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Olympische Winterspiele 2026
Calgarys Nein bringt IOC in die Bredouille

Alles Werben für ein Ja hat nichts gebracht. Die Bürger Calgarys wollen keine Winterspiele.
Alles Werben für ein Ja hat nichts gebracht. Die Bürger Calgarys wollen keine Winterspiele. FOTO: dpa / Jeff Mcintosh
Calgary. Für die Austragung der Winterspiele 2026 sind nur noch zwei Bewerber übrig. Auch die haben Probleme. dpa

Olympia, nein danke! Auch die Bürger von Calgary haben keine Lust auf die Olympischen Winterspiele 2026 und bringen das Internationale Olympische Komitee in große Nöte. Denn damit bleiben nur noch Mailand/Cortina d’Ampezzo und Stockholm als Kandidaten übrig, und selbst diese beiden Bewerbungen stehen aufgrund finanzieller oder politischer Unsicherheiten auf ziemlich wackligen Füßen.

In der Nacht zum gestrigen Mittwoch hatten nur 43,6 Prozent der Bürger Calgarys für eine Bewerbung gestimmt. Die Gegner waren mit 56,4 Prozent klar in der Mehrheit. Auch wenn das Ergebnis nicht bindend ist, dürfte Calgary damit aus dem Rennen sein. Das IOC nannte die Entscheidung „enttäuschend“.

Wieder einmal haben sich Bürger in einer Volksbefragung gegen Olympische Spiele ausgesprochen. Insgesamt war es schon die neunte Bewerbung in Serie, die am Widerstand des Volkes scheiterte. Vor Calgary kam bereits für Sion und Tirol in einem Referendum für 2026 das Aus – ebenso wie für 2024 Hamburg und Boston sowie 2022 für die möglichen Bewerber München, Krakau, Oslo und Graubünden.



Nun blickt das IOC mit Sorge nach Schweden und Italien. In Stockholm mangelt es an Unterstützung aus der Politik. Die neue Stadtregierung hat durchblicken lassen, keine Steuergelder für das Projekt ausgeben zu wollen. Und auch in Italien gibt es große Fragezeichen. Die Regierung des hoch verschuldeten Landes werde zwar die Bewerbung unterstützen, aber es gebe „keinen Euro, weder für direkte noch indirekte Kosten“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Luigi Di Maio.

So könnten im schlimmsten Fall dem IOC gänzlich die Bewerber ausgehen. Vor einem derartigen Szenario hatte IOC-Ehrenmitglied Gian Franco Kasper, zugleich Präsident des Skiweltverbands FIS, jüngst gewarnt: „Lasst uns hoffen, dass wir noch Kandidaten haben.“ Auf der IOC-Vollversammlung am 24. Juni 2019 in Lausanne soll über den Ausrichter entschieden werden.

Schon für die Winterspiele 2022 war das Bewerberfeld auf die Kandidaten Peking und Almaty geschrumpft. Am Ende bekam die chinesische Metropole den Zuschlag, womit nach Pyeongchang 2018 und Tokio 2020 drei olympische Großereignisse in Serie in Asien stattfinden. Und für 2026 hatte ursprünglich auch Sapporo sein Interesse angemeldet, nach einem Erdbeben die Pläne aber auf die darauffolgenden Spiele 2030 verschoben.

IOC-Chef Thomas Bach hatte sich dafür ausgesprochen, 2026 an einen traditionellen Wintersport-Ort zurückzukehren. Seine „Agenda 2020“, die Kostensenkungen und Nachhaltigkeit für Olympia-Gastgeber vorsieht, scheint gerade in westlichen Ländern die Bürger nicht zu überzeugen. Die Winterspiele hätten Calgary mindestens 3,5 Milliarden Euro gekostet – zu viel. Da wollten die Bürger nicht mitspielen.