| 21:07 Uhr

Handball-WM der Frauen
Der Medaillenschmied ist gefordert

  Handball-Bundestrainer Henk Groener bereitet die deutsche Frauen-Nationalmannschaft auf das Auftakt-Wochenende der Weltmeisterschaft in Japan vor. Mit dabei: Rechtsaußen-Spielerin Amelie Berger (links) aus Zweibrücken.
Handball-Bundestrainer Henk Groener bereitet die deutsche Frauen-Nationalmannschaft auf das Auftakt-Wochenende der Weltmeisterschaft in Japan vor. Mit dabei: Rechtsaußen-Spielerin Amelie Berger (links) aus Zweibrücken. FOTO: dpa / Philipp von Ditfurth
Tokushima. Bundestrainer Henk Groener soll mit den deutschen Handball-Frauen bei der WM die Olympia-Hoffnung am Leben halten. sid

Der Auftrag? Klar. Die Aufgabe? Höchst knifflig. Doch Henk Groener brennt auf den wohl schwierigsten Job seiner Trainer-Laufbahn. „Das ist ein Turnier, von dem man als Sportler träumt“, sagt der Bundestrainer der deutschen Handball-Frauen um die Zweibrückerin Amelie Berger vor der Weltmeisterschaft in Japan. Groener, einstiger Medaillenschmied Oranjes, weiß um die Schwere seiner Mission: Nur ein Platz unter den besten Sieben hält den Traum von Olympia 2020 am Leben.

„Wir haben bei der EM gezeigt, dass wir bei vielen Teams gut mithalten können“, sagt Groener vor seiner WM-Premiere mit dem deutschen Team an diesem Samstag (7 Uhr/Sportdeutschland.tv) gegen Panamerika-Meister Brasilien. Doch ein zehnter Platz wie bei Groeners Debüt bei der Europameisterschaft im Vorjahr wäre nun zu wenig.

Die persönlichen Erinnerungen an seine letzten WM-Spiele dürften Groener beflügeln. 2015 war es, als er mit den Niederlanden die Handball-Welt auf den Kopf stellte und sie sensationell ins Finale führte. „Das ist jetzt eine andere Situation. Es ist mein erstes WM-Spiel mit Deutschland, das sind schon anderen Voraussetzungen“, sagt Groener zurückhaltend. Dabei wird seitens der Verbands-Oberen zumindest mittelfristig nichts anderes als eine Wiederholung des Holland-Märchens von Groener erwartet. Zurück in die Weltspitze soll es gehen – und das möglichst schnell. Bei der Inthronisierung Groeners im Frühjahr 2018 wurde öffentlich von einer Olympia-Medaille 2020 gesprochen, doch dieses Ziel klingt heute, fast zwei Jahre und eine EM später, angesichts der Leistungsschwankungen im Team mindestens ambitioniert.



Dass Groener ein Spezialist für kleine Handball-Wunder ist, bewies er seinerzeit im Nachbarland, als er das niederländische Team von 2009 bis 2016 sukzessive unter den Besten etablierte. Sowohl bei der WM 2015 als auch bei der EM 2016 schaffte Oranje den Sprung ins Endspiel. Die beiden Silbermedaillen sind bis heute die besten Platzierungen in der Geschichte des niederländischen Handballs.

In den Tagen vor dem Japan-Abenteuer, seinem zweiten Turnier als DHB-Coach, wirkt Groener ganz entspannt. Das Ziel Olympia formuliert der 59-Jährige sehr klar, doch er tut alles, um den Druck von seinen Spielerinnen zu nehmen. Selbst als die WM-Generalprobe gegen Montenegro (29:33) verloren ging, war Groener der ruhende Pol.

In der Szene genießt Groener einen ausgezeichneten Ruf, er gilt als Bessermacher und Medaillengarant. Und auch beim Deutschen Handball-Bund ist das Vertrauen riesig. Der bestehende Vertrag, der bis nach den Sommerspielen 2020 gilt, soll vorzeitig verlängert werden. Eine entsprechende Präsidiumsentscheidung verkündete Präsident Andreas Michelmann kürzlich. Dieses Vertrauen will Groener nun bestätigen – und muss er auch.