausgleich durch Noussair Mazraoui (22.) war seine Mannschaft näher am Sieg als die Gastgeber.

Die Bayern spielten nach schwungvollen Anfangsminuten allzu fehlerhaft, wirkten träge, das Angriffsspiel war statisch, leicht zu durchschauen, ohne Überraschungsmomente. „Wir haben den Gegner aufgebaut und uns letzten Endes abgebaut“, monierte Kovac.Ajax dagegen spielte mutig, taktisch geschickt und mit viel Witz. Anders formuliert: „Ajax hatte sowohl mit als auch gegen den Ball einen Plan. Wir hatten fast schon Glück mit dem einen Punkt“, sagte Joshua Kimmich.

Und nun? Sind die Bayern in der Champions League mit vier Punkten weiter Zweiter der Gruppe E hinter Ajax, doch weit entfernt von der scheinbaren Dominanz ihrer ersten sieben Spiele unter Kovac. „Wir müssen wieder dort hinkommen, wo wir vor drei Spielen waren“, sagte der Kroate und betonte die „Basics“ des Fußballs: „Wir müssen die Chancen nutzen. Wir müssen körperlich dagegenhalten, mitmachen. Nur mit Fußball und Ballbesitz wird man es immer wieder schwer haben.“

Vorerst beruhigen sie sich beim FC Bayern mit der Annahme, dass schon bald alles wieder gut sein werde. „Vielleicht“, mutmaßte Kapitän Manuel Neuer, „fehlen Zielstrebigkeit und Kaltschnäuzigkeit, aber das kommt zurück, das wissen wir.“ Auch Kovac beteuerte, er sei „davon überzeugt“, dass er und die Mannschaft die richtigen Schritte einleiten würden.

Die Situation in der Champions League bereitet Kovac da erst mal keine Sorgen. „Unter dem Strich“, sagte er, „werden wir trotzdem weiterkommen.“ Fragt sich nur: wie weit?